Inventarium der Gerkammer[276] des Domes zu Brandenburg a. H.
Die Sammlung mittelalterlicher Meßgewänder im Dom zu Brandenburg a. H., welche, trotz der Hinweisungen Bocks in seiner Geschichte der liturgischen Gewänder auf ihre Bedeutung, außer der kurzen Nachricht, welche Schreiber dieses im Bär 1877, S. 86 ff. veröffentlicht, weiter noch keine Berücksichtigung seitens der bezüglichen Forschung und Literatur gefunden hat, ist dadurch besonders interessant, daß einmal die sämmtlichen Schränke und Truhen, welche zu ihrer Aufbewahrung dienten, noch heute in der Domsakristei vorhanden sind, und daß zweitens diese Schränke ein fast lückenloses Inventarium des gesammten Bestandes an kirchlichen Gewändern enthalten, wie er am Ende des 16. Jahrh. sich nicht nur im Besitze des Brandenburger Domkapitels befand, sondern bei den Eigenthümlichkeiten, welche der von Joachim II. in der Mark eingeführte evangelische Kultus bewahrt hatte, auch noch in wirklichem Gebrauch war. Auf die Innenseite der Truhendeckel und Thurflügel der einzelnen Schrankabtheilungen sind nämlich Zettel geklebt, welche die in den betreffenden Truhen und Schrankabtheilungen aufzubewahrenden Gewänder unter kurzer Beschreibung aufführen. Da solcher Inventarien nicht allzuviel existieren dürften, wird eine Veröffentlichung des in Rede stehenden in dieser Zeitschrift nicht unangemessen sein. Vorausgeschickt werde in Bezug auf das Alter des Inventars, daß es zwei, nicht völlig gleichzeitige Bestandtheile in sich faßt. Die Zettel sind nämlich mit großen lateinischen Buchstaben nach dem Alphabet von A bis N nummeriert, wozu dann noch einer mit Æ kommt. Die mit A. B. und Æ bezeichneten haben aber eine Handschrift, die mehr verschnörkelt und überhaupt ersichtlich später ist, als die der übrigen Zettel. Nun gehen die auf Æ verzeichneten Todesfälle, soweit sie sich feststellen lassen, nicht über 1604 herab; also werden diese Zettel in das erste Decennium des 17. Jahrhunderts zu setzen sein. Was die anderen, älteren, sämmtlich von derselben Hand geschriebenen betrifft, so wird auf I ausdrücklich der Dechant Ernst von Burgsdorf genannt, und zwar nicht, wie auf Æ, mit dem Zusatz „seligen“; sie müssen also zu dessen Lebzeiten, mithin zwischen 1581 und 1588 geschrieben sein.
Zu dem hier folgenden Abdruck ist zu bemerken, daß die Zahlen am Anfange der Zeilen auf den Zetteln nicht vorhanden sind, sondern hier nur zum Zwecke eines am Schlusse anzustellenden Vergleiches hinzugefügt werden, und daß die am Schlusse der Zeilen in Klammern hinzugefügten Buchstaben und Zahlen die noch jetzt in der Sammlung vorhandenen Stücke nach derjenigen Bezeichnung andeuten, welche sie bei Revision und Neuordnung der Sammlung durch den Schreiber dies im Jahre 1876 erhalten haben und in dem damals angefertigten handschriftlichen Kataloge führen. Einige Anmerkungen zu sprachlicher und geschichtlicher Erklärung werden unter dem Texte beigefügt werden.
A.
- Drey Alben mit gulden blöcken[277] vndt einer gulden Stola. (Eine Alba erhalten A. 1.)
- Drey Alben mit Viol blaw sammît blöcken vnd einer silbern Stola.
- Drey Alben mit gruen guldin blöcken vndt einer gruen guldin Stola.
- Drey Alben mit einer braunen vndt zweyen gelben Tammaschen[278] blöcken vndt einer gemeiner Stola.
B.
- Drey Alben mit gruen attlaß blöcken, mit einer gruenen Attlas Stola.
- Drey Alben mit blawen Attlas blöcken mit einer gemeinen Stola (Die Stola S. 1 ?)
- Drey Alben mit geringen schwartzen blocken ohne Stola.
- Ein weis gewircket[279] Altarthuch mit der passion. (V. 1)
- Drey (corrigiert: Ein) Altarthücher (corrigiert: „er“ ausgestrichen) gemeiner Leinwandt.
- Ein Altartuch blauw eingeschlagen[280] (V. 2)
C.