Entwurf eines Pokales mit Deckel aus der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Unter den Handzeichnungen des germanischen Museums befindet sich eine Reihe von Entwürfen für Goldschmiede zu den Gefäßen, wie sie vom 15.-17. Jahrhundert so beliebt waren. Wir haben daraus auf Sp. 267 u. 268 des vorigen Jahrganges unseres Blattes einen gothischen Doppelpokal veröffentlicht und lassen heute [eine Zeichnung] folgen, die nach dem Stile der Darstellung etwa der Mitte des 16. Jahrh. angehören muß. Leider ist das Papier fast dicht rings um die Zeichnung abgeschnitten und diese auf neues Papier aufgeklebt, so daß etwaige Angaben über den Meister oder ein Monogramm weggeschnitten sind. Das Wiener Museum hat seiner Zeit eine Reihe solcher Gefäßzeichnungen publiciert, die als Entwürfe des Meisters Hans Brosamer gelten. Eine gewisse Verwandtschaft zwischen unserer Zeichnung und jenen Werken ist nicht zu läugnen; aber der Entwurf steht auch anderen Meistern der Zeit kaum weniger nahe.

Nürnberg.

A. Essenwein.


Extract Schreiben aus dem kays. feltlager bey Ofen, den 16. July 1684.

Dieser Brief ist in ein Aufschreibbuch des 16. Jahrhunderts, über das ich ein anderes Mal genauer zu berichten gedenke, eingetragen. Die leeren Blätter sind nämlich in späterer Zeit zu verschiedenen Einzeichnungen benützt worden, und zu diesen gehört auch nachfolgendes Schreiben. Dasselbe ist besonders deswegen interessant, weil wir daraus ersehen, mit welchem Siegesbewußtsein man damals die Einnahme von Ofen erwartete, eine Hoffnung, die aber nicht erfüllt wurde. Unser Berichterstatter schreibt:

„Den 11ten dito seindt wür aus der Insul St. andre über die Schifbrugen gerucket, alda wir den Feindt in völliger Patalia angetroffen, welcher mit großer Furia und unbeschreiblichen geschrey auf unsere Leith loßgangen, in Mainung selbige zu umbringen[12], und weilen der Paß etwas eng in das Waßer zu sprengen, ist aber der Gestalten von uns empfangen worden, das er mit hinterlaßung vieler Todten, das feld also raumen und sich bis hinter Ofen würcklich berendt, und seindt vnsere Leith schon in den Stadtgraben an die Mauren kommen. sobald vnsere Patarien verfertiget, wird man mit 22 halbe kardaunen beschießen. wann sich die Belagerten nit beßer defendieren, so hoft man deßen innerhalb 8 Tägen mit der Hilf Gottes Maister zu werden. Der Feind hat sich, so er unseren Marsch und Belagerung vernummen, 3 Meil wegs von Ofen hinwerths begeben. Allhier will man sagen das der General Leßla die Esecker Brugen abgebrendt habe; wo deme also were, so kamme kein Bain von dem Feind daruon. Gästern ist der Herr Paladinus Regni mit seinen Vngern auch zu uns kammen[13].“