44) Dem Geschichtsverein in Hanau, welcher in den letzten Jahren für die Spezialgeschichte der Provinz Hessen eine rege Thätigkeit entfaltet hat, ist es gelungen, ein Römerkastell in der Nähe von Hanau, am Einfluß der Kinzing in den Main, zu entdecken. Viele Urnen und Geräthe, sowie Reste von Gebäuden der alten Römerzeit sind aufgefunden und bereits dem Museum des Hanauer Geschichtsvereins einverleibt worden. Leider konnten die Grundmauern des Kastells, welche mit einer Ackerkrume von kaum 1½-2 Fuß bedeckt sind, nicht sämmtlich bloßgelegt werden, weil die Ackerbestellung solches hinderte. Es wird beabsichtigt, diesen Herbst nach der Ernte die Ausgrabungen fortzusetzen.
(Fränk. Kurier, Nr. 176.)
45) Trier, 11. April. (Cöln. Ztg.) In den letzten Wochen sind in unserm Bezirke wieder wichtige Funde an römischen Alterthümern gemacht worden. Unmittelbar bei Trier, auf der linken Moselseite, wurde eine große Masse eiserner Geräthschaften als Wagenreife, Schwerter und Ackergeräthe gefunden, ferner ein Bronzerelief, welches in getriebener Arbeit einen Krieger darstellt, der von einer neben ihm stehenden Victoria bekränzt wird. Nicht weit von dieser Stelle kamen bei Anlage eines Weinberges Säulentrommeln, korinthische Kapitäle und Architrave aus den seltensten Marmorsorten und von vorzüglicher Erhaltung zum Vorschein. Noch wichtiger, die hohe Stufe der römischen Kultur in unserer Gegend aufs neue bezeugend, ist die Entdeckung einer römischen Glasfabrik auf der Hochmark bei Cordel in der Eifel. Ausgrabungen, welche seit Beginn des Frühjahrs seitens des hiesigen Provinzialmuseums daselbst vorgenommen worden sind, haben zur Auffindung einer großen Masse von Resten der Glashäfen, Glasschlacken und Glasfragmenten geführt. Unter den Glasfragmenten nehmen namentlich einige mehrfarbige Stücke (sogenannte Millefiores) besonderes Interesse für sich in Anspruch; denn sie zeigen, daß die mehrfarbigen Glasgefäße nicht, wie man bis jetzt annahm, aus Italien eingeführt worden, sondern einheimische Fabrikate sind.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 89.)
46) Ueber die an der Nordseite der Stadt Xanten gemachten Ausgrabungen wird der „Cöln. Ztg.“ geschrieben: Die Aufdeckungsarbeiten sind nach dem Froste wieder aufgenommen worden und haben ein überraschendes, großartig zu nennendes Ergebniß gehabt. Die große, zuerst gefundene Mauer ist in der Länge bis 105 m. gewachsen in gleicher, gewaltiger Dicke von 3 m. Der Alterthumsverein beschloß, nur nach der einen Seite hin die Anlagen weiter zu verfolgen, und hat es ermöglicht, daß nunmehr die 4 Ecken eines Gebäudes klar zu erkennen sind, dessen Lang- und dessen Breitseite je 105 m. betrugen. Innerhalb des Gebäudes sind Abtheilungen zum Vorschein gekommen von 6 m. Breite und 20 m. Länge. Das in seinen Umrissen erkennbare Bauwerk ist aber nur ein Flügel eines Gebäudes, welches allem Anschein nach sechsmal größer als der benannte Theil ist. Das Baumaterial ist hauptsächlich ein fester Thonschiefer, nach den Außenmauern zu Basalt, dabei höchst sorgfältig gemauert, mit trefflichstem Mörtel zusammengefügt. Wozu diente dieser gewaltige Bau, dessen Fundament 4 m. tief noch im Grunde steckt? Ist er von Römern oder von Franken errichtet? Das sind Fragen, welche nur von gewiegten Sachkennern annähernd beantwortet werden mögen. Alterthumskundige und Bautechniker müssen sich hierbei die Hand reichen. Besondere Funde sind bei den Ausgrabungen bis jetzt nicht gemacht worden, etliche römische Münzen aus den Zeiten der Antonine und des Alex. Severus und ein zierliches Löffelchen aus Bronze ausgenommen. Dieselben könnten für den römischen Ursprung des Gebäudes sprechen; aber auch bei den Franken sind römische Münzen lange in Umlauf gewesen. Dem Volke, das hier gebaut hat, haben jedenfalls bedeutende Transportmittel zu Gebote gestanden, da mit Ausnahme der wenigen Dachziegel sämmtliches Baumaterial vom Oberrhein her hierhin geschafft werden mußte; außerdem aber muß die Technik des Mauerns bei denselben in hohem Grade ausgebildet gewesen sein. All dieses kann eben so gut auf die Römer als auf das Reich der Nibelungen passen. Eben so gut ist ein solches Bauwerk für die casta veterna mit ihren 3 Legionen Besatzung nöthig gewesen, als für den festungsartigen Palast eines alten Germanenkönigs. Schließlich sei bemerkt, daß der Alterthumsforscher Hr. Prof. Schneider aus Düsseldorf diese Aufdeckungen als die im Rheinlande in jüngster Zeit bei weitem bedeutendsten bezeichnet hat. Es ist schade, daß nach Jahresfrist die aufgedeckte Fläche wieder eingeebnet und als Ackerfeld benutzt werden muß.
(Deutscher Reichsanzeiger, Nr. 79.)
47) Aus dem Ried, 30. März. Bekanntlich zerstörte die durch den Eisgang verursachte Hochfluth Anfangs dieses Jahres die Dämme der Gemarkung Groß-Rohrheim an verschiedenen Stellen, und man ist soeben damit beschäftigt, die beschädigten Stellen wieder herzustellen. Zu diesem Zwecke wurden vom Staate auf beiden Seiten der Landstraße zwischen Groß- und Kleinrohrheim einige Morgen Feld angekauft, um ausgehoben zu werden, damit die nöthige Erde zum Ausbessern der Dämme an Ort und Stelle gewonnen wird. Bei dieser Gelegenheit nun fanden die Arbeiter antike Scherben und Knochenreste (was übrigens in diesem Felde schon öfter vorkam, von den betreffenden Findern aber nicht weiter beachtet wurde) und wurde dies alsbald dem Herrn Lehrer Gölz aus Klein-Rohrheim mitgetheilt, welcher sofort die nöthigen Schritte einleitete, um allenfallsige werthvolle Funde nicht verloren gehen zu lassen. Der historische Verein für Hessen beauftragte sofort sein Mitglied, Herrn Rentner Kofler (?) aus Darmstadt, mit der Nachgrabung, welche am Samstag vor Ostern auch in Angriff genommen wurde. Es fand sich, daß man wahrscheinlich hier auf einen fränkischen Begräbnißplatz (400–500 Jahre nach Christi) gestoßen ist; es waren bis heute Vormittag 14 Gräber aufgefunden mit männlichen und weiblichen Skeletten. Auch fand man in den Gräbern Schwerter, Lanzen, Ringe von Eisen, knöcherne Kämme und Mosaikkugeln, von Perlenschmuck herrührend. Die Todten liegen alle mit dem Gesichte nach Osten gewandt und den meisten derselben sind Urnen und sonstige Geschirre beigegeben; auch soll man heute Mittag Goldmünzen gefunden haben, welch Letzteres ich jedoch nicht verbürgen kann, da ich dieselben nicht gesehen habe.
(Wormser Ztg., Nr. 76.)
48) Aus Kowno erfährt die „Neue Zeit“, daß daselbst der Plan besteht, in einiger Zeit sich an die Restauration eines werthvollen Baudenkmals aus dem 14. Jahrhundert, der bis auf den heutigen Tag noch erhaltenen Ruinen des Schlosses der deutschen Ordensritter, zu machen. Die Ruine liegt in der „Altstadt“, am Ufer der Wilia. Nach überlieferten Nachrichten war Kowno bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts befestigt, da um jene Zeit der Großmeister Kniprode die Burg zu Kowno mit stürmender Hand eingenommen hat. Hinsichtlich des Schlosses, von dem ein Thurm und Theile einer Mauer dem zerstörenden Einfluß der Zeit bis jetzt getrotzt haben, nimmt man an, daß dasselbe von dem Orden errichtet sei, der nach dem Fall Kownos im Jahre 1383 auf den Trümmern neue Befestigungen aufführte und ihnen den Namen „Ritterswerder“, d. h. Ritterinsel, beilegte, weil die Burg in der That von dem Fluß Wilia und einem zum Niemen durchgelegten Kanal ganz umschlossen war. Spuren dieses Kanals, der gegen 6 Faden Breite gehabt hat, haben sich bis zur Stunde noch erkennbar erhalten.
(D. Reichsanz., Nr. 80.)