Die Schrift des Gebetbuches knüpft an die Missalschriften vom Ende des 15. Jahrhunderts an und ist zwischen rothe Linien gedruckt. Diese Schrift macht einen ebenso ruhig ernsten als echt künstlerischen Eindruck durch die Kraft und Gleichmäßigkeit des Schriftkörpers und das Verhältniß des Körpers zu den Zwischenräumen, so daß in der That, auch ohne den Schmuck der Initialen und trotz der Schwierigkeit, welche die durch das kleine Format bedingte Kürze der Zeilen dem regelmäßigen Satz mit großen Typen bereitet, ein wirklicher Genuß bei Betrachtung des schönen, gleichmäßigen Druckes geboten wird. Der innern Ausstattung entspricht auch der einfach schöne Lederband und das nach einem Muster des Mittelalters hergestellte Vorsetzpapier.
Wenn wir aber uns freuen dürfen, daß das Buchdruckergewerbe sich wieder zur Kunst erhebt, so danken wir dies den geschichtlichen Studien und ihrer Vertiefung, die sich nun nicht mehr begnügen, an der Vorzeit nur gewisse Seiten zu erforschen, sondern alle Beziehungen, insbesondere auch die Formen der äußeren Erscheinung beachten und auf diese Weise auch den Bestrebungen zur Veredelung unserer Gegenwart durch das mächtig wirkende Element des Schönen den Boden bereiten.
A. E.
Vermischte Nachrichten.
20) Herr Maler Bracht zu Carlsruhe ist in diesem Herbst bei archäologischer Durchsuchung einer Höhle bei Gerolstein in der Eifel, des sogenannten Buchenlochs, auf interessante Verhältnisse und Funde gestoßen. Die 18 Meter tiefe Höhle mit 2 Zugängen, mehreren Winkeln, Pfeilern und Gängen erwies sich als zur römischen Zeit andauernd bewohnt. Diese Benutzung hat eine Kulturschicht von 7–10 Centimeter Stärke hervorgebracht, welche erfüllt ist mit den Scherben aller Arten römischen Geschirres und kleiner Geräthe und durch die Zeit mit einer ganz ebenen, ebenso dicken Lehmschicht überdeckt worden ist. Die geringen Funde dieser Periode, Bronzering, Knochennadel, eiserne Zange und Nägel etc., werfen nur ein spärliches Licht auf die damaligen Bewohner der Höhle, und es wird dies dadurch nicht klarer, daß neben dem römischen Geschirr auch massenhafte Scherben anderen Charakters vorkommen — rohe und feinere — theils mit germanischer Verzierungsweise.
Wichtiger sind indessen die Zeugnisse aus den tieferen Bodenschichten, rothem Lehm mit Stücken des anstehenden Dolomitkalks und mit Dolomitsand vermengt; dieselben stellen den Menschen dar als gleichzeitigen Bewohner der Eifel mit dem Elephanten, Nashorn, Höhlenbären, Riesenhirsch, Rennthier, Pferd und anderen, welche aus dem Knochenmaterial erst durch sachkundige Hand festgestellt werden können. Herr Bracht fand in unberührter Lage die Knochen, Zähne, Geweihe und Hufknochen zusammen mit den Zerklopfsteinen von Quarz, welche zum Zerschlagen der Röhrknochen gedient haben; dabei als einziges, sorgfältig von Menschenhand hergestelltes Werkzeug mehrere knöcherne Pfriemen, wozu noch allenfalls zu rechnen sind einige rohe Geräthe, welche theils als Messer, theils als Marklöffel gedient zu haben scheinen.
Aus der Lage und den Verhältnissen der Höhle geht unzweifelhaft hervor, daß die Theile der betreffenden Thiere nur direct in die Höhle gelangt sein können, daß der Mensch sie zu seiner Nahrung oder Benutzung hineinbrachte und dann die Reste in die Winkel warf, nachdem die Markknochen mit wenigen Ausnahmen aufgeschlagen worden waren. Die Fundstücke gelangen in das Provinzialmuseum zu Trier, dessen Direktor, Herr Dr. Hettner, es übernommen hat, die Ausgrabung ganz zu Ende zu führen, da Herr Bracht nicht länger in Gerolstein bleiben konnte.
(Correspondenzblatt d. Ges.-Ver. d. d. Geschichts- und Alterthumsvereine, Nr. 12.)