Unsere Sammlung von Handzeichnungen enthält u. A. eine zwar sehr flüchtige, aber doch charakteristische Federzeichnung, die mit der Jahreszahl 1496 bezeichnet ist, die wir, obwohl der Meister kaum festzustellen sein dürfte, als Gegensatz zu der Abbildung auf Spalte 140 gern wiedergeben, um zu zeigen wie sich 100 Jahre später das Jagdvergnügen äußerlich zu erkennen gab. Der Jäger ist zu Pferde mit der Armbrust bewaffnet hat und auf dem Rücken das Horn hängen. Die Hunde springen voraus.
Nürnberg.
A. Essenwein.
Ein Begräbniss. Abbildung vom Jahre 1441.
Der oft erwähnte Codex 998 unserer Bibliothek vom Jahre 1441 gibt unter seinen vielen Bildern auch die Darstellung des Begräbnisses Hektors im Stile des 15. Jahrh. Wir sehen ein viereckiges, senkrecht eingetieftes Grab, mit dessen Aushebung zwei Todtengräber beschäftigt sind, der eine mit der Haue das Erdreich lockernd, der andere es mit der Schaufel ausstechend. Charakteristisch für die Auffassung der Zeit ist, daß beide Männer fleißig arbeiten, daneben aber das Grab schon fertig dargestellt ist, wie auch in den Kampfscenen die Kämpfer das Schwert erheben, um zum Schlage auszuholen, während der Gegner schon getroffen aus den Wunden blutend sich zeigt.
So ist es nur konsequent, daß auch auf unserem Bilde schon die Träger mit dem Sarge kommen. Eine Leichenbegleitung fehlt dem Bilde. Ebenso ist von einer besonderen Trauerfarbe an den Trägern nichts zu sehen, nicht einmal die Decke der Bahre ist schwarz. Träger und Todtengräber zeigen das Kostüm der niederen Volksklasse. Der Sarg hat die Gestalt einer flachen Kiste und ist mit einer weißen Decke geschmückt, auf welcher kreuzförmig rothe Bänder aufgenäht sind und von deren Seiten Fransen herabhängen. Auf der Bahre ruht der Stechhelm mit der Heimzier, die durch das ganze Buch den Helden Hektor bezeichnet, so daß also auch hier bestimmt ausgedrückt ist, wer zu Grabe getragen wird. Im Hintergrunde ist im Original die Stadt Troja dargestellt, von deren Mauerzinnen Zuschauer an dem Begräbnisse theilnehmen, die wir hier weggelassen haben, da auch sie, — es sind nur die Köpfe sichtbar, — kein äußerliches Zeichen von Trauer an sich tragen.
Nürnberg.