Judasaustreiben.

„Der schulmeister sol in der marterwochen bestellen all vinster metten, daz die schuler mit grozzen hölczern niht in die stül slagen, sunder daz sie mit cleinen hölczlein oder mit spreizzeln[248] klopfen auf die erden vnd dorzu sol er sechs schuler bestellen, die also clopfen vnd suͤst[249] nyemancz mer.“

Aus dem Leitbuch des neuen Spitals, aus der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, Bl. 55a, im Nürnberger Stadtarchiv. —

Vergl. Schmeller I, 1689: „Pumpermetten, Chorgesang, der jetzt an den Vorabenden des Donnerstags, Freitags und Samstags in der Charwoche statthat, ursprünglich aber in den horae matutinae gehalten zu werden pflegte. Nach jedem Psalme, der abgesungen ist, wird immer eine von 15 an einem dreieckigen Gestelle aufgesteckten Kerzen ausgelöscht. Ehemals sollen hierauf die Kirchengänger mit Stöcken, Hämmern, Steinen etc. an die Bänke und Wände geschlagen, und dieser Lärm soll dem Verräther Judas gegolten haben.“ S. auch Grimm, Wbch. IV, 2351: Judasjagen.

Meißen.

W. Loose.


Glockeninschrift.

Dem alten Glauben von der gewitterzerstreuenden Kraft der Glocken entsprechend, finden sich hierauf bezügliche Glockeninschriften auch in Siebenbürgen. Zu den von Fr. Müller („Zur älteren siebenbürgischen Glockenkunde“ im Archiv für siebenbürgische Landeskunde, neue Folge, Bd. IV, 224 und 236) mitgetheilten habe ich vor kurzem in Marienburg im Burzenland eine überaus bezeichnende dritte gefunden. Sie steht dort, in guter Minuskel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, auf der größten Glocke der evangelischen Pfarrkirche und lautet:

Hac cristi tuba pellatur grandinis turma