Cöslin und die letzten Caminer Bischöfe aus herzoglichem Stamme. Von Dr. Rudolf Hanncke. — Wanderung eines fahrenden Schülers durch Pommern und Meklenburg. Von von Bülow. — 42. Jahresbericht der Gesellschaft.


Literatur.

Neu erschienene Werke.

1) Historischer und beschreibender Catalog der königlich Bayerischen Schatzkammer zu München von Dr. Emil v. Schauß, Schatzmeister des kgl. Hausschatzes ... München, 1879. Druck des lit. Instituts von Dr. M. Huttler. IX u. 441 Stn. 8.

Das Buch, welches hier vor uns liegt, ist so vortrefflich, daß eine lange Einleitung zur Besprechung desselben ungerechtfertigt erscheint; und doch kann Referent dieselbe ohne eine solche um persönlicher Gründe willen nicht vor den Leser bringen, indem gerade dieses Buch ihn an so manches andere erinnert, das er nicht besprochen, und ihn nöthigt, die Gründe anzuführen, weshalb letzteres nicht geschehen ist. Ein schlechtes Buch wird nicht besser, wenn es auch von freundlicher Kritik noch so rasch und ausgiebig gelobt wird, ein gutes verliert nicht, wenn es auch zu eingehender Studien bedürfte, als daß die Kritik so leichtweg darauf eingehen könnte, wie dies gemeinhin geschieht, ja geschehen muß, wenn der Kritiker allen neuen Erscheinungen auch nur der speciellen Fachliteratur rasch genug nachkommen soll, um Autoren und vor allem Verleger zu befriedigen, denen freilich meist mit wenigen Worten genügt ist, die geschäftlich zu verwerthen sind. Deshalb ist es Sitte geworden, nur über die neuesten Erscheinungen der Literatur zu sprechen, und doch wie Vieles bleibt unerwähnt, weil zu eingehenden Studien keine Zeit ist, wie Vieles könnte über ältere Bücher geschrieben werden, wenn es Sitte wäre, auf dieselben einzugehen, und sie ihrem Inhalte, wie ihrer Form nach zum Gegenstande literarischer Abhandlungen zu machen.

Wir kommen zu diesen Betrachtungen, indem wir die Leser dieses Blattes auf einige Kataloge neueren Datums von historischen, Kunst- und kunstgewerblichen Werken aufmerksam machen wollen und uns dabei sagen müssen, daß wir dies auch schon früher bei so manchem andern hätten thun können, ja daß ein Rückblick auf die gesammte Katalogliteratur der beiden letzten Jahrzehnte wol uns mancher Arbeit gerecht werden lassen müßte, die nicht blos für den Tag ihren Werth hatte, an welchem sie ans Licht trat. Die Katalogliteratur hat in der That Werke aufzuweisen, die mehr Belehrung geben, als viele wissenschaftliche Werke, abgesehen davon, daß sie die treueste und sicherste Statistik der Kunstdenkmale aufstellt und uns die Fülle des Werkes so recht zeigt, die wir als Belege für kunstgeschichtliche Thesen und Hypothesen vorführen können, die Fülle der Originalquellen, an denen wir unsere Studien machen können.

Wiederholt schon dachten wir daran, im Zusammenhange über die Katalogliteratur zu sprechen, wenn einzelne schöne und interessante Kataloge auf unserem Tische lagen; aber ehe jemand, der nicht blos seinen Studien zu leben hat, sondern mannigfaltig ins Leben eingreifen und in seinem Berufe thätig sein muß, auch nur ernstlich darüber nachdenken kann, sind die neuen Erscheinungen durch andere neuere auf dem Tische bedeckt, das Material mehrt sich, nicht aber die Arbeitskraft zur Bewältigung desselben; man will die neuen nicht behandeln ohne die vorhergehenden, um auch diesen gerecht zu werden, und endlich werden sie alle zur Seite gestellt. Wie lange lagen seiner Zeit die interessanten Kataloge auf unserem Tische, welche Hofrath Lehner in Sigmaringen über die einzelnen Abtheilungen der fürstlich hohenzoller’schen Kunstsammlungen ausgearbeitet hatte, und in denen der Reichthum derselben, ins Einzelne aufgezählt, sich spiegelte. Wie oft sind dieselben inzwischen zur Hand genommen worden, um Einzelnes zum Vergleiche zu suchen und zu finden, wenn die Arbeit uns auf irgend welches Feld führte, weil ja stets Parallelen in der fürstlichen Sammlung zu finden waren. Aber weil es an Zeit zu jener beabsichtigten zusammenhängenden Arbeit gebrach, blieben sie liegen, um endlich in der Bibliothek ihren Platz zu finden, ohne daß wir auf sie aufmerksam gemacht hätten. Und ähnlich bei vielen anderen. Wenn wir heute den Katalog der Schatzkammer zu München besprechen, so fällt uns der zwar kurz, aber vortrefflich abgefaßte und mit lehrreichen Erläuterungen versehene der Wiener Schatzkammer ein, der lange auf unserem Tische lag, weil er in dem Gange der betreffenden Literatur eine hervorragende Stelle einnimmt. Wir können aber nicht fortdauernd über die neueren Erscheinungen schweigen, blos, um nicht den Schein auf uns zu laden, daß wir seiner Zeit frühere nicht gewürdigt hätten, weil wir nicht darüber geschrieben.

Es ist freilich eine lange Einleitung geworden, sie mag indessen für manchen andern Fall auch gelten. Wir müßten nun eingehender und weitläufiger über das Buch sprechen, dessen Titel als Ueberschrift für diese Zeilen zu gelten hat, als der Raum unseres Blattes gestattet, wenn wir unser Referat mit der langen Einleitung in richtiges Verhältniß bringen wollten. In der That würde dazu auch der Inhalt einladen, denn das Buch nimmt unter den Katalogen eine hervorragende Stellung ein, sowohl durch den kostbaren Inhalt der Schatzkammer, wie durch die gediegene Behandlung.