Der Verfasser gibt zunächst in der Einleitung eine Geschichte der Schatzkammer von dem Dekrete Herzog Albrecht’s IV. und seiner Gemahlin Anna vom Jahre 1565 an, worin diese über die Erb- und Hauskleinodien Verfügung treffen, bis zur neuesten Zeit, indem er insbesondere auch der hervorragenden Kunstthätigkeit am bayerischen Hofe zur Zeit des 16. und 17. Jahrhdts. eingehende Schilderung, auf urkundliche Forschungen gegründet, zu Theil werden läßt und mehrere wichtige Schriftstücke ihrem ganzen Umfange nach mittheilt, auch durch Auszüge aus den Rechnungen alle Namen von ungefähr 180 Goldschmieden aufführt, die für den bayerischen Hof gearbeitet haben und, mit wenigen dem Schlusse des 17. und dem 18. Jahrhundert angehörigen Ausnahmen, in die Zeit von 1550–1650 fallen. Meist waren es in München ansäßige Meister, sowohl zünftige, als zum Hofgesinde gehörige, deren Geburtsstätten weit in der Welt zerstreut sind, ein Beweis, daß jede tüchtige Kraft in München ihr Fortkommen fand. Aber auch die Augsburger Meister lieferten manches schöne Stück; mehr als ein Drittel der genannten sind Augsburger Meister, während von Nürnberg außer Wenzel Jamitzer nur noch einer, Hans Lenker, genannt wird.
Den Inhalt der Schatzkammer beschreibt sodann der Verfasser Stück um Stück nach den 12 Schränken und 3 Kästchen, in denen sie aufbewahrt sind, um mit den wenigen größeren Stücken zu schließen, die nicht in besonderen Behältern verschlossen sind. Es ist nur zu bedauern, daß von den vielen Stücken, die in den alten Inventarien, in Schenkungsurkunden und Rechnungen erwähnt sind, so wenige sich heute noch unter den vorhandenen Stücken nachweisen lassen. Doch genügen diese wenigen, um interessante kunstgeschichtliche Schlüsse zu ziehen. Der Verfasser begnügt sich jedoch damit nicht. Anknüpfend an einzelne Stücke gibt er auch die vollständige Geschichte des Entwicklungsganges jeder Technik, wie die Geschichte der Kenntniß und Werthschätzung der kostbaren Materialien, ja selbst des Gebrauches solcher Geräthe und Gefäße, von denen die Schatzkammer einzelne Stücke besitzt.
Dem inneren Werth des Buches entspricht die Ausstattung. Aus der Huttlerschen Offizin hervorgegangen, ist sie musterhaft in Bezug auf sorgfältige Ausführung, wie geschmackvolles Arrangement.
A. E.
2) Gruppe X der Mustersammlung des Bayrischen Gewerbemuseums zu Nürnberg. Arbeiten aus Metall mit den Rohprodukten und Werkzeugen. Nürnberg, Fr. Korn’sche Verlagsbuchhandlung. 1880.
Die Mustersammlung des bayrischen Gewerbemuseums umfaßt kunstgewerbliche Arbeiten aller Art aus den verschiedenen Zeiten und Ländern. Sie ist in 12 Gruppen gegliedert, deren jede zugleich die Rohprodukte, die in den Handel kommenden Halbfabrikate, die Werkzeuge und das Verfahren der Herstellung ihrer Arbeiten enthalten soll. Die zehnte dieser Gruppen enthält sämmtliche Arbeiten aus Metall. Eine Einleitung gibt zunächst eine kurzgefaßte Geschichte der Metalle, eine Uebersicht über Vorkommen und Gewinnung derselben und ihre Bearbeitung. Hierauf folgt die Beschreibung der Werkzeuge zur Bearbeitung. Das Verzeichniß der Gegenstände ist gegliedert nach den Unterabtheilungen: Gefäße, Geräthe, Waffen, Uhren und Glocken, Schmuck, Architektur, Bildnerarbeiten. Jede Gruppe ist wiederum durch eine kursorisch alle Zeiten und Länder umfassende historische Abhandlung eingeleitet, sodann folgen die Gegenstände nach den einzelnen Metallen, in jeder solchen Reihe aber chronologisch, geordnet. Den Schluß bildet die Serie der Halbfabrikate und Rohprodukte, sowie jene der Werkzeuge. Jeder einzelne Gegenstand ist sorgfältig und genau beschrieben, wichtige Stücke sind abgebildet. Schöne Typen, reiche Ausstattung mit Kopfleisten und Schlußvignetten und sorgfältiger Druck zeichnen auch diesen Katalog, wie alle vom bayrischen Gewerbemuseum herausgegebenen Druckschriften aus.
A. E.
3) Die vier Bücher von der Nachfolge Christi. Aus dem Lateinischen nach der besten Ausgabe der ehrwürdigen Väter Mauriner, Benedictiner-Ordens, neu übersetzt von Pater Cölestin Wolfsgruber ..... Gedruckt und verlegt vom literarischen Institut von Dr. M. Huttler in Augsburg. 1880. VII u. 547 Stn. kl. 8.
4) Das neue Kochbuch für das deutsche Haus von Frau Anna Oppre. Verlag der Kranzfelder’schen Buchhandlung. Augsburg, 1879. Druck des literarischen Instituts von Dr. M. Huttler in München. 386 Stn. 8.
Die Zusammenstellung der beiden Titel ebenso, wie des Inhalts der Bücher macht sofort klar, daß, wer an dieser Stelle darüber sprechen will, nicht den Inhalt ins Auge faßt; in der That könnten wir den Lobpreisungen, deren sich die Nachfolge Christi seit Jahrhunderten erfreut, nichts beifügen und über den Werth moderner Kochrezepte steht uns kein Urtheil zu. Wir wollen gar nicht über den Inhalt der Bücher sprechen, noch unsere Leser auf diesen aufmerksam machen, sondern fassen ausschließlich nur die Ausstattung ins Auge. Noch vor nicht langer Zeit war es allerdings unmöglich, über solche bei irgend einem Preßerzeugnisse zu sprechen, und als dann bei Recensionen die Sitte aufkam, am Schlusse mit wenigen Worten der anständigen Ausstattung zu gedenken, da schüttelten Manche den Kopf in der Meinung, daß die Ausstattung vollkommen gleichgültig wäre. Dieser Gleichgültigkeit hatten wir es zu danken, daß das Druckergewerbe sich so lange nicht aufraffen konnte, um wieder Druckerkunst zu werden, was es im ersten Jahrhunderte seines Daseins in solch hohem Grade war. Allerdings ist in Bezug auf die Vorzüge des Inhalts die Ausstattung gleichgültig, nicht aber in Bezug auf die Pflicht gegen den Leser. Wir dürfen nicht sagen, daß blos ein gutes Buch das Recht auf gute äußere Erscheinung hat; was sich einem Leser nähert, hat die Pflicht, in anständigem Gewande zu ihm zu kommen. Nichts kann mehr zur künstlerischen Erziehung der Menschen beitragen als künstlerisch gelungene Ausstattung dessen, was die Massen am meisten zur Hand nehmen. Da nun dazu die Erzeugnisse der Presse gehören, so hat diese die Aufgabe, dahin mitzuwirken, daß Geschmack und Schönheitssinn der Menge angeregt und gehoben werde. Es liegt darin ein Stück Volkserziehung, und von diesem Standpunkte aus hat nicht blos der Leser ein Recht zu verlangen, daß sein Auge nicht durch Geschmacklosigkeit beleidigt werde, es hat die öffentliche Wohlfahrt ein Recht, schöne Ausstattung jener Druckerzeugnisse zu fordern, die den Volksmassen in die Hände gegeben werden und charakteristische Theile unserer ganzen Kultur sind. Wie auf allen Gebieten dies heute verlangt wird, wie ja auch thatsächlich auf allen Gebieten sich das Bestreben da und dort, freilich noch immer mehr oder weniger vereinzelt, kund gibt, solchen Anforderungen zu entsprechen, ist bekannt. Den anfangs sehr vereinzelten Bestrebungen auf dem Gebiete des Buchdruckes folgen immer mehrere, und es ist die Huttler’sche Druckerei, die gegenwärtig neben der Hirt’schen in München sich viele Mühe gibt. So auch in der Ausstattung der beiden oben genannten Werke. Das Kochbuch, in kräftiger Schwabacher Schrift auf gelbliches Papier gedruckt, mit rothen Ueberschriften und Initialen, ist mit einem dazu passenden Titelblatte in Barockstil ausgestattet und bietet so den Damen aller Stände Anregung, zu der der elegante Einband nicht wenig beiträgt, welcher mit Benützung der Zeichnung des Titelblattes hergestellt ist.