(Nordd. Allg. Zeitung, Nr. 161.)
42) Lauenburg, 12. Mai. Vor einigen Tagen fanden Arbeiter bei der Auswerfung eines Grabens auf dem hiesigen Schützenplatze in einer Tiefe von 3 Fuß in einer mit Kohlen vermischten Sandschicht eine 138 Gramm schwere Armspange von reinem Golde, welche dem königlichen Kreisgerichte zur weiteren Veranlassung übergeben worden ist. Der Goldwerth der Spange ist von hiesigen Sachverständigen auf 300–350 m. geschätzt, das Alter derselben auf 1000 Jahre.
(Nordd. Allg. Zeitung, Nr. 188.)
43) Bereits im Jahre 1869 veröffentlichte Herr Lehrer Frank im Groß-Gerauer Kreisblatt einen längeren Aufsatz über seine in Grabhügeln bei dem Riedhäuser Hofe (ca. ¾ Meilen südlich von Groß-Gerau) gemachten Funde aus der germanischen Vorzeit. Im Herbst 1877 erhielt ich die Nachricht von weiteren germanischen Funden, die bei der sog. Schindkaute bei Groß-Gerau gemacht worden seien. Diese kamen damals auch in meinen Besitz und befinden sich nun im hiesigen Großh. Museum. In der Gegend von Groß-Gerau werden gewiß jedes Jahr derartige Funde gemacht bei Gelegenheit der Feldarbeiten, und es ist nur zu bedauern, daß solche oft gar nicht gewürdigt werden. In jüngster Zeit verbreitete sich wieder die Kunde von gemachten Funden bei Berkach unweit Groß-Gerau. Auf dem Felde, genannt „Aesch“, westlich vom Wege, der von Dornberg nach Berkach führt, gleich am Ende der Parkmauer hatten die Landleute beim Oeffnen der sog. Kauten römische Alterthümer, wie eine Lampe, eine Thonfigur etc. gefunden. Seit langer Zeit fanden sich hier eine Menge von römischen Münzen, die großentheils nach Groß-Gerau wanderten und dort eine Sammlung von mehr als hundert Stücken, alle hier gefunden, hervorriefen. Vor mehreren Tagen besuchte ich selbst die Fundstelle und überzeugte mich, daß man es hier nicht im mindesten mit einer geringen Niederlassung zu thun habe. Auf einem Gebiete von mehreren Morgen liegen eine Masse von Scherben, theils von terra sigillata, theils von Thongefäßen herrührend. Oben auf der Ackerkrume las ich ein Stück Dachziegel auf mit dem Stempel der XXII. Legion. Mehrere Bodenstücke von Terra sigillata-Gefäßen mit den Töpferstempeln fanden sich hier ebenfalls. Bei einer geringen Untersuchung einer Kaute in etwa 1½ m. Tiefe stieß ich auf Reste römischer Mauerwerke aus Sandsteinquadern und Quarziten von gar nicht unbedeutenden Dimensionen. Ganze Stücke von Gipstünche kamen dabei zum Vorschein unter Asche und Kohlenschutt. Zwei Münzen, die eine von Trajan, die andere von Hadrian, beide hier gefunden, kamen auch in meinen Besitz, desgleichen ein messerartiges Werkzeug oder Waffenstück von Eisen.
Rob. Schäfer.
(Correspondenzblatt d. Gesammt-Vereins d. d. Gesch.- u. Alterth.-Vereine Nr. 3 u. 4, nach d. Darmstädt. Ztg.)
44) Friedberg, 23. März. Bald nach Bekanntwerden einer ziemlich ausgedehnten Römerstätte nordöstlich von Ober-Wöllstadt entdeckte Herr Oekonom G. Falck eine solche im Großgalgenfelde, eine auf der Wart, dann eine im Kleingalgenfelde, sämmtliche drei letztgenannten in der Gemarkung Friedberg. Nun geht der Entdecker über unsere Gemarkungsgrenze und entdeckt abermals eine solche beim Steinfahren in der Gemarkung Bad-Nauheim an der dortigen Gasfabrik, unweit der vor wenigen Jahren aufgefundenen Römerstätte, auf dem sog. Biëlerschloß bei Bad-Nauheim. Bei einer oberflächlichen Besichtigung fanden sich unter römischen Backsteinen drei Ziegelstücke mit dem Stempel der legio XI ohne Beinamen, um wiederum einen Beweis von der Anwesenheit dieser Legion in Obergermanien zu liefern, und ein Stück mit einem andern Stempelrest, wahrscheinlich der Vexillarier der legio XIV gemina, martia, victrix. Da sich auf dieser Stelle auch eine Masse Reste von Gefäßen, die offenbar nicht römischen Ursprungs, namentlich von großen Salzsiedegefäßen fanden, ist dieselbe gewiß untersuchungswerth.
(Daselbst.)
45) Am 20. Februar d. J. wurde in Mainz auf der neuen Wallstrasse am Cavalier Boyen, unweit der alten Römerstrasse, ein Steinsarg mit fünf Glasgefäßen gefunden. Die Gefäße von römischer Form wurden in das Museum gebracht. Dicht dabei fand sich noch ein zweiter Steinsarg. Beide Särge sind inschriftslos, in der bekannten geriefelten Art bearbeitet, der eine auch mit den so häufig wiederkehrenden Eckleisten im Innern versehen. Der Deckel des einen fehlt, der des anderen ist zerbrochen und nach den Seiten abgedacht. Die ganze Weite der Särge war mit Kalk ausgegossen, der die Leichen dicht umschloß. Beide Särge fanden sich nur etwa zwei Fuß unter dem inneren Banket der Strasse und sind von Nordwest gegen Südost gerichtet. Auf dem ganzen Höhenzug liegen viele alte Grabstätten.
(Dasselbe, Nr. 2.)