Unter Benützung des gesammten zugänglichen Materiales von Urkunden, Siegeln und Abbildungen gibt der Verfasser ein Bild, wie das Stammwappen sich durch Aufnahme der Wappen der durch Erbschaft, Kauf und auf sonstige Art erfolgten Erwerbungen nach und nach gemehrt und bei den verschiedenen Linien gestaltet hatte, bis es zu dem geworden, was in den modernen Wappen des Herzogs von Nassau und des Königs der Niederlande vorliegt. Es spiegelt sich darin die Entwicklung der Heraldik überhaupt, aber auch die gesammte Geschichte des Hauses Nassau. Eine Reihe von Stammtafeln erläutert das Verwandtschaftsverhältniß und damit die Uebereinstimmung und Verschiedenheiten des Wappens nach Zeit und Linien. Klarheit und Einfachheit der Darstellung und hübsche Ausstattung sichern der kleinen Monographie eine freundliche Aufnahme im Kreise der Heraldiker.

16) Der Wittelsbacher Stamm-, Haus- und Geschlechtswappen. Eine heraldische Monographie als Festgabe zum 700 jährigen Jubiläum von Dr. Karl Ritter von Mayerfels..... Constanz, 1880. 8. 44 Stn. u. 4 Tafeln.

Der allen Heraldikern wohlbekannte Verfasser des heraldischen A-B-C-Buches sucht in dieser Studie nachzuweisen, dass der Adler, welchen die Wittelsbacher im Schlusse des 12. Jahrhunderts im Siegel führten, kein Amtszeichen, als kaiserliche Pfalzgrafen, sondern Familienwappen, daß er also das eigentliche Stammwappen des Hauses sei, und führt zur Unterstützung seiner Ansicht die auch auf Münzen vorkommenden Adler an, sowie in erster Linie den Adler auf dem Schilde des Siegels Ludwigs des Kehlheimers, der nicht mehr kaiserlicher Pfalzgraf gewesen, welchen Adler merkwürdiger Weise außer dem Numismatiker Beierlein keiner seiner Vorgänger als solchen erkannt hat, da dieselben vielmehr Sparren, Löwen oder Anderes in dieser Figur gesehen, während auf seinem Röckel’schen Metallabgusse des Siegels der Adler deutlich erkennbar sei. Ebenso sei auf den ältesten Siegeln der Stadt München der Adler wachsend hinter den Stadtthorzinnen und sei erst um 1300 in einen wachsenden Löwen verwandelt worden. Auf Grund dessen verlangt der Verfasser die Aufnahme des zum Stammwappen zu erklärenden Adlers als Herzschild in das bayerische Wappen.


Vermischte Nachrichten.

85) Die Nr. 3 des Anzeigers für schweizerische Alterthumskunde bringt die Mittheilung, daß im Febr. d. J. in Châtroz am linken Ufer der Morge bei Conthey 7 prähistorische Gräber gefunden wurden, die mit Steinplatten ausgefüttert und mit einem Steine bedeckt waren. Außer Schädeln und Knochen fanden sich zwei Töpfe, der eine von Topfstein, der andere von Glimmerschiefer. Auf den Gräbern lag ein erratischer Block.

86) Dem Journal de Genève wird aus Thann geschrieben, daß daselbst in der Nähe des Dorfes Arbeiter 0,6 m. unter dem Boden ein sehr gut erhaltenes ca. 10 m. langes und 0,6 m. breites Canot aus der Pfahlbauzeit auffanden. Herr Dr. Groß hat dasselbe für das Museum in Neuenstadt erworben.

(Anz. f. schweiz. Altthk. N. 3 n. d. Allg. Schw. Ztg. N. 89.)

87) Aus Augsburg berichtet Dr. Schreiber in der dortigen Abendzeitung und nach ihm andere Blätter: Die Vermuthung, daß wir es bei den in dem Anwesen des Hrn. Brauereitechnikers Th. Madlener am Fuße des Pfannenstieles ausgegrabenen Urnen mit einer größeren Begräbnißstätte im Norden der alten Römerstadt zu thun haben, bestätigt sich um so mehr, je weiter daselbst fortgearbeitet wird. Bereits sind es mehr als 50 Urnen, die dem Boden daselbst entnommen worden sind; die meisten von schwarzgebranntem Thon, theils mit, theils ohne Linienverzierung. Eine derselben namentlich zeichnet sich dadurch aus, daß auf ihr, wahrscheinlich aus freier Hand, Linienverzierungen angebracht sind mit einem Instrument, das mit einer Notenrastrierungsfeder am meisten Aehnlichkeit zu haben scheint. — Die Form dieser schwärzlich gebrannten Urnen ist sehr verschieden, wie auch die Größe und Höhe derselben überaus verschieden sich zeigt. Zwölf der wohlerhaltensten befinden sich bereits bei den früher ausgegrabenen Gegenständen im Museum. Von den nicht schwarzgebrannten Urnen bietet namentlich eine vielfaches Interesse; dieselbe, von gelblichem Thon, 31 cm. hoch und in der stärksten Ausbauchung 29 cm. breit, wurde gefunden oben mit einer stark oxydierten Metallplatte zugedeckt, die leider nicht vollständig erhalten werden konnte, aber noch jetzt trotz des dick aufliegenden Rostes an einer Stelle zeigt, daß sie glänzend geschliffen war. In der Urne befand sich außer den gewöhnlichen Aschenüberresten ein Grablämpchen von besonders merkwürdiger Form: auf der Oberseite ist nämlich der Kopf eines Kriegers mit schönem Helmschmuck angebracht. Von den anderen Grablämpchen, die mit den Urnen gefunden wurden, hat eines den Stempel FRONTO, ein zweites trägt den Stempel SABINI; wieder ein anderes zeigt eine kleine Gesichtsmaske; bei einem weiteren, dessen Thon eine ganz weißliche Färbung zeigt, ist leider die obere, dünne Wandung eingeschlagen und lassen die Ueberreste auf eine stehende Figur eines Kriegers schließen. Auffallend ist auch bei diesem Urnenfunde die Unmasse von Gefäßüberresten der verschiedenartigsten Form von der ziemlich weiten Schüssel an bis zum zierlichsten Schälchen. Ueberwiegend ist hier die Zahl der aus feinster Erde (Terracotta) gebildeten Gefäße, neben welchen die aus gewöhnlichem Thon gebildeten Gefäße fast zurücktreten. Nicht wenige der Scherbenüberreste zeigen auch Figuren; in dieser Beziehung ist namentlich eine zu zwei Dritteln erhaltene Schale merkwürdig. Dieselbe zeigt nämlich genau die Figur eines schlangenfüßigen Giganten, mit beiden Händen die Keule schwingend, wie sie J. v. Hefner in seiner Schrift: „Die römische Töpferei in Westerndorf“ in Tafel I, Figur 10 zur Abbildung bringt. Auch zeigt sich zwischen den Figuren ein Stempel mit den Buchstaben: COWILIVIIS * I, der unter den dort zusammengestellten 61 Stempeln noch nicht aufgeführt ist. Endlich nimmt noch unsere Aufmerksamkeit in Anspruch die Ausgrabung eines viereckigen Stückes Kalktuff, 95 Centimeter lang, 88 Ctm. breit und 13 Ctm. dick, sowie einer ziemlichen Anzahl von quadratischen Ziegeln, die unmittelbar neben diesem Stücke gefunden wurden. Nehmen wir noch hinzu, daß gerade dort, wo dieser mächtige Stein gefunden wurde, die schwärzliche, mit Aschenüberresten gemischte Erde am häufigsten sich zeigte, so dürfte die Vermuthung nicht ferne liegen, daß wir es hier mit einem Verbrennungsherd zu thun haben, von welchem aus die Aschenüberreste gleich in die bereitgehaltenen Urnen gebracht wurden.

88) Mainz, 27. Juni. Daß man in einer Stadt, deren Geschichte bis in die römische Zeit zurückgeht, auf einem von Alterthümern erfüllten Boden sich bewegt, ist sehr begreiflich; auch kann es nicht erstaunen, wenn man bei Erdarbeiten auf römische Mauerreste stößt. Das aber dürfte zu den Seltenheiten gehören, wenn man bis auf unsere Tage mitten in der Stadt innerhalb der Mauern eines römischen Bauwerks wohnte. Dieser Fall hat sich in der That jüngst bei dem Umbau des Präbendatenhauses in der Pfaffengasse ergeben, von dem früher bereits die Rede war. Die gegen Südost stehende Scheidemauer, welche vermöge ihrer ungewöhnlichen Stärke auffiel, zeigte in der Tiefe des Kellers zwei regelmäßige Abtreppungen und sorgfältig gerichtetes Mauerwerk aus Kalksteinen. Von der Straßenhöhe ab war die Mauer über späten Verblendungen verputzt. Bei Entfernung dieser Zuthaten zeigte sich nun, daß die römische Mauer aus der Tiefe bis zur Balkenlage des ersten Stockes vollständig erhalten war und eine Höhe von nahezu 8 m. hatte. Die Mauer bestand aus langen, sorglich gerichteten Kalksteinen, die schichtrecht in regelmäßigem Verband vermauert waren. Ein grober Kiesmörtel bildete Fugen von 3 Cm. Der Kern des Mauerwerks war aus trocken aufgesetzten Bruchsteinen und Betonüberguß hergestellt. In Abständen von etwa 5 Schichten = 80 Cm. durchzogen doppelte Ziegellagen als Bindeschichten die ganze Mauerflucht. Die Ziegeln maßen 60 Cm. in der Länge, 31½ Cm. in der Breite und 4 Cm. in der Dicke, waren hell und hart gebrannt und hatten keinerlei Stempel, ein ganz vorzügliches Material, wie es selbst unter andern römischen Ziegeln nicht häufig vorkommt. Die Stirnseite der Mauer zeigte schwere Brandspuren unter dem Ueberzug aus späterer Zeit. Es dürfte, wie bemerkt, in Städten römischen Ursprungs diesseits der Alpen nicht häufig sein, daß man noch nach mehr als anderthalbtausend Jahren innerhalb derselben Wände sich bewegt, die einst der römischen Bevölkerung dienten, und hier in Mainz war dies wohl noch kaum so sicher nachzuweisen, als gerade in dem mitgetheilten Fall.