[65.] hec habe ich zugesetzt.
Wenn auch nicht fehlerfrei, zeigen doch diese Verse die gute humanistische Schule. Zur Vergleichung dienen die ganz mittelalterlichen leoninischen Hexameter desselben Inhalts, welche Konrad Stolle uns aufbewahrt hat, Bibl. d. Lit. Vereines XXXII, S. 56. Einzeln finden sich die letzteren auch in der Handschrift der Fürstl. Wallersteinischen Bibliothek zu Maihingen, Nr. 3, Cod. chart. s. XV., f. 78.
Berlin.
W. Wattenbach.
Der Sigmaringer Brettstein.
Die Betrachtung der Kunstwerke des Mittelalters hat noch lange nicht alles erklärt, was vielleicht sogar bequem zu erklären wäre, wenn man die Behelfe von den Schwestergebieten holte. Dies gilt insbesondere bezüglich des Inhaltes von Darstellungen aus profanem Gebiete. Jene aus dem kirchlichen Gebiete sind größtentheils aus der theologischen Literatur des Mittelalters erklärt worden. Wenn nun bezüglich mancher aus der Legende entnommenen Darstellungen Schwierigkeiten noch obwalten, insbesondere, wo solche Darstellungen, aus dem Cyklus herausgerissen, vereinzelt uns entgegentreten, so sind außerordentlich viele bekannte Kunstwerke noch nicht ihrem Inhalte nach festgestellt, der aus der poetischen Literatur des Mittelalters so leicht zu bestimmen wäre, daß der Erklärer fürchten müßte, den Literaturfreunden Allzubekanntes zu bieten, wenn nicht auch ihnen meist entgangen wäre, daß diese oder jene Stelle durch die Darstellung ganz bekannter Kunstwerke erläutert wird. Auch hier kann bezüglich einer einzelnen Scene kaum ein Zweifel entstehen, wo eine ganze Serie vorhanden ist, von der Bild auf Bild die verschiedenen Stellen eines Romanes erklärt; schwieriger aber wird die Sache, wo eine vereinzelte Darstellung übrig geblieben, zu der die ganze Serie fehlt, so daß es zweifelhaft ist, wo das Bild einzureihen sei.
In der Sammlung Hohenzollern-Sigmaringen befindet sich ein von J. H. von Hefner-Alteneck publiciertes (7. Lieferung, Taf. 38 D), merkwürdiges kleines Sculpturwerk, das aus stilistischen Gründen von dem genannten Herausgeber jener Sammlung dem 11. Jahrh. vindiciert wird. Es ist ein Brettstein von Hirschhorn, dessen Mitte ein feines Relief einnimmt. Dasselbe zeigt 4 Personen in einem Meerschiffe mit geschwelltem Segel. Während der den Mastbaum mit der Rechten erfassende kurzbartige Steuermann gereifteren Alters erscheint, trägt sein Gegenüber ganz jugendliche Züge, die auch den übrigen zwei Personen eigen sind. Das nach rückwärts des sich mit seiner Breitseite präsentierenden Schiffes vom Winde aufgeblasene Segel bildet die Rückwand oder den Hintergrund der Scene. Rechts und links vom Maste mit den herabhängenden Strick-Enden, zwischen dem Steuermann und der ihm gegenübersitzenden Gestalt, lassen von der Mitte des Schiffes aus zwei sich nach vorne überneigende Personen einen ornamentierten, länglichen Kasten oder Sarg ins Wasser hinab. Keine der Figuren führt eine Kopfbedeckung.
Bei der Erklärung der Scene denkt der bezügliche Text an einen Vorgang aus der Legende eines Heiligen oder an die Versenkung des Nibelungenschatzes. Ersteres war auch meine Ansicht, die aber durch keine alte Urkunde so unterstützt wurde, daß alle Züge des kleinen Bildwerkes dadurch klar geworden wären und für die Bestimmung des Ganzen irgend welche Anhaltspunkte geboten hätten. Im Conversatorium über mittelalterliche Kunst verhehlte ich dies den Theilnehmern keineswegs. Da gaben zwei der akademischen Zuhörer, die bei Prof. Dr. Konrad Hofmann dahier altfranzösische Literatur cultivierten, die HH. G. Baist aus Hessen und der nachherige Prof. Jolly zu Würzburg eine überraschende und, wie mir sowie Collega Dr. Hofmann dünkt, völlig richtige, genügende Deutung nach dem uralten Roman über den Apollonius von Tyrus, der ursprünglich in griechischer Sprache verfaßt war und in alle Vulgärsprachen des Abendlandes übergieng. Prof. Dr. Hofmann hat in den Sitzungsberichten der Münchner Akademie 1871, Heft 4 darüber gehandelt und die ganze Sage als eine orientalische nachgewiesen. Das davon Hiehergehörige ist Folgendes: