8) Heraldisches Handbuch, für Freunde der Wappenkunst, sowie für Künstler und Gewerbtreibende bearbeitet und mit Beihülfe des kgl. Preuß. Cultus-Ministeriums herausgegeben von F. Warnecke mit 313 Handzeichnungen von E. Döpler d. J. und sonstigen Abbildungen in Lichtdruck von S. Kovácsek. Görlitz, C. A. Starke. 1880. 4. IV und 52 Seiten und 33 Tafeln.
Die Absicht des Verfassers war hier nicht, der Wissenschaft neues Material zuzuführen, noch durch entsprechende Verarbeitung Bekanntes in das rechte Licht zu setzen. Sein Buch hat ausschließlich einen praktischen Zweck. Es soll in möglichster Kürze alles zusammenfassen, was der Künstler wissen muß, welcher Wappen zeichnen soll, und was etwa der Besteller einer solchen Wappenzeichnung zu wissen nöthig hat, um beurtheilen zu können, wie weit der Auftrag, den er gegeben, auch richtig ausgeführt ist. Denn es läßt sich nicht leugnen, daß trotz aller Publikationen von Seite der Fachmänner das richtige Verständniß noch immer auf enge Kreise beschränkt ist. Es mag dies zum Theil seinen Grund darin haben, daß ein kurzes Handbuch bisher fehlte, welches, populär im besten Sinne, uns das gibt, was der Laie brauchen kann, und denselben nicht durch zu große Vertiefung abschreckt. Das in Kürze und dabei in größter Zuverlässigkeit zu bieten, ist dem Verfasser gelungen; der Zeichner hat aber durch die vollendete, echt künstlerische Auffassung und die Feinheit der Empfindung, welche er mit der Energie und Strenge der heraldischen Darstellung zu verbinden wußte, durch gute Auswahl alter Muster und treffliche Komposition neuer, im alten Geiste gedachter Vorlagen den Verfasser auf das beste unterstützt.
Daß das Werk die Unterstützung der kgl. preuß. Regierung gefunden, ist ein Beweis seiner praktischen Brauchbarkeit.
Vermischte Nachrichten.
42) Auf dem Felde des Gutsbesitzers Schäfer in Kl.-Gollnisch bei Eichberg (Kreis Bunzlau) war man bereits seit mehreren Jahren wiederholt auf Spuren einer ehemaligen heidnischen Begräbnißstätte gestoßen; auch beim diesjährigen Pflügen wurden einige solcher Ueberreste bloßgelegt. Durch den Inhaber des Territoriums freundlichst aufmerksam gemacht, begab sich Berichterstatter an die interessante Stelle. Ein oberflächlicher Blick genügte, um das Vorhandensein eines ausgedehnten vorgeschichtlichen Beerdigungsplatzes zu erkennen, da zahlreiche Feuerstätten bekundeten, daß heidnische Ansiedler unbekannter Zeit und Nationalität daselbst ihre Todten verbrannt hätten, und diverse Topfscherben und zerstreute Knochenreste bezeugten, daß bereits Neugier oder Wissenstrieb geschäftig gewesen. In meiner Gegenwart wurden nunmehr von den Herren Schäfer und Gastwirth E. Freude in Eichberg unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln systematische Ausgrabungen angestellt. Man fand vorläufig hinter je einer Kohlenstätte genau orientiert, in einer Entfernung von etwa 10 Schritt von einander, ungefähr 1 Fuß unter der tiefgehenden Furche, zwei große Urnen mit zerkleinerten, erst verbrannten Gebeinen, welche bis auf geringe Beschädigungen — nur die Deckel waren meist von den Pferden eingetreten — wohlerhalten herausbefördert wurden, ebenso in unmittelbarer Nähe der Töpfe je zwei kleinere sogenannte Thränennäpfe. Alle diese Gegenstände sind nach deutlichen Spuren auf der Drehscheibe gearbeitet. Eine der Urnen zeichnete sich durch gefälligere Behandlung aus; sie zeigte außen drei buckelartige Handhaben, unterbrochen von je zwei langgezogenen Vorsprüngen. Ganz besonders interessant — weil seltener — war ein, leider nur fragmentarisch erhaltener, niedriger, breiter Napf mit strichförmigen, rothgemalten Ornamenten. Zu bedauern ist, daß keine Geräthschaften zugleich entdeckt wurden, welche annähernd das Alter der Funde bestimmen ließen; nur ein pfundschweres Stück geschmolzenes Eisen, welches mir als früher gefunden bezeichnet wurde, möchte für eine späte Periode der Grabstätte sprechen. Die Umgegend von Eichberg ist schon mehrfach durch heidnische Funde bekannt; auf Zimmermanns vorgeschichtlicher Karte von Schlesien sind die Ortschaften Kromnitz und Gr.-Gollnisch als Stätten von Flachgräbern markiert. — Das Museum schlesischer Alterthümer wird voraussichtlich die Mehrzahl der gefundenen Gegenstände für sich erwerben.
Dr. E. Wernicke im niederschles. Courier, Nr. 40.
43) Aus Marburg in Hessen erfährt die „Köln. Zeitung“: An dem Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers wurde am Goldberge zu Mardorf bei Marburg ein Fund seltener Goldmünzen u. s. w. gemacht. Nachdem an dem Abhange des Berges einige Tage zuvor 2 Goldmünzen gefunden worden, begannen darauf am Montag einige Hundert Dorfbewohner mit Hacken und Spaten an der bezeichneten Stelle den Boden weiter zu untersuchen. Infolge dessen wurden über 100 Goldstücke zu Tage gefördert, und in den folgenden Tagen noch immer weitere Funde gemacht. Neben Münzen fand man auch sonstige Goldsachen, als ein Kreuz, eine Spange und einen Armring. Die Münzen selbst sind Hohlmünzen, auf der Hohlseite mit dem erhöhten Bilde eines schlangenartigen Thieres und mit 3, 5, 7 oder 9 erhöhten Punkten versehen, während die erhabene Seite in der Mitte eine birnförmige Erhöhung zeigt, welche von 2 oder 3 Punkten und einem Blätterkranze umgeben ist. An Größe kommen die Stücke dem Zehnmarkstücke gleich, sind aber dicker, haben in der Regel 7¼ Gramm an Gewicht und demnach ungefähr den Goldwerth eines Zwanzigmarkstückes.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 149.)