Die Waffensammlung des germanischen Museums ist jung. Der Versuch einer systematischen Zusammenstellung fiel schon in die Zeit, als bereits die Preise so hoch waren, daß es besonderen Reichthums bedurft hätte, um Vieles zu erhalten, und so mußten wir selbst Stücke, die verhältnißmäßig billig waren, als unerreichbar ins Ausland ziehen lassen, so jene kostbare Rüstung für Mann und Roß aus dem 15. Jahrh., welche, aus Hohenschau stammend, der Hofantiquar Pickert in Nürnberg um 6000 fl. dem Museum zu überlassen bereit war, die später die Sammlung des Grafen Nieuwerkerke in Paris zierte und nach dem Falle der napoleonischen Herrschaft an den Engländer Wallace um, wenn die Kunde richtig ist, 40000 frcs. verkauft wurde; so eine Serie von etwa 20 Helmen der verschiedenen Epochen, welche derselbe Besitzer um weit geringeren Preis dem germ. Museum gelassen hätte, als er, sie nach Paris verkaufen konnte. Wie vieler ähnlicher Fälle hat sich das germanische Museum, wie vieler haben sich andere öffentliche Sammlungen Deutschlands mit Schmerzen zu erinnern, von jenem frühmittelalterlichen Helme an, der in Würzburg aus der Sammlung des Frhrn. zu Rhein als Helm Heinrich’s des Löwen zum Verkaufe kam und um 4000 fl. in die Sammlung Basilewski nach Paris wanderte, bis zu dem Dolche, welchen vor einigen Monaten die Stadt Cösfeld verkauft hat und für welchen keine deutsche öffentliche Sammlung Geld genug hatte, obwohl auch er für die Waffenkunde hochwichtig und nur eben deshalb theuer ist, weil uns so wenige Stücke aus jener Zeit überhaupt erhalten sind. Natürlich würde auch der Vorstand einer Sammlung, welcher bei höherer Instanz den Ankauf beantragte, ungerechtfertiger „Liebhaberei“ geziehen werden, weil bei uns noch in den Augen selbst der Gebildeten die Begriffe von „theuer“ und „Luxus“, also überflüssig, identisch sind. Wenn es unserer gegenwärtigen kleinen Arbeit gelingen sollte, da und dort zu beweisen, daß auch jene Objekte für das Studium wichtig sind, welche vieles Geld kosten, ja daß sie gerade um so wichtiger, weil sie eben jetzt so selten sind, während sie zur Zeit ihres Gebrauches keine Luxusobjekte waren, sondern dem ernsten Kampfe dienten und das Schicksal der Nationen von ihrer richtigen und rechtzeitigen Verwendung abhieng, so würde unsere Arbeit damit von größtem Nutzen sein. Deshalb möge es uns gestattet werden, auf Manches hinzuweisen, was dem Waffenkundigen nicht neu ist.

Von dem Wenigen freilich, was im Original aus dem Mittelalter erhalten ist, besitzt das germanische Museum das Wenigste; aber eben weil wenig erhalten ist, müssen doch die uns erhaltenen Abbildungen auf Gemälden, in Miniaturen und (für die spätere Zeit) in Druckblättern zu Hülfe genommen werden; es müssen die Skulpturen, besonders die Grabsteine und Siegel trotz mancher Unvollkomenheit der Darstellung uns über Manches belehren. Da sind dann insbesondere die letzteren hochwichtig, und es gehört zu den dankenswerthesten Gaben, welche uns die jetzt so eifrig gepflegte Siegelkunde bietet, daß sie uns über die Bewaffnung genau zu datierende Aufschlüsse gibt; denn nur wenige Gemälde und Miniaturen sind datiert. Die Grabsteine sind oft lange, selbst erst Jahrhunderte nach dem Tode der Dargestellten verfertigt. Es bedarf also in jedem Einzelfall gründlicher Prüfung. Die Siegel aber, sofern sie echt sind, sind stets gleichzeitig mit dem Siegler, und aus ihnen können wir, wenn sie das Bild des Mannes in Waffen wiedergeben, über die Zeit des Aufkommens bestimmter Waffen, über das Land, dem diese ihre Entstehung danken, sowie über Zeit und Land ihres letzten Gebrauches die zuverlässigsten Aufschlüsse erhalten. An der Hand der Siegel allein können wir die nicht datierten bildlichen Darstellungen und die wenigen erhaltenen Originale hinsichtlich der Gebrauchs- und Entstehungszeit feststellen. Allerdings lassen uns die Siegel über die wichtigste Frage, über die Zweckmäßigkeit für den Gebrauch, von der ja das Schicksal der Schlachten abhängt, ohne Auskunft. Wie heute der Feldherr sich um das Gewicht jedes Waffenstückes, mit welchem seine Mannschaft ausgestattet ist, oder ausgestattet werden soll, um den Grad der Beweglichkeit, den die Waffe dem Manne läßt, zu kümmern hat, wie es für die Gebrauchsfähigkeit in Frage kommt, ob die Waffe in den Händen dessen, der sie nicht besonders sorgfältig zu behandeln versteht, an Widerstandsfähigkeit einbüßt, oder etwa zum Gebrauche untauglich wird, so kommen alle diese Fragen auch für die Beurtheilung des jeweiligen Zustandes eines Heeres der Vergangenheit in Betracht, und aus ihnen erklärt sich, ebenso wie zu unserer Zeit, zu großem Theile der Gang, den die Ereignisse genommen. Solche Studien lassen sich freilich nur an der Hand der Originale machen; und deshalb sind sie wichtig, deshalb gesucht, deshalb ist der hohe Preis in ihrem Werthe und ihrer Wichtigkeit begründet.

Wir dürfen nun allerdings, nach dem oben Gesagten, den Lesern nicht viele solche Originalwaffen aus dem Mittelalter vor Augen führen, aber doch einzelne, da immerhin das Museum Einiges von hohem Werthe in sich schließt; wir haben aber merkwürdige Zeichnungen und schöne Miniaturen, wir haben Grabsteine u. a. Denkmale, denen so Vieles zu entnehmen ist, daß wir unserer Arbeit eine Eintheilung in mehrere Aufsätze geben können. Wir werden dabei freilich im Interesse der Leser eine etwas bunte Reihenfolge einhalten und oft in einer späteren auf Abbildungen früherer Abtheilungen zurückzuweisen haben, die für Mehreres von Interesse sind.

Nürnberg.

A. Essenwein.


Drei Briefe des Johannes Aurifaber an den Rathsherrn Paulus Behaim in Nürnberg.[167]

1.

Gottes gnad vnd fried durch Christum Jhesum vnsern heiland. Erbar vnd vhester, grosgonstiger lieber herr vnd förderer. dieweil ich zufellige vnd vergebliche[168] bothschafft nach Nurmberg hatte, hab ich nicht vnterlassen kennen, diess kleine briefflein an euer ehrenvhest mit zuschreiben, wiewol ich nichts besonders hatte, das ich schreiben kondte. aber dieweil ich alhier zu Eisleben einen deutschen tomum von tieschreden doctoris Martini Lutheri hab in druck verferttiget vnd denselbigen zum theil euern herrn einem erbarn vhesten vnd wolweisen rath der keiserlichen reichstadt Nurmberg didicjret vnd zugeschrieben, so vberschicke euer ehrenvhest ich alhier bej[169] brieffszeigern ein exemplar desselbigen tomj vnd thue euch darmit verehren, dienstlich bittende: wollet dieß kleine geschencke von mir zu gonstigem gefallen annemen. wen euer ehrenvhest ich in mehrem dienen kondte, so wolt ich dasselbige gahr gerne thun. ich lasse ein exemplar itzt einbinden, das wil euern herrn einem erbarn rath ich förderlich[170] zuschicken. es ist ein fein nutzlich werck vnd sind darinnen die tieschreden fein zusamen getragen in locos communes vnd werden euer ehrenvhest darinnen viel hehrlicher schöner historien finden, die dem christlichem leser zur lere, vnterricht vnd trost dienstlich vnd nutzlich sein mögen.

Ich hette bej diesem zufelligem Eislebischen bothen euer ehrenvhest auch gerne neue zeittung zugeschrieben. so ists alhier gahr stille. allein das man sorge tregt, die excution der acht werde noch ergehen, den der churfürst zu Sachsen vnd hertzog Heinrich von Braunschweig hardt drauff dringen soll. was der eldter hertzog zu Sachsen des reichs gesanthen fur eine antwort gegeben hab, das werdet ir wohl erfharen haben.[171] man saget, s. f. g. lassen dieselbige antwort itzt im offentlichem druck ausgehen, sich darmit zu entschuldigen, worumb s. f. g. die echter[172] biß anhehr bej sich hab gehabt. Grumbach vnd Wilhelm vom Stein sollen noch zu Gotha sein, aber Ernst von Mandelslohe ist fur acht tagen[173] von dannen abgezogen vnd sich durch die graffschafft Mansfeldt geschleifft[174] nach der Marckt, vnd man helts darfur, das er nach Poln sich begeben habe.