F.-K.


Ein (fingierter) Kupferstich.

Herzog Adolf August von Holstein-Plön, welcher in kaiserlichen Kriegsdiensten 1704 in Liegnitz stand, überschickte am 2. October selben Jahres in seine Heimat nachfolgendes Pasquill, welches ihm von Wien zugegangen war: Beschreibung eines (fingierten) Kupferstiches, welche die damalige politische Weltlage (spanischer Erbfolgekrieg) in der beliebten allegorischen Manier des Rococo zeichnet.

(Staatsarchiv Schleswig A. VII, Nr. 534.)

„Auf einem Kupferstich welcher aus London arrivirt, war folgendes zu sehen.“

„Erstlich präsentirte sich ein kostbarer Triumph-Wagen, auf welchem der so gemeinte König in Spanien Duc d’Anjou saß, auf selbigem kutschierte der König in Frankreich Ludovicus XIV. Die Leitseile waren lauter Gold und Silber. An diesen Wagen waren 6 Pferde gespannt, das erste präsentirte den Churfürsten von Bayern, das zweite den Churfürsten von Cölln, das dritte den Herzog von Parma, das vierte den Herzog von Mantua, das fünfte den Ragazzi, das sechste den Pabst mit einer Larve wegen der verdächtigen Neutralität. Auf beiden Seiten liefen mit brennenden Fackeln der Cardinal Portocarero im Spanischen, der Cardinal d’Estrée und Cardinal Janson im Französischen und drittens der Cardinal Radzicofsky im Polnischen Habit wegen der Faction mit Schweden. Bei Abfahrung des Triumph-Wagens zeigte sich ein Portal, darinnen ein kostbarer Herr zu sehen war, über welchen an einem Faden eine Krone hing, darüber sah man 5 österreichische Larven mit dieser Ueberschrift: Bonis Omnibus. Neben dem Portal saßen bei einem Tische unter dem Schatten eines verdorrten Lorbeerbaumes der Prinz von Wallis und der Prinz von Conti à l’ombre spielend. Der Prinz von Wallis hatte in seiner Hand den Schellenkönig andeutend was ihm sein Vater für eine so große Schelle durch Verlust seines Königreiches angeleget habe. Der Prinz von Conti hielt in der Hand s. v. die Eichel-Sau andeutend was er für eine große Sau in Polen aufgehoben habe, welche beide den vorbeigehenden Duc d’Anjou zu dem darbeistehenden leeren Sessel auf ein Spiel einladeten. Bei Herannäherung des Triumph-Wagens war vor diesem ein Schlagbaum, welchen England, Holland, Portugal und Savoyen zuzogen. Nach diesem aber zeigte sich in seinem geheimen Cabinet der Kaiser, nebst ihm der Römische König, vor denen der itzige Kriegs-Präsident (Prinz Eugenius) aufwartete. Bei der Thür aber zeigten sich 3 sehr fromm und einfältig stellende Patres Societatis mit Bettel-Säcken auf den Puckeln. Der Kammer-Präsident hatte auch einen leeren Sack in der Hand, und in bemeltem Cabinet hingen auf allen Seiten an den Wänden lauter leere Säcke, mit der Ueberschrift Capitation-Steuer, Vermögen-Steuer, der Herren Stände Gelder, der Prälaten Gelder, des gemeinen Mannes Gelder. Worauf Ihre Majestät der König auf die Jesuiten zeigend zu dem Kammer-Präsidenten sagte: Hi sunt qui multa bona habent, posita in annos plurimos. Auch (Auf?) dieses sagte gedachter Herr Kammer-Präsident zu denen Patribus: Dum tempus est operandi bonum, saltem animus noster est, ut reddatis Caesari, quod fuit Caesaris. Hierauf antworteten die dabeistehenden Patres; der erste sagte: Dominus providebit. Der andere: Aurum et argentum non est nobis. Der dritte: Ex inferno nulla est redemptio. Worauf Ihro Majestät der Kaiser sie tröstend, sagte: Cadent a latere vestro mille et decem millia a dextris vestris ad vos autem non appropinquabit malum. Nach diesem zeigte sich der Kaiser in seiner Retirade schlafend, hinter welchem stund Pater Müller Ihro Majestät der Kaiserin Beichtvater, dem Kaiser die Prophezeiung des Patris Aretoni vorlesend. Nächst darbei hielt P. Bischof das Licht. Vor dem Kaiser aber stund Pater Meregati mit einem großen Fliegen-Wedel, dem Kaiser die Spanischen Mücken zu vertreiben. Dieses alles beschloß Pater Wolff der, wie es schien, eine große Menge Hunde nach sich zog.“

Schleswig.

R. Göcke.