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Innsbruck.
Oswald Zingerle.
Lieder aus der Zeit der Türkenkriege.
Was ich in Folgendem mittheilen will, sind „Vier schoͤne neue Weltliche Lieder / das Erste: Jaͤgerl bist drina / komb a kleine Weil heraus / etc. Das Ander: Still / still hoͤrts mir a wenck zue / ich bin a Bayrischer Bue / etc. Das Dritte: Gruͤß dich Thomerl / Veilt[128], Hießl seyts mir alle Gott etc. Das Vierdte: Wer da / wer da / wer kombt vor die Zelten zur Nacht / etc. Jedes in seiner eignen Melodey zu singen. Gedruckt in disem Jahr“.
So lautet der Titel der zwei unpaginierten Doppelblätter in Kleinoctav, welche mir vor einiger Zeit im Archive der Familie von Kripp unterkamen. Sie mögen wol selten geworden sein und schon darum eines neuen Abdruckes nicht unwerth. Ditfurth („die histor. Volkslieder des österreich. Heeres v. 1638–1849“ und: „die histor. Volkslieder des bayer. Heeres v. 1620–1870“) hat sie nicht gekannt.
Der Verfasser dieser Lieder ist unbekannt, und es wäre wol eitle Mühe, demselben nachzuforschen; jedenfalls war er ein Bayer. Den Druckort zu bestimmen, würde eine Vergleichung der Typen, sowie der Titel- und Schlußvignetten mit anderen Druckwerken jener Zeit, die etwa aus bayerischen Offizinen hevorgegangen sind, ermöglichen; doch will ich hier nur die wichtigere Frage um die Zeit der Entstehung, resp. des Druckes, zu erledigen suchen, was in diesem Falle nicht schwer ist. Schon ein flüchtiger Blick zeigt, daß wir es mit der Zeit der Feldzüge Prinz Eugens gegen die Türken zu thun haben. Dem gewaltigen Feldherren galten sie zwar nicht in erster Linie, sondern dem „großen und kleinen Bue“ des Kurfürsten Max Emanuel oder, besser gesagt, dem „Churprinzen“; aber Eugen wird zum öftern, immer mit größter Begeisterung, genannt, und im ersten Liede ist unter dem „Prinzen“ stets er zu verstehen. Der Kurprinz Karl Albrecht ist es also, der im Vordergrund steht.
Am 29. November 1716 hatte Max Emanuel an Eugen ein Schreiben gesandt, worin er diesen zu den Erfolgen des abgelaufenen Feldzuges beglückwünschte und zugleich die Bitte stellte, er möchte seinen Söhnen beim Kaiser die Erlaubniß, nach Wien zu kommen, erwirken, damit sie sich für die „empfangenen Gnaden und gute Erziehung“ bei Karl VI. persönlich bedanken könnten. Der Wunsch wurde ihnen gewährt, und auf ihre Aufnahme in der „Wiener-Stadt“ beziehen sich vielleicht die letzten Zeilen von II, 4. Mit dem kaiserlichen Heere zogen die beiden Prinzen dann nach Ungarn, um sich, wie andere Fürstensöhne, die der glänzende Stern Eugens angelockt hatte, am Kampfe gegen die Türken zu betheiligen. Ihrem tapferen Benehmen wird in vorliegenden Gedichten das wärmste Lob zu Theil.
Bemerken wir noch, daß es I, 5 heißt: „fertn[129] habs gseha zu Peterwardein,“ — diese Schlacht fand am 5. August 1716 statt — so ergibt sich als Abfassungszeit das Jahr 1717 oder bestimmter, da Belgrad nach I, 6 und III, 5 schon in den Händen Eugens war, die Zeit nach dem 22. Aug. d. J. Bald nachher müssen diese Lieder ihrem ganzen Charakter nach erschienen sein.