26) Dr. Oswald Zingerle fand in Brixen eine Papierhandschrift des 15. Jahrhunderts, die unter Anderem ein Gedicht „Der sêlen rât“ enthält. Dies Lehrgedicht gehört aber noch dem 13. Jahrhundert an und zählt zu dem Besten der didaktischen Dichtung jener Zeit. Leider ist es nur Fragment, zählt jedoch 6000 Verse. Als Verfasser nennt sich am Schlusse „Bruoder Heinrich von Burgûs“ (Burgeis im Vinstgau). Aus den Stellen, worin er gegen das üppige Leben der Klöster, sowie gegen die Gleisnerei und Erwerbsucht der Einsiedler eifert, geht hervor, daß Heinrich dem Orden des heiligen Franciscus angehört habe. Oswald Zingerle wird eine kritische Ausgabe veranstalten.
(Beilage z. Augsb. Postzeit., Nr. 10.)
27) In der St. Moriz-Kirche zu Naumburg a/S wurde bei den im Gange befindlichen Reparaturarbeiten gegen Ende des vergangenen Jahres unter dem Fußboden ein verwitterter kleiner Lederbeutel ausgegraben, in dem sich 204 Silbermünzen befanden. Soweit die Legenden sich entziffern lassen, gehören fast alle Münzen in die Jahre von 1620 bis 1639, doch ist auch eine unbedeutende Anzahl früherer darunter; die älteste datiert von 1558. Das einzige große Stück ist ein vollwichtiger nürnbergischer Thaler von 1633.
(Zeitschr. f. Museologie u. Antiquitätenkunde, Nr. 2.)
Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.
Gedruckt bei U. E. Sebald in Nürnberg.