110) Auf der bei Annweiler gelegenen Burg Trifels ist man seit Beginn des Frühjahres beschäftigt, den dort befindlichen, aber nahezu vollständig zugeschütteten Brunnen auszugraben, in der Hoffnung, manch interessanten Fund aus dem Alterthum zu machen. Die Arbeiten blieben jedoch erfolglos, die Hoffnung begann zu sinken und die zur Ausgrabung freiwillig eingegangenen Beiträge waren erschöpft, auf neue aber nicht mehr zu rechnen. Da endlich stieß man am 24. Juli in der Tiefe von 70 Meter auf einen eisernen Mörser von nahe 18 Centner. Derselbe hat eine Länge von 88 cm., ist in der Wandung 7 cm. dick und hat einen Laderaum von 20 cm. Tiefe und 12½ cm. Breite. Nach Urtheil Sachverständiger soll das Stück aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammen. In Folge dieses Fundes werden die Ausgrabungen eifriger denn je betrieben, da man noch werthvollere Gegenstände an das Tageslicht zu bringen hofft. Auf Wasser ist man bis jetzt noch nicht gestoßen.
(Fränk. Kurier, Nr. 490.)
111) Auf dem Schloßplatze zu Berlin werden Nachgrabungen veranstaltet, um das Fundament des alten Domes bloßzulegen und die Gruft zu finden, in welcher die Särge der Kurfürsten Johann Cicero und Joachim I., sowie der Gemahlinnen derselben, beigesetzt worden. Nach einer Mittheilung der deutschen Bauzeitung glaubt man annehmen zu können, daß diese Särge nicht in der allgemeinen Familiengruft im Chore, sondern in einer kleinen Gruft bei den Querschiffen beigesetzt waren. Schon unter Friedrich Wilhelm I. wurden diese Querschiffe abgebrochen, und so erklärt sich die Thatsache, daß diese Särge bei Ueberführung der übrigen Fürstensärge aus dem alten Dome in den jetzigen nicht mit übergetragen wurden, aber auch die Hoffnung, solche jetzt noch zu finden.
Inzwischen haben diese Nachgrabungen, nach der Nordd. Allg. Ztg., welche wiederholt darüber berichtet hat, interessante Resultate erzielt. Man hat eine Reihe von Grüften, theilweise völlig unberührt, sammt ihrem Inhalte bloßgelegt. In einer derselben wurde eine Rüstung gefunden; es kamen steinerne Epitaphien vom Beginn des 17. Jahrh. zu Tage, und fast bei jedem Spatenstiche stieß man auf menschliche Knochen, da der alte Dom Jahrhunderte lang als Begräbnißstätte diente. Der Hauptzweck der Ausgrabungen scheint bis jetzt nicht erreicht zu sein. Glücklicher in dieser Richtung erscheint eine zu ähnlichen Zwecke in Küstrin vorgenommene Ausgrabung verlaufen zu sein.
112) Küstrin, 15. August. Auf Anregung von hoher Seite sind, wie die „Frkf. Oderztg.“ schreibt, hierselbst, und zwar schließlich mit Erfolg, Nachforschungen nach der Gruft des Markgrafen Hans von Küstrin, welcher die Reformation in seinen Landen eingeführt, angestellt worden. Nachdem man mehrere Tage vergeblich in der Kirche selbst gesucht, wurde zuletzt noch die Dielung der unter dem Hochaltar gelegenen Sakristei aufgenommen. Beim Sondieren des darunter befindlichen Untergrundes stieß man auf Mauerwerk, in welches man eine größere Oeffnung schlug, durch die man in der That in ein Gewölbe, und zwar das lange gesuchte, hinabstieg. Man fand dasselbe großentheils mit Schutt und Steinen angefüllt, nach dessen Beseitigung zwei Zinksärge bloßgelegt wurden, von denen der eine an der südlichen, der andere an der nördlichen Wand befindlich. Der letztere war gewaltsam aufgebrochen, der Deckel theilweise herabgezogen und verbogen, im Innern mit verfaultem Holz des Einsatzsarges, sowie mit Mauerschutt angefüllt. Ein Theil der Gebeine, mit Ausnahme des Schädels, welcher nicht vorhanden, wurde auf dem Fußboden des Gewölbes zerstreut gefunden, sorgsam gesammelt und wieder in den Sarg hineingelegt. Ueber demselben fand man an der Wand befestigt die in den Chroniken erwähnte Messingtafel mit folgender Inschrift: „Johannes, Markgraf zu Brandenburg, ein Sohn Markgraf Joachims, dieses Namens des Ersten, Kurfürstens zu Brandenburg etc., hat durch Gottes Providence im Jahre nach Christi Geburt 1536 angefangen, die reine Lehre des Evangelii und Wortes Gottes Inhalts der Augsburgischen Confession nach prophetischer und apostolischer Schrift allhier zu Cüstrin und folgends durchs ganze Fürstenthum der Neumark und in andern seinen Landen und Herrschaften öffentlich lehren lassen, und ist ob solchem Bekenntnisse aus Gnaden des Allmächtigen beständig geblieben und hat durch desselben Hülfe die Seinigen dabei erhalten. M. D. L. V. Solus spes mea Christus.“ — Wenn die Tafel schon jeden Zweifel an der Richtigkeit des Fundes zu beseitigen im Stande war, so geschah dies außerdem noch durch eine Inschrift auf dem Deckel des anderen, südlich stehenden Sarges, welche bekundete, daß darin die sterblichen Ueberreste der Markgräfin Katharina enthalten seien. Außer derselben war auf dem Deckel noch ein langgestrecktes Kreuz eingraviert. Auch dieser Sarg hatte Spuren äußerer Gewalt aufzuweisen, da er, obgleich sonst noch fest, an verschiedenen Stellen aufgebrochen war. Mit Hülfe dieser Oeffnungen konnte man erkennen, daß der darin enthaltene Holzsarg stark von der Fäulniß mitgenommen war. An der südlichen Wand fand sich eine, wahrscheinlich nach erfolgter Beisetzung der später verstorbenen Markgräfin vermauerte Thür. Nach erfolgter amtlicher Feststellung des Thatbestandes wurde die Gruft wieder geschlossen.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 383.)
113) Lauf, 28. Juli. Gelegentlich der Einlegung eines baufälligen Hauses im benachbarten Dorfe Simonshofen machte ein hiesiger Zimmergeselle einen ihn höchst angenehm überraschenden Fund. Derselbe, unter einer Dachsparre versteckt gelegen, bestand in einer Anzahl größerer französischer Silbermünzen mit den Bildnissen Ludwigs XIII. und XIV., sowie in einer noch sehr gut erhaltenen Taschenuhr von hohem Kunstwerth. Dieselbe zeigt auf 3 Zifferblättern Stunden, Wochentage und Monate, lief aufgezogen sofort weiter und hat einen höchst sinnreich konstruierten Mechanismus. Wochentage und Monate sind französisch bezeichnet, und somit scheint das Ganze noch aus der Franzosenzeit herzurühren.
(Fränk. Kurier, Nr. 387.)