(Darmstädter Zeitung, Nr. 179.)
89) In Mainz hat, ermöglicht durch das Entgegenkommen des Festungsgouvernements, eine Untersuchung des Eichelsteines stattgefunden, der als Denkmal des Drusus galt. Man grub an einer Stelle bis zu 7 m. tief hinab, um den Unterbau bis zum Grund zu untersuchen. Die Darmstädter Zeitung brachte einige sachkundige Berichte, aus denen das merkwürdige Resultat sich ergibt, daß auch der Unterbau in derselben unregelmäßigen Technik ausgeführt ist, wie der jetzt noch über dem Boden des Walles stehende Theil, daß aber auch keine Spur einer ehemaligen Bekleidung mit besserem Material, wohl aber Reste eines glatten Verputzes sich finden. Der Berichterstatter neigt sich zu der Ansicht hin, daß das Werk ein viel späteres ist, kein Erinnerungsdenkmal an Drusus, sondern ein rohes Soldatenbauwerk, das als Malzeichen, von dieser Stelle aus weither aus dem Rhein- und Mainthale sichtbar, die Thatsache römischer Herrschaft zeigen sollte. Als Schluß ist dem Artikel die Bemerkung beigefügt: „Ob es unter so bewandten Umständen gelingen wird, vollständige Klarheit in die Geschichte des Denkmales zu bringen, muß auch nach den jüngsten Erhebungen noch immer dahingestellt bleiben.“
90) Mainz, 11. Juni. Unter den alterthümlichen Funden, welche in der Aufschüttung der Wälle am Gauthor jüngst gemacht wurden, verdient ein kleines, in Serpentin geschnittenes Stempelplättchen Erwähnung, auf dessen Schnittflächen im Kehrsinne der Name eines Arztes mit Angabe medizinischer Mittel eingegraben ist. Wie von kundiger Seite versichert wird, ist der kleine Gegenstand in seiner Art von großem Interesse; er hat im hiesigen Museum bis jetzt nur ein Gegenstück. Die Schriftzüge sind von durchaus regelmäßiger Bildung und sehr scharfer Ausführung. Es ist in der nächsten Zeit, wie wir hören, eine eingehende Veröffentlichung darüber zu erwarten.
(Darmstädter Ztg.)
91) Aus Vorarlberg, Ende Juni. Vor einigen Wochen wurden bei Lauterach, nicht weit von Bregenz, im Torflager zwischen der bedeckenden Humus- und Torfschichte folgende Gegenstände gefunden: bei zwanzig römische Familienmünzen aus Silber, drei angeblich gallische Silbermünzen, zwei mit Kettchen verbundene Fibeln aus Silber, eine Armspange aus gleichem Metall, ein Ring aus Bronze.
(Nürnberger Presse, Nr. 185.)
92) Der Keller des Pfarrhauses zu Unterregenbach, welches soeben neu aufgebaut wird, bildet, wie der Württemberg. Staatsanzeiger in Nr. 162 meldet, die westlichen Theile einer Krypta deren Alter in hohe Zeit hinauf versetzt wurde. Bei Gelegenheit des jetzigen Baues haben sich nun auch die östlichen Theile derselben gefunden mit sehr merkwürdigen charakteristischen Fragmenten, aus denen die Karolingerzeit sich als Entstehungszeit der Krypta feststellen läßt. Die sehr interessanten Bautrümmer dieses bis jetzt in Württemberg einzigen Bauwerkes aus dem ersten Jahrtausende unserer Zeitrechnung sind jetzt im k. Lapidarium zu Stuttgart aufgestellt.
93) Beim Kanalbau in Mainz wurde bei Einmündung der Stadthausstraße in die Schusterstraße eine Zierscheibe aus Gold, mit Steinen und Email verziert, vorgefunden, die 8½ cm. hoch, 8 cm. breit, ungefähr kreisrund ist. Das Mittelfeld innerhalb eines Filigranrandes nimmt ein gegen 7½ cm. großer, von vorn gesehener einköpfiger Adler ein, dessen Flügel geöffnet sind, während die Schwanzfedern durch den Rand hindurchgehen. Dieser ist aus Zellenschmelz in verschiedenen Farben hergestellt, von denen das Blau und theilweise auch das Grün durchscheinend, die übrigen undurchsichtig sind. Das Werk gehört etwa dem 10. Jhdt. an, dürfte byzantinischen Ursprunges sein und ist jedenfalls eines der merkwürdigsten Fundstücke die seit langer Zeit wieder einmal zu Tage gekommen sind.
94) Ober-Olm, 26. Juni. Beim Abbruch der Südseite unserer alten Kirche fanden sich vor der Eingangsthüre zwei Steinsärge, der eine etwas weiter gegen Westen, der andere gerade vor der Thürschwelle. Sie sind in der Größe nicht ganz gleich und am Fußende etwas schmäler als zu Häupten; in dem Boden ist eine Abzugsöffnung angebracht. Die Deckel sind flach und durch ein leistenartig vortretendes Gabelkreuz ausgezeichnet. Von Inhalt bargen sie nur wenige Reste von Gebeinen und zeigten, wie auch die gebrochenen Deckel beweisen, die Spuren von Durchwühlung. Sie werden nebst dem früher gefundenen Steinsarg auf dem Kirchhof als redende Zeugnisse für das Alter der Kirche und der Begräbnißstätte dabei aufgestellt werden. — Die Mauer der Kirche bestand in ihrer Tiefe aus sehr altem, schwerem Schichtmauerwerk, wie es ähnlich am Thurm sich zeigt; dann folgten Theile mit gothischen Architekturresten, Fenstermaßwerk u. s. w. und endlich die Ergänzungen aus späterer Zeit. Es ist sonach abermals erwiesen, daß eine Kirche aus dem frühen Mittelalter hier stand, wovon außer dem Thurm auch die Rundung des Chorbaues bekannt wurde, und daß die späteren Umbauten sich an den ursprünglichen Mauerzug anschlossen, so daß die nachfolgende Zeit an dieser Seite keine Erweiterung des ursprünglichen Kirchenbaues vornahm.
(Darmstädter Zeitung, Nr. 178.)