Hoffentlich wird dieser Fund Veranlassung geben, daß der merkwürdige Bau, statt demoliert zu werden, einer entsprechenden Restauration unterzogen wird und neben dem Dome in ursprünglicher Gestalt als Zierde der Stadt wieder ersteht.
35) In Basel hat sich nach dem Anzeiger für schweizerische Alterthumskunde (Nr. 1) ein Komité gebildet, welches die Begründung eines Münsterbauvereins bezweckt, dessen Streben darauf gerichtet sein soll, das Aeußere des Münsters, das von den 1854–1856 und 1871 vorgenommenen Restaurationen unberührt geblieben ist und einem zunehmenden Verfalle entgegensieht, in würdiger Weise wiederherzustellen.
36) Die malerisch hoch auf dem Berge oberhalb Eichstätt gelegene ehemalige Residenz der Bischöfe von Eichstätt, die uralte, allerdings wiederholt, zuletzt im 17. Jahrh., umgebaute Willibaldsburg sollte, nachdem sie in letzter Zeit als Kaserne gedient, am 1. März d. J. versteigert werden. Es fanden sich jedoch keine Kaufliebhaber für das riesige Gebäude, so daß später dortige Bürger die Summe von 500 Mark boten. Zu den Ankaufsbedingungen gehört auch die, das Hauptgebäude im baulichen Zustande zu erhalten.
37) Im Verein für Geschichte der Mark Brandenburg legte Herr Stadtrath Friedel die Proben eines zu Klementinenhof bei Sonnenwalde gemachten Münzfundes vor, der aus Wendenpfennigen der Zeit von 1000–1030 im Gesammtgewichte von mehr als zwei Pfund Silber besteht und besonders dadurch merkwürdig ist, dass die einzelnen Stücke so neu, wie sie aus der Pfanne gekommen, vergraben worden sind, und daß nicht nur die irdenen Töpfe, sondern auch die Reste der Leinenbeutel, in denen seiner Zeit der Besitzer seinen Schatz geborgen hat, noch vorhanden sind.
(Nordd. Allgem. Ztg., Nr. 93.)
38) Nach der „Karlsruher Zeitung“ wurde in den letzten Tagen des Monats Februar ein für die Wissenschaft interessanter Fund gemacht, der mit Recht die Aufmerksamkeit der Philologen und Theologen auf sich zieht. Bekanntlich wurden im 8., 9. und noch im 10. Jahrh. in folgenden Klöstern (bis jetzt wenigstens nachgewiesen): Bobbio in Italien, Verona, Reichenau, Lorsch, Trier, Weißenburg i. E. und andern Orten alte Pergamenthandschriften, welche Werke des Cicero, Sallustius, des Granius Licinianus, Livius oder lateinische und gothische Bibelübersetzungen etc. enthielten, von den Mönchen abgewaschen oder abgeschabt und hierauf zum zweiten Male geglättet und wiederum beschrieben. Dies geschah, weil das Pergament damals sehr theuer war und die Technik der Bereitung dieses werthvollen Materials Rückschritte gemacht hatte. Auf diese Weise wurden die interessanten und wichtigen Funde von Gaius’ Kommentaren zum römischen Rechte, Cicero’s Werke über den Staat, die gothische Bibelübersetzung etc. in den reskribierten Handschriften wieder aufgefunden. Es ist kaum ein Land in Europa so reich an derartigen reskribierten, d. h. zum zweiten Male beschriebenen, Handschriften, als gerade das Ober-Rheinland. In Weißenburg i. E., in der Reichenau und in der Lorsch haben sich eine Anzahl solcher Handschriften erhalten und zu den werthvollsten Bereicherungen der Philologie Veranlassung gegeben. Im städtischen Archive in Freiburg i. Br. fand neuerdings der städtische Archivar Poinsignon ein reskribiertes Blatt oder einen Palimpsesten, wie man diese Pergamentblätter nennt. Dasselbe wird von Sachkennern in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts verlegt. Es umfaßt Psalmen Davids und ist, da es alle Merkmale merowingischer, bezw. karolingischer Schrift trägt, wol aus einem überrheinischen Kloster nach Freiburg gekommen.
(Deutscher Reichs-Anzeiger, Nr. 64.)
39) Der steiermärkische Landesausschuß beabsichtigt vom nächsten Landtage einen Kredit von 6000 fl. zu verlangen, um das Landeszeughaus mit historischer Treue in jenen Zustand wieder zu versetzen, in welchem es sich als Waffenmagazin für 30000 Streiter vor zwei Jahrhunderten befand. Der Gedanke, dasselbe durch Ausmusterung der zu Tausenden vorhandenen ordinären Piken, Lunten und Radschloß-Musketen u. s. w. in ein Waffenmuseum umzuwandeln, wurde aufgegeben; es sollen vielmehr die Waffen genau so aufgestellt und geordnet bleiben, wie sie vor 200 Jahren zum Kriegsgebrauche bereit standen. Wenn die Ordnung und Reinigung des Waffenhauses durchgeführt und dasselbe den Fremden entsprechend zugänglich gemacht sein wird, dann wird niemand, der Graz berührt, versäumen, das Unicum eines completen historischen Zeughauses sich anzusehen. Der Landesausschuß beabsichtigt auch, zur Verwaltung und Beaufsichtigung des Zeughauses einen eigenen Zeughauswart anzustellen.
(Oesterreich.-Ungarische Kunst-Chronik, Nr. 8.)