Fig. 7.
Fig. 8.
Wir haben auf Sp. 35 u. 36 die kunstlosen, schweren Formen gezeigt, in welchen die deutschen Gefäße des 16. u. 17. Jahrh. aus grünem Glase geblasen wurden, während gleichzeitig Venedig klar durchsichtiges Glas in Verbindung mit solchem jeder Färbung verwendete, in Schönheit und Eleganz der Form die höchste Stufe erreichte und eine Mannigfaltigkeit entwickelte, die geradezu erstaunlich ist, die immer von neuem zum Trinken einladen mußte, und die den Schenktischen ein solches echt künstlerisches Aussehen gab, daß selbst der Glanz der Edelmetalle mit Email, auf welche man sich früher in vornehmen Häusern beschränkt hatte, erreicht wurde. Als Beitrag zu dieser Mannigfaltigkeit der Form mögen die 5 in halber Originalgröße gezeichneten Gefäße angesehen werden, die hier in Fig. 1–5 abgebildet sind, und von denen die ersten vier in durchsichtigem Glase hergestellt, während die aufgeschmolzenen Rippen und der Fuß der Schale in Fig. 5 violett sind. Während die Schale Fig. 1 ohne Zweifel als Trinkgefäß in Nachahmung der antiken Trinkschalen hergestellt ist, Fig. 2 den Uebergang von der Trinkschale zum Kelche darstellt, Fig. 3. das Kelchglas, so dürfte vielleicht Fig. 4 als Früchteschale, somit als Tafelzierde zu betrachten sein, während Fig. 5 gewiß kein Trinkgefäß ist.
Als Tafelschmuck diente der Brunnen (Fig. 6), der als Trinkgefäß zu heiteren Scenen Veranlassung geben mußte, wenn er die oben eingeschlossene Flüssigkeit durch Röhrchen von einer Schale in die andere abwärts leitete, bis sie aus dem unteren Bassin durch eine lange Ausgußröhre in des Zechers Mund eingegossen werden konnte, wobei natürlich kein Tropfen vergossen werden durfte, während die Genossen nachfüllten und den Brunnen stets fließend erhielten. Er ist, wie das folgende Glas, in ⅓ der Originalgröße abgebildet. Die angehängten Verzierungen sind aus dunkelgrünem Glase.
Fig. 7 zeigt ein schlankes Kelchglas, aus dessen lichtblauer Cupa wol auch ehemals Schaumwein genossen wurde, während Fig. 8 wiederum, wol eigens für die biertrinkende nordische Welt gefertigt, den schroffsten Gegensatz zur Eleganz des vorstehenden Stückes zeigt.
Nürnberg.
A. Essenwein.