Literatur.

Neu erschienene Werke.

6) Wandmalereien des christlichen Mittelalters in den Rheinlanden. Herausgegeben von Ernst aus’m Weerth. Zugleich als II. Abtheilung, Band 4 und 5 der Kunstdenkmäler des christlichen Mittelalters in den Rheinlanden. Leipzig, 1879. T. O. Weigel. Imp. 2. 21 Stn. und 46 Tafeln.

Der reiche, farbige Schmuck, welcher ehemals die Wände der mittelalterlichen Kirchen bedeckte, ist im Laufe der Zeit großentheils verschwunden. Die Tünche hat in jener Zeit, als man die Kunstwerke des Mittelalters nicht mehr „schön“ fand und glücklicher Weise verblichene Malereien lieber zudeckte, als auffrischte, den bunten Schmuck meist überweißt, so daß allenthalben reiche Schätze von Gemälden unter der Tünche schlummern. Unserer Zeit war es vorbehalten, einen großen Theil derselben von der deckenden Hülle zu befreien. Leider nur haben dieselben kaum irgendwo solche Frische, noch sind sie in ihren Farbtönen so wohl erhalten, in ihrer Zeichnung so unverletzt, daß sie in demselben Zustande erhalten werden könnten, in welchem sie aus der Tünche herausgeschält werden. Was nicht vorher schon beschädigt war, wird beim Entfernen der Kalkkruste durch die Arbeiter zerstoßen. Wenn nun auch der Kunstfreund sich mit solchen Resten begnügen würde, so gestattet meistens der fromme Sinn nicht, daß die Wände des Heiligthums sich in dieser Gestalt zeigen, in welcher allerdings auch kein profaner Mensch die Wände seines Wohnzimmers belassen würde. Die Gemälde sollen restauriert werden. Restaurieren ist aber da nichts Anderes als Uebermalung. Wir bekommen neue Gemälde, bei denen mehr oder weniger gut die alte Zeichnung zu Grunde liegt und die alte Farbe in ursprünglicher(?) Frische wieder erscheint. Ist nun auch die Kirche in würdiger Weise wieder ausgestattet, so sind doch an Stelle der Originale Kopieen getreten, die eine kunstgeschichtliche Beweiskraft nur mehr in geringem Grade haben. Darin liegt eine der Hauptschwierigkeiten der Publikation solcher Wandgemälde, deren Lösung nur ein Mann wie der Herausgeber des Werkes versuchen konnte, dessen Titel an der Spitze dieses Aufsatzes steht. Als sich das Interesse für die kirchliche Kunst des Mittelalters in den Rheinlanden in jener Tiefe entwickelt hatte, daß alle Zweige derselben Beachtung fanden, waren auch, wol zuerst in Deutschland, dort mehrere umfassende Wandmalereien aufgedeckt worden, die nicht nur das Dekorationssystem aus verschiedenen Zeiten vor Augen führten, sondern auch heute noch, wenn auch inzwischen viel Anderes gefunden wurde, zu dem Schönsten in ihrer Art gehören. Es war der Maler Hohe in Bonn, welcher schon im Beginn der fünfziger Jahre die Aufdeckung verschiedener solcher Wandgemälde durchgeführt und solche restauriert hat, nachdem er erst Pausen der Originale genommen, die auch für das vorliegende Werk die Zeichnungen liefern sollten. Sein 1868 erfolgter Tod brachte Störung, noch größere der Umstand, daß sich bei Vergleichung seiner Zeichnungen mit den Wandgemälden selbst Abweichungen ergaben, die zu großem Theile Neuzeichnungen nothwendig machten. So konnte das Werk erst jetzt erscheinen, das sich als Fortsetzung des allen Alterthumsfreunden rühmlichst bekannten großen Werkes desselben Verfassers darstellt, dessen erster Band schon 1857 erschienen ist.

Es sind im Wesentlichen 3 Reihen, die uns hier gegeben werden: die ältesten jene des Kapitelsaales zu Brauweiler, der Mitte des 12. Jahrhunderts angehörend und die Illustration der Märtyrergeschichten des Hebräerbriefes darstellend, sodann die der Ober- und Unterkirche von Schwarzrheindorf, deren letztere die letzten Visionen des Propheten Ezechiel darstellt, während die Oberkirche Stellen aus der Offenbarung Johannis zur Darstellung bringt, die wol gleichzeitig mit der ersteren sind, sodann die bereits dem gothischen Stile angehörigen Malereien der Deutschordenskapelle zu Ramersdorf, ein Cyklus von hoher Schönheit, welcher leider heute nicht mehr existiert. Ihnen schließt sich sodann an, was an Resten der Malerei in der Kirche zu Brauweiler, frei restauriert, noch vorhanden ist, im Buche nach Hohes alten Zeichnungen wiedergegeben. Dann folgen die Gemälde der jetzt abgebrochenen Kirche zu Bergheim an der Sieg. Den Schluß bildet die Darstellung eines steinernen Altars aus Küdinghoven, dem Schlusse des 14. Jhdts. angehörig.

Der Kunstgeschichte ist auch durch diese neue Publikation des verdienten Verfassers reiches Material zugeflossen. Es ist deshalb um so lebhafter zu bedauern, daß die Schwierigkeiten, welche sich der Herausgabe entgegenstellten, und die nicht blos den Eingangs geschilderten inneren Gründen ihre Entstehung verdanken, sondern auch äußeren, den Verfasser entmuthigt zu haben scheinen, so daß er es in Frage stellt, ob überhaupt noch Fortsetzungen folgen, ob der reiche Schatz an Werken aller Art, den die Rheinlande noch bergen, in solch sachgemäßer Weise zur Publikation gelangen und eine Kunstgeschichte der Rheinlande, welche seit frühester Zeit eine in sich zusammenhängende, abgeschlossene Kunstschule in sich gebildet, als Krönung des Werkes folgen werde.

A. E.

7) Die Kunstsammlung von Eugen Felix in Leipzig. Katalogisirt von Dr. A. v. Eye und P. E. Börner. Leipzig. In Commission bei T. O. Weigel. 1880. gr. 8. Mit einem Atlas von 36 Tafeln in Lichtdruck von A. Naumann.

Die Sammlung des Herrn E. Felix zu Leipzig gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Privatsammlungen, welche gegenwärtig noch in Deutschland existieren. Sie nahm bekanntlich den ganzen Regensburger Silberfund in sich auf, wurde später durch Ankauf der Milanischen Sammlung in Frankfurt a. M. erweitert, enthält in ihrer kleinen, aber gewählten Kupferstichsammlung Seltenheiten, welche auf den Versteigerungen der letzten Jahrzehnte selbst königlichen Kabineten wegen ihrer hohen Preise unerreichbar erschienen, hat namentlich aber durch Erwerbung höchst kostbarer Stücke, wie der in einem Grabgewölbe zu Rositz im Herzogthum Altenburg gefundenen sächsischen Ordenskette, italienischer Bronzen, limousiner Emails, deutscher Goldschmiedearbeiten u. s. w., in letzter Zeit solche Belege früherer Kunstfertigkeit in sich vereinigt, daß über die Befriedigung bloßer Liebhaberei hinaus darin auch der Freude am Vollendeten und Schönen, wie dem Studium reiche Nahrung geboten wird. Es kann deshalb nur beifällig aufgenommen werden, daß ein streng wissenschaftlich durchgeführter Katalog dieser Sammlung ihren Bestand feststellt und weitere Kreise damit bekannt macht. Der beigegebene und reich ausgestattete Atlas kommt dabei der Anschauung in ergiebigster Weise zu Hülfe.