(Staats-Anzeiger f. Württemberg, Nr. 203.)
121) Wiesbaden, 26. August. Hier wurde, wie man der „A. Z.“ meldet, am Anfang dieses Monats bei dem Kanalbau in der Friedrichsstraße ein für die Geschichte der Stadt sehr interessanter Fund gemacht, nämlich derjenige eines altchristlichen Grabsteines mit der Inschrift: „Hic iacet in pace Votrilo an. L.“ zu Deutsch: „Hier liegt in Frieden Votrilo, 50 Jahre (alt)“; darunter befindet sich das Monogramm Christi mit Alpha und Omega. Es ist dies die siebente altchristliche Inschrift, welche man in Wiesbaden gefunden. Nach dem Inhalte der Inschrift, sowie der Technik derselben zu urtheilen, stammt der Stein etwa aus der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts, indem Votrilo, dessen Name ohne Zweifel ein germanischer ist, zwischen 530 und 550 gestorben sein mag. Die Fundstätte befindet sich in der Gegend der Stadt, durch welche einst die altrömische Straße von dem Kastell auf dem Heidenberg nach Mainz führte. Da man in derselben Nähe schon vor einigen Jahren ebenfalls altchristliche Grabsteine gefunden hat, scheint es festzustehen, daß hier nach dem Aufhören der Römerherrschaft ein fränkischer Begräbnißplatz lag. Der neue Fund ist der Alterthümersammlung zu Wiesbaden einverleibt worden.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 405.)
122) Nächst Petronell wurden wieder mehrere interessante Funde aus der Römerzeit gemacht. Unter Anderem hat der Bäckermeister Gruber in Petronell selbst einen Grabstein gefunden, dessen Inschrift auf einen römischen Centurio Bezug nimmt und seine militärische Laufbahn genau erzählt. Auf dem Sockel sind militärische Embleme, ein Panzer, ein Helm und ein Relief angebracht, welches einen Mann darstellt, der ein Pferd führt.
(Das Vaterland, Nr. 242.)
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Gedruckt bei U. E. Sebald in Nürnberg.