Ein vornehmer Jüngling zu Pferd und ein Bote.

Abbildung von 1441.

Der mehrerwähnte Codex von 1441 zeigt die Mitglieder der ritterlichen Gesellschaft nur in jenen Scenen in Waffen, in denen sie kämpfen. Sobald der Kampf zu Ende ist, legen sie die Waffen ab und erscheinen in Gesellschaftstracht. So erscheint auch auf diesem Bild Wilhelm von Orlens, dem ein Bote die Ladung zum Turniere bringt. Das Pferd ist nicht anders ausgestattet als in der Kampfscene. Auch der Sattel erscheint dort ganz ähnlich wie hier. Der Fuß steht ebenso stramm im Bügel, wie im Augenblicke des Kampfes. Die kurze Tunika des Jünglings ist unten mit Zaddeln besetzt und reicht mit diesen bis zum Knie. Auch der Bote trägt eine einfache, bis zum Knie reichende Tunika, ein Kleidungsstück, das sich bis jetzt in manchen Gegenden als Bluse, auch Staubkittel bezeichnet, beim Volke erhalten hat, wenn auch jetzt nicht mehr um die Hüften mit dem Gürtel zusammengehalten, wie sie heute wol nur noch Kinder tragen. Der Bote trägt als Zeichen seines Amtes ein Schild auf der Brust und den Spieß in der Hand, wie seine Kollegen auch noch im 17. Jhdt. ausgestattet abgebildet werden. Die offenbar pelzüberzogene Mütze ist gleichfalls beachtenswerth und ein Beitrag zur Mannigfaltigkeit, in welcher im 15. Jhdt. die Kopfbedeckungen gebildet wurden.

Nürnberg.

A. Essenwein.


Margarete von Schwangau, Gemahlin Oswalds von Wolkenstein.

Ueber die beiden Frauen des Minnesängers Oswald von Wolkenstein ist äußerst wenig Zuverlässiges bekannt. Bis vor kurzem wußte man nicht einmal bestimmt, ob Margareta von Schwangau seine erste Frau gewesen, wofür sich Beda Weber in dem Werke: „Oswald von Wolkenstein und Friedrich mit der leeren Tasche“ (Innsbruck, 1850) aussprach, oder Anna von Hohenems, für die von Hormayr in seinen verschiedenen Arbeiten über die Wolkensteiner und Schwangauer die erste Stelle in Anspruch nahm. Die Quellen, aus welchen die genannten Autoren schöpften, sind — abgesehen von Oswalds Gedichten — theils nicht bekannt, theils nicht mehr aufzufinden, so daß in Ermangelung bestimmter urkundlichen Nachrichten auch Ign. Zingerle in seiner Abhandlung: „Zur älteren tirolischen Literatur I“[37] der Behauptung Beda Webers sich anschloß, bis es ihm gelang, aus, dem gräflich Trapp’schen Archive zu Churburg eine undatierte Urkunde zu erhalten, aus welcher hervorgeht, daß Margareta von Schwangau ihren Gemahl Oswald überlebte; denn in derselben — durch welche Margareta, geb. von Schwangau, und Michel von Wolkenstein, Domherr zu Brixen, ihrem Sohne und Bruder Oswald von Wolkenstein das Schloß Hauenstein sammt Inventar abtreten, an ihrer und ihrer Söhne, resp. Brüder, Gotthart, Leo und Friedrich statt — wird Margareta Herrn Oswalds seligen Wittib genannt.[38]

Das gräflich Wolkenstein’sche Archiv, früher zu Rodenegg, nun Eigenthum des germanischen Museums, enthält eine Anzahl von Stücken, durch welche gleichfalls der Beweis gebracht wird, daß Margareta ihren Gemahl Oswald überlebte und also dessen zweite Frau gewesen sein muß, wenn er überhaupt zwei Frauen hatte. Sie bilden mit der in der Germania abgedruckten Urkunde die einzigen authentischen Nachrichten über Margareta von Schwangau — über Anna von Hohenems sind unseres Wissens solche nicht bekannt —; sie lassen uns Margareta in vortheilhaftem Lichte sehen und bereichern zugleich unsere Kenntnisse über das Leben Oswalds. Beinahe sämmtliche Stücke gehören dem Todesjahre Oswalds (1445) oder dem Jahre 1447 an; nur eine Urkunde führt uns in eine frühere Zeit zurück.