F.-K.
Zur Geschichte der Giesserfamilie Hilger in Freiberg.
Der Görlitzer Magistrat schreibt am 24. Juni 1521 an den Glockengießer Andreas Hilliger zu Breslau einen Brief folgenden Inhalts: Nachdem wir wegen der Glocke (für die Peterskirche) mit Euch haben reden lassen, haben wir unserem Diener Fabian befohlen, Euch Kupfer und anderes Zubehör zu beschaffen. Auch findet Ihr inliegend (es ist aber nur das Concept des Schreibens im lib. missiv. erhalten!) der Stadt Wappen mit etzlichem Texte zu St. Peters Bilde. — Der Name Hilliger ist unzweifelhaft nur eine andere Form für den obigen Zunamen, als deren Träger Lübke (deutsche Renaissance II, S. 783) zuerst die Brüder Wolf und Oswald zu Freiberg zum Jahre 1545 als Hersteller der großen Dedications-Tafel von Bronze in der Torgauer Schloßkirche laut Inschrift anführt. In Rücksicht auf den Zeitabstand dürfte nunmehr in dem Meister Andreas der Vater jener Künstler zu suchen sein, der gewiß nur vorübergehend seinen Aufenthalt in Breslau genommen hatte. Die Vermuthung stützt sich auf folgende Angabe der Görlitzer Rathsannalen (Script. rerum Lusaticarum III, S. 425), wo es zum Jahre 1516 heißt, daß der Rath im Einverständniß mit den Kirchenvätern eine neue Glocke für St. Peter einem Kannengießer von Freiberg angedingt habe, welcher den Guß derselben durch seine zwei Söhne am 26. September d. J. im Parchen jenseits des Frauenthurmes habe ausführen lassen. Sie wog 165 Centner, und von je einem bekamen die Verfertiger 2 Mark Görlitzer Währung. Man ist versucht, die drei Ungenannten für Andreas, Wolf und Oswald Hilger zu halten, welche letztere beide nach anfänglich handwerksmäßigen Leistungen zur wirklichen Künstlerschaft sich werden aufgeschwungen haben.
Im Breslauer Zeughaus befand sich ein Geschütz von 87 Centnern, genannt die alte Sau. Es trug die Inschrift: „Hilf Gott aus Noth, der Junge ist todt.“ Von dem Gießer Michael Heiliger (sic!) aus Meißen, welcher den Guß desselben 1543 vollzog, weiß die Sage Aehnliches zu erzählen, wie von dem Meister der Sünderglocke zu Breslau.
Bunzlau.
Dr. Ewald Wernicke.
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