95) Wie die Hannov. Ztg. und nach ihr der deutsche Reichsanzeiger berichtet, wurden auf dem kleinen Hagen bei Göttingen die Reste der alten Kaiserpfalz der Lindolfinger, der Burg Grona, untersucht und wird der ganze Grundriß der Burg bloßgelegt werden, obwohl alle Reste über der Erde gänzlich verschwunden waren und nur die Tradition die Stelle, wo einstens die Pfalz gestanden, noch bezeichnen konnte. Im Raume der ehemaligen Kapelle fand sich ein gemauerter Sarg mit den Resten einer Leiche. Auch ein zweiter Sarg und sonstige Leichenreste fanden sich vor.

96) Die Restauration der Außenseite des Münsters zu Basel ist nach einem von Oberbaurath Schmidt in Wien und Baurath Hase in Hannover geprüften und gebilligten Plane in Angriff genommen worden, nachdem auf Antrag der Regierung der große Rath dem Münsterbauvereine auf 8–10 Jahre einen jährlichen Betrag von 15000–20000 Frcs. bewilligt hat. Die Arbeiten vertheilen sich, wie folgt: 1880 Reparatur der Thurmpyramiden, 1881 Restauration der Thürme, Thurmgalerieen und des Mittelschiffgiebels, 1882 Vollendung der Façade und Hauptportals, 1883 Mittel- und Querschiffdach, 1884 Seitenschiffe und Strebepfeiler, 1885 Querschiffgiebel, Chor und Chorumgänge, 1886 Seitenschiffwände, 1887 neue Thüren, Ersetzung fehlender Figuren.

97) Der große Rath von Waadt bewilligte für die Restauration der Kathedrale von Lausanne für das Jahr 1879 einen Nachtragskredit von 48122 frcs. und 13000 frcs. für die Wiederherstellung der Porche des apôtres.

(Anz. f. schweiz. Alterth.-K., Nr. 3 u. d. Tagbl. d. St. Zürich, Nr. 120.)

98) Straßburg, 30. Juni. Mit den Reparaturen, welche augenblicklich an dem nordwestlichen Treppenthürmchen vorgenommen und mit regem Eifer betrieben werden, erhalten, wie die „E. L. Z.“ berichtet, die Münsterarbeiten so ziemlich ihren Abschluß. Außer den Malereien an dem Gewölbe der Hauptkuppel, welche jedoch erst nach einigen Jahren zur Ausführung gelangen, sind nur noch eine größere Anzahl kleiner Figuren, die in den Nischen und den kleinen Säulentempelchen an den Strebepfeilern und den Seitengalerieen des Langschiffes Aufstellung finden werden, herzustellen. Sobald dies geschehen, hofft man, dass die schon vielfach angeregte Freistellung der baulich höchst interessanten Ostseite des Münsters in Angriff genommen werde. Die nöthigen, freilich nicht unbedeutenden Mittel hierzu soll das Frauenstift besitzen.

(Nordd. allgem. Ztg., Nr. 303.)

99) Hannover, 30. Juni. Die Stadt Hannover besitzt bekanntlich in ihrem alten Rathhause eines der schönsten gothischen Baudenkmäler des 15. Jahrhunderts, welches jüngst unter Leitung des Bauraths Hase einer Renovation unterzogen wurde. Das alte Mauerwerk ist nun von den Hinzufügungen späterer Jahrhunderte gereinigt und ihm äußerlich die Gestalt wiedergegeben worden, in der das formenschöne Gebäude ursprünglich errichtet wurde. Auch die innere Renovierung schreitet rüstig vorwärts. Es kommen hierbei besonders zwei Säle in Betracht; beide liegen im ersten Stock, und zwar der eine, kleinere nach der Marktstraße zu, im ältesten Flügel des Rathhauses, welcher im Jahre 1435 erbaut wurde, während der größere Saal gegenüber der Marktkirche fast die ganze Front des im Jahre 1485 fertiggestellten Theiles des Gebäudes einnimmt. Dieser letzterwähnte Saal war ehedem das „Tanzhus“, in welchem die Patrizier ihre Feste und Hochzeiten feierten, in dem die Stadt Fürsten und hohe Gäste bewillkommnete. Mit der Ausschmückung dieses Festraums ist ein junger, hochbegabter Künstler, der Maler Hermann Schaper, betraut worden.

(Daselbst.)

100) Die Darmst. Ztg. meldet: Die Frage wegen der Erhaltung der in geschichtlicher, wie künstlerischer Beziehung merkwürdigen Reliefdarstellung des heil. Martinus im Giebelfeld der Außenseite des Gauthores hat nunmehr dahin einen höchst befriedigenden Abschluß gefunden, daß die Festungsbehörde das Bild an seiner ursprünglichen Stelle belassen und für entsprechende Herstellung Sorge tragen wird, ein Beschluß, der nur mit Dank und Freude zu begrüßen ist, da er nicht blos ein Denkmal aus dem 17. Jahrhundert schont, sondern eine bis weit ins Mittelalter zurückgehende Erinnerung bewahrt; denn ehe die Architektur des Gauthores 1670 unter Erzbischof Johann Philipp von Schönborn vollendet ward, trug die äußere mittelaltrige Gaupforte bereits ein Relief mit dem Reiterbilde des heil. Martinus. Aus den Wappen der Geschlechter zum Jungen, zum Rebstock, der Löwenhäupter u. s. w., welche an dem Thurm aufgemalt waren, ist zu entnehmen, daß sein Bestand jedenfalls bis gegen Schluß des 14. Jahrhunderts, wenn nicht noch weiter hinaufreicht. Es knüpft sich also seit einem halben Jahrtausend die Erinnerung des Stadtpatrons gerade an dieses Thor. Die mittelaltrige Passionsgruppe, welche an der Innenseite des Thorbaues über dem Wachelokal sich befindet, bleibt unberührt. Ueberhaupt werden die alten charakteristischen Architekturtheile des Thorbaues sowohl nach außen, wie nach innen bewahrt, was gewiß allseitige Anerkennung in Fachkreisen finden wird. Nur erfährt die Innenseite neben der Verlegung der mittleren Thorfahrt die Veränderung, daß in Folge der Anlage eines Fußweges ein zweites, kleineres Portal nöthig wird und dieses eine Parallele auf der andern Seite erhält, so daß eine große, einheitliche Thorarchitektur künftig sich gegen den Platz entfalten wird.