Die Stadt Plauen im Vogtlande, jetzt die fünftgrößte Stadt Sachsens, wird urkundlich zuerst im J. 1122 als „vicus Plawe“ erwähnt in dem vom Bischof Dietrich I. von Naumburg ausgestellten Stiftungsbriefe der St. Johanniskirche zu Plauen, welche von dem Grafen Adalbert von Everstein, damals Herr des pagus Dobna, in jenem Jahre erbaut worden ist.[213] Als „ciuitas Plawe“ läßt sich Plauen bis jetzt zuerst in einer Urkunde vom Palmsonntag 1276 nachweisen.[214] Schon 1224 wird aber „der Vögte Schloß“ zu Plauen aufgeführt,[215] und im J. 1232 (10. Mai) erscheint Henricus de Wida (Weida), des Kaisers Friedrich II. Feldhauptmann und Reichsvogt, — als „dominus de Plawe“; zu gleicher Zeit sein Sohn Heinrich (II?) als „advocatus de Plawe“.[216] Auf welche Weise die Herren von Weida in den Besitz Plauens unter der Lehenshoheit der Eversteine gelangt sind, ist noch nicht bekannt, ebensowenig genau das Jahr, bis zu welchem die Eversteine die lehnsherrlichen Rechte ausübten; (sicher noch bis 1278). Zu Anfang des 14. Jahrh. müssen die Vögte im völligen, freien Besitze der Stadt und Herrschaft Plauen gewesen sein; denn am 16. März 1327 trugen Heinrich der Aeltere (IV?, von Limmer „der Kluge“ genannt[217] und sein Sohn ihre Herrschaft Plauen mit allem Zubehör, namentlich den Vesten und Schlössern Liebau, Johannsgrün, Schöneck, Planschwitz, Stein, Tirbel und Gattendorf, dem Könige Johann von Böhmen freiwillig zu Lehen auf, um sich gegen die fühlbar werdende Uebermacht der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen besser zu schützen.[218] Der Sohn und Nachfolger König Johanns, Kaiser Karl IV., erklärte 1356 (Reichstag zu Metz) die Herrschaft Plauen für ein erbliches Lehen der Krone Böhmen,[219] und so verblieb Plauen unter dieser Lehenshoheit bis 1466. Im Laufe dieses Zeitraums entwickelte sich die Stadt in erfreulichster Weise. Von ganz besonderer Wichtigkeit für diese Entwickelung war das Privilegium, welches in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. der Stadt verliehen wurde, das Privilegium der völlig freien Gütervererbung und der Freizügigkeit ihrer Einwohner.[220] Nach Herm. Fiedler[221] soll schon 1368 von Vogt Heinrich V. ein solches Privilegium ertheilt worden sein; ich habe jedoch die urkundliche Unterlage für diese Aufstellung bis jetzt noch nicht finden können. Wohl aber enthält ein altes, Fiedlern unbekannt gebliebenes Stadtbuch der hiesigen Rathsbibliothek, welches am 23. Nov. 1388 im Auftrage des Bürgermeisters und der Rathsherren Plauens von „Fridericus Eybanger de Nurnberg Magister septem art. liberal. necnon Rector scolarium ac prothonotarius opidi plawe“ angelegt worden ist, u. a. auf seinem viertletzten Blatte eine Abschrift einer von Vogt Heinrich VI. (? dem „Unvergeßlichen“) ausgestellten „litera libertatum domini nostri de plawe data Ciuitati“ vom Montag vor Tiburtius und Valerianus (14. April), d. i. vom 13. April, 1388. Da dieselbe bis jetzt nirgends publiciert ist und nicht blos von localem Interesse sein dürfte, so erlaube ich mir, sie nachstehend zu allgemeiner Kenntniß zu bringen.
Wir Heinrich Voigt von plawe herre do selbens vnd alle vnsere erben bekennen vnd tun kunt offenlich an disem gegenwertigem brif vnd wollen daz ez wiszenlich sey allen den dy yn sehent horent oder lesen daz wir mit gutem willen vnd mit Rate vnsrer getrewen manne lyhen[222] vnd gelyhen haben czu rechtem erbe vnsern getrewen burgern gemeynclich der Stat zu plawe vnd allen yren nachkumlyngen vnd allen yren mitburgern vor der Stat vnd yn der Stat alle yre guͤte czu ersterben[223] vff dy nehsten frundt wer sich der nehste czu der sibpe gezihen[224] mag oder wem ers mit gutem willen bescheidet ez sey frawe oder man junchfrawe oder knecht der sich in dy sibpe gezuhet.[225] Auch ist mit namen[226] geredt worden ab[227] eyn man sturbe vnd sich eyn auzwendiger[228] man zu den guten czuge[229] der der nehste were der sibpe der schol dy gute vorvarn[230] vnd do von tun daz der selbe vorgestorben man von den guͤten getan hat.
Auch ist geteydinget vnd geredt[231] welch man von vns varn wolle der schol czu vns vrloube nemen vnd schol sich enbrechen[232] von vns vnd von den vnsern wy recht ist so schullen wir yn lazen varen vnbeschedigt. Noch mere ist geredt vnd wir sy [die Plauenser] auch do mit begnadet haben welch man her zu vns zuhet der schol dy vorgescriben recht haben dy vnser vorgenandten burger haben der do burger wirt vnd Stat recht tut.
Diser vorgescriben rede sint gezewge vnd teydinger[233] gewest dise erbarn lewte her jan Rabe, hentz Rabe, vlrich Sack, marquart von milen, friderich von jhesnitz, heinrich Rosennitz, jan Tenner, otto Roder, hans von Kospode, friderich von Kospode, Rudiger faseman vnd der junge Cunrad Roder. Auch dez gezewge vnder den burgern von ersten Cunrad von pirk zu der czeit burgermeister dornach heinrich Canis, Albrechte von Theymen Tuͤrpos (?), Nikel Augenlehtz, nikel meister nikel Gruͤner, Ott Toltz, heinrich Tewfel, heinrich fritzschen dy zu der czeit an dem Rat gewest seyn vnd daz wir dise vorbescribene rede vnvorbrochen stete vnd gantz halden wollen henge wir vnsere jnsigel an disen vnsern offen brife der ist gegeben nach gotes geburt Tausent jar dryhundert jar darnach in dem achten vnd achtzigstem jar an dem nechsten montag vor Sancti Tyburcij et valeriani tage der heiligen marterer.
Plauen i. V.
Joh. Müller
Fußnoten:
[213] C. P. Lepsius, Gesch. d. Bischöfe d. Hochstiftes Naumburg. I. Th. (1846), S. 238.
[214] Lobensteiner Intelligenzblatt v. 1792, S. 168. — In derselben Urkunde begegnen wir zum ersten Male einem „commendator domus teutonice in Plawe“, Namens Heinrich. Das Deutschordenshaus läßt sich schon 1238 in Plauen nachweisen.