105) Herr Kofler aus Darmstadt hat in der Umgegend von Lich (Oberhessen) Ausgrabungen an Hügelgräbern vorgenommen, die im Muschenheimer und im Langsdorfer Walde liegen. Zwei der Gräber boten sehr wenig des Interessanten, das dritte Grab aber ganz Hervorragendes. Im Langsdorfer Walde liegt eine Gruppe von Hügeln, genannt die „Heidengräber“. Einige derselben haben eine Höhe von 2 Metern und einen Umfang von 36–40 Metern; andere erheben sich kaum über den Boden. Das eröffnete Grab erhob sich nur 80 Centim. über den Boden und hatte einen Umfang von 25 Metern. In einer Tiefe von 80 cm. stießen die Arbeiter auf eine Anzahl Steine, welche in ziemlich kreisrunder Form pflasterartig den Boden deckten. Der Durchmesser des Kreises maß 4 Meter. Als die Randsteine losgebrochen wurden, fand man drei größere Schalen und ein Gefäß, von denen nur letzteres erhalten, die Schalen aber, wie die genaue Besichtigung zeigte, in beschädigtem Zustande niedergelegt waren. Unter den Gefäßen befanden sich große Lagen von Asche und kleine im Feuer kalzinierte Knochen. Bei Entfernung der Steine aus der Mitte fand man ebenfalls Asche und Scherben der verschiedenen Gefäße. Unter dem mittleren Steine lag ein vollständiger Bronzeschmuck, bestehend aus einem Halsring von gewundener Form mit schön erhaltenem Schluß; zwei spiralförmigen, ganz dünnen Armringen mit Schluß, die theilweise unter der Hand zerbrachen; zwei massiven Armspangen, jede zusammengesetzt aus 3 glatten Reifen; einem spiralförmigen Fingerring, dabei ein Stückchen Bronze, das wol zu demselben als Zierrath gehörte (aus den Armspangen fielen beim Herausnehmen je ein Reifchen von dünnem, nadeldickem Holz, das mit ganz dünnen Bronzen überarbeitet war); zwei Scheiden für spitze Gegenstände von wohlerhaltenem Gewebe; einem Gürtel, ganz vermodert, der mit unzähligen kleinen Bronzebuckeln besetzt war, die nicht ganz die Stärke des Materials der sogenannten Wachsperlen hatten; einer ganzen Anzahl halbvermoderter, halbverkohlter, ganz dünner Bronzeziergeräthe; einem Bronzebeschlag mit zwei Rundnägeln. Die Fundstücke hofft man für das Darmstädter Museum zu erhalten.

(Nordd. Allgem. Ztg., Nr. 362.)

106) Am 20. Juli wurden in der Nähe des Greiffensteiner Schloßberges, ½ Stunde westlich von Zabern, unweit der alten römischen Vogesen-Befestigungen am Schweizerhof, Köpfel, Fallberg und der römischen Kaiserstraße von Tres Tabernae nach Decempagi (Tarquimpol bei Dieuze) und der Römerstraße nach dem Fallberge: 160 silberne römische Münzen aus der Zeit der Prätorianer-Kaiser (235–279) beim Bauen einer Forststraße von einem Arbeiter gefunden. Die in einem zerfallenen kupfernen Gefäß befindlichen Münzen wurden an das Bezirkspräsidium nach Straßburg abgeliefert. Am 3. August wurden wieder 6 silberne, sehr gut erhaltene Münzen mit folgenden Inschriften gefunden: 1. (2 Münzen) Otacilia uxor Philippi I. Marcia Otacilia Severa Augusta, — Concordia Augusta. 2. (2 Münzen) Imperator Caesar Cajus Vibulo Vellusiano (?) Augustus. 3. (2 Münzen) Imperator Gallienus, Pius Augustus (260–268).

Freiherr von Hövel,
Premier-Lieutenant im k. Jäger-Bat. 8.

107) Der „Köln. Volks-Ztg.“ zufolge wurde in Zülpich die dortige, aus dem achten Jahrhundert stammende Krypta nach ihrer Restaurierung wieder eröffnet und für den Gottesdienst in Gebrauch genommen.

(Staats-Anz. f. Württemberg, Nr. 190.)

108) Alle Zeitungen feiern die am 14. August d. J. erfolgte „Fertigstellung“ des Domes zu Köln, indem an diesem Tage die Versetzarbeit der Kreuzblume des zweiten Thurmes beendigt wurde, ein Ereigniß, das in der That wichtig genug ist, das Interesse aller Altherthumsfreunde in Anspruch zu nehmen, wenn auch von einer Fertigstellung, von einem Abschluß aller Arbeiten noch lange nicht die Rede sein kann.

109) In dem Gebäude des Bürgerhospitales zu Graz entdeckte man kürzlich beim Erneuern des Fußbodens in einem ebenerdigen Gewölbe eine Grabplatte 75,40 Centimeter groß, leider in der Mitte geborsten in zwei Hälften, aus röthlichem Marmor. Die Mitte derselben zeigt nur einen Schild mit eingegrabener Schräglinie. Am Rande läuft in gothischer schöner Majuskelschrift die Legende: „CHVNRADVS. CIVIS. DE. GRÆTZ. LANTSCRIBA. IN. STIRIA. OBIIT. ANNO. DNI. M. CCC. XXI. XII. KAL. SEPTEM(BR)IS.“

Dieser Grabstein, der aus dem nahen ehemaligen St. Andreasfriedhofe herrühren möchte, ist vielleicht der älteste eines Bürgers (civis) von Graz und das Denkmal des „Meisters Konrad Landschreibers von Steier“ (Muchar V, 362), der ein Theilnehmer jener Versammlung steirischer Edeln und Stände im Kloster Göß war, von welcher die engere Beziehung unserer Heimat zum Hause Habsburg datiert wird.

(Der Kirchenschmuck, Nr. 8.)