Im Anschlusse an die in der vorigen Nummer dieses Blattes abgebildeten Gläser veröffentlichen wir hier die Abbildung eines noch späteren Stückes aus demselben Gebiete. Es ist ein cylinderisches Trinkglas mit ausladendem Fußende, 22,3 cm. hoch bei 12 cm. Durchmesser, von durchsichtigem, klarem Glase, auf welches ein friesartiges Bild aufgemalt ist, das drei sitzende musicierende Herren im Zeitcostüme darstellt, einen Violoncellisten und zwei Violinspieler, hinter denen ein Mann mit erhobenem Glase und den Geberden ausgelassener Freude steht. Auf der entgegengesetzten Seite, durch Pflanzen einerseits und eine Inschrift anderseits getrennt, wartet der Teufel in Gestalt eines rothen, bärenartigen, jedoch geflügelten Thieres mit Gemshörnern und langem Schweife. Einige Ornamente und mehrere Inschriftstreifen vervollständigen die Ausstattung. Die oberste der letzteren enthält den Spruch: „Ach Herr gedenke nicht der Sünden meiner Jugend, ich will mit Hülffe dein ergeben sein der Tugend.“ Darunter steht: „Mein Jüngling freüe dich nimb darzu deines gleichen. Der böse Höllen Feind wird dich niemals beschleichen.“ Beim Teufel steht der Spruch: „Fahr nur so immerfort, bekehre dich nur nicht, ich will bei rechter Zeit dir weisen meine Pflicht.“ An Fuße steht: „N. Christian Flitner Pfarrer zu Dandorff Anno Christi 1711.“ Ob sich der fromme Pfarrer das Glas selbst bestellt hat, ob es ihm von seinen Pfarrkindern verehrt wurde, immerhin zeigt es durch seinen Umfang, daß damals die Masse des aus ihm genossenen Getränkes mit der moralisierenden Tendenz der Darstellung nicht in Widerspruch stand. Es faßt nahezu zwei Liter, ist freilich aber noch lange nicht das inhaltsvollste Glas unserer Sammlung.

Nürnberg.

A. Essenwein.


König Wilhelm von Holland in einer florentinischen Inschrift.

Das Vorkommen von Namen deutscher Kaiser und Könige in toscanischen Inschriften ist äußerst selten. Schon um deswillen würde die Nennung Wilhelms von Holland in Florenz Interesse wecken; dieselbe hat aber um so größere Bedeutung, weil sie von der guelfischen Gesinnung der Stadt Zeugniß ablegt. Im J. 1250 hatte, infolge der Fehden der Adelsfactionen, der Bürgerstand sich constituiert und sich eine militärische Verfassung gegeben. An die Spitze der Milizcompagnieen wurde der Volkshauptmann, Capitano del popolo, gestellt, und für denselben ein Burgpalast gebaut, der als Palazzo del Podestà noch heute in der Gestalt, welche das 14. Jahrhundert ihm gab und das 19. nach Wegräumung verunzierender Umänderungen in alter Würde und Schönheit wiederherstellte, als eines der ansehnlichsten mittelalterlichen Bauwerke dasteht, der Tradition gemäß von einem deutschen Architekten, welcher Arnolfo’s di Cambio (di Lapo) Lehrer gewesen sein soll. In die Wand des Grundgeschosses des Palastes ist eine nicht große Marmortafel mit einer Inschrift in sogenannten gothischen Lettern eingelassen, welche des Beginns des Baues im J. 1255, der damaligen „Weltherrscher“ und der städtischen Behörden, wie des glücklichen Zustandes der Gemeinde gedenkt. Die Inschrift, mehrfach gedruckt, aber wenig beachtet, beginnt:

Summus Alexander sanctus quem mundus adorat

Cum pastor mundi regnabat rexque Guilelmus