Die Leipziger juristische Fakultät verurtheilt eine Kuh zum Tode.

Folgendes kulturgeschichtliche Curiosum, das wir der zuvorkommenden Mittheilung des Herrn Pastor Lohde verdanken, befindet sich im Kirchenbuche zu Machern, unweit Leipzig, und ist auch an anderer Stelle desselben Buches bestätigt:

„Ao 1621 den 20 July ist Hanß Fritzschen weib Catharina alhier zu Machern wohnende von Ihrer eigen Mietkuhe[67], da sie gleich hochleibß schwanger gang, auff Ihren Eigenen hofe zu Tode gestoßen worden. Vber welch vnerhörten Fall der Juncker Friederich von Lindenau, alß Erbsaß dieseß ortes, in der Jurißtischen Facultet zu Leipzig sich darüber deß Rechtes belernet, Welche am Ende deß Vrtelß diese wort also außgesprochen: So wird die Kuhe, alß abschewlich thier, an Einen abgelegenen öden ort billig geführet, daselbst Erschlagen oder Erschoßen, vnnd vnabgedeckt begraben, Christoph Hain domalß zu Selstad wohnend hat sie hinder der Schäfferey Erschlagen vnd begraben, welcheß geschehen den 5. Augusti auff den Abend, nach Eintreibung deß Hirtenß zwischen 8 vnd 9 vhren.“

Man sieht, daß die Fakultäten im 17. Jahrhundert mit ihrem Gutachten rascher vorgiengen und weniger vorsichtig waren, als gegenwärtig. Zu bedauern, wenn auch nicht zu verwundern, ist, daß das ohne Zweifel sehr weitläufig und gründlich motivierte Urtheil nicht vollständig mitgetheilt worden. Beachtenswerth ist im Eintrage des damaligen Pfarrers der ungetrennte Gebrauch der lateinischen und deutschen Buchstaben.

Dresden.

A. von Eye.


Ritterspiele.

Zwei Abbildungen vom Jahre 1441.

Derselbe Codex, welcher Konrads von Würzburg trojanischen Krieg enthält, aus dessen Federzeichnungen wir verschiedene Darstellungen wiedergegeben haben, begreift auf Blatt 201 bis 266 als zweites Stück, ebenfalls reich illustriert, den Wilhelm von Orlens des Rudolf von Montfort. Sind die Abbildungen des Trojanerkrieges einem Gebiete entnommen, welches doch der Künstler als ein fremdes betrachten mußte, auf dem wir also neben den Beiträgen zur Geschichte der Tracht und Waffen nur wenige dem wirklichen Leben entnommene Bilder finden, weil er ja nicht jede Scene, die zu seiner Zeit sich ereignete, im Liede angedeutet finden konnte, so bewegt sich alles im zweiten Stücke Darzustellende für den Künstler auf dem Gebiete des damaligen Lebens, und wir können deshalb auch einige Darstellungen daraus entnehmen, die ihres Inhaltes wie der sichern Datierung wegen von besonderer Wichtigkeit sind. Auch hier bewegt sich der Künstler auf dem Gebiete des ritterlichen Lebens, wie im trojanischen Kriege; aber hier weiß jeder von uns, daß er die Helden als seiner eigenen Kultur angehörig betrachtet, daß er hier die Ritter seiner Zeit genau wiedergibt, ohne Zuthaten und ohne Weglassungen, wie wir bei den Illustrationen des ersten Stückes solche fürchten und etwa durch solche Furcht das Vertrauen in die unbedingte Sicherheit seiner Darstellungen verlieren könnten.