Fig. 2.
Nachdem wir unsere Leser wiederholt in die Sammlung der Trinkgläser des Museums geführt, laden wir sie auch heute ein, uns dahin zu folgen, indem wir sie auf eine große Anzahl von Gläsern aufmerksam machen, welche in Deutschland, nachdem mit dem 17. Jahrh. auch dort die Kunst, kristallhelles Glas herzustellen, eingeführt war, gefertigt sind. Den Venetianer Gläsern in Einzelheiten nachgebildet, sind diese, meist dem 18. Jahrh. angehörigen Stücke, deren Heimath zu großem Theile in Böhmen zu suchen ist, sehr schwer und massig, so daß die Kunst des Schleifens zur Herstellung von Verzierungen angewendet werden konnte, welche schon im Mittelalter gebräuchlich war. Freilich schliff man die einzelnen Flächen nicht so tief ein, wie dies an den Bechern der heiligen Hedwig geschehen ist; man suchte vielmehr durch zarte und feine Ornamentik, die in großem Reichthum flach aufgeschliffen ist, in Verbindung mit Inschriften, für die man in Deutschland im 17. und 18. Jahrh. große Neigung hatte, zu wirken. Während der in Fig. 1 dargestellte Glaspokal dem Beginne des 18. Jahrh. angehört, ist der zweite erst im Schlusse des Jahrh. entstanden. Der vierseitige Fuß kann nicht anders als durch Blasen in eine Hohlform oder durch Guß hergestellt sein. Die Ornamentik ist für die Zeit Ludwigs XVI. besonders charakteristisch.
Nürnberg.
A. Essenwein.
Eine Holzschnitzerei, angeblich von Veit Stoss.
Herr Dr. R. Steche hat in der Beilage zu Nr. 5, Jahrg. 1879 dieser Blätter auf eine schöne Holzschnitzerei aufmerksam gemacht, welche er, in Folge der darauf befindlichen Inschrift, als ein Werk des berühmten Nürnberger Meisters Veit Stoß bezeichnet.
Da ich seit Jahren mit dem eingehenden Studium des Lebens und der Werke dieses Meisters beschäftigt bin, auch eine Monographie über ihn publiciert habe und Abbildungen aller mir zugänglichen Werke desselben eifrig sammle, interessierte mich die Mittheilung des Herrn Steche in hohem Grade. Ich fand Gelegenheit, diese Gruppe auf der Leipziger Gewerbeausstellung zu sehen und — Dank der liebenswürdigen Zuvorkommenheit des Herrn Jul. Zöllner — näher zu untersuchen.
Sogleich der erste Blick überzeugte mich, daß der Stil und die Arbeit dieser Gruppe mit den beglaubigten Werken des Veit Stoß keineswegs stimmt. Es fehlt vor allem jene einfache, großartige Behandlung der Gewänder, welche für den Meister so charakteristisch ist. Die Inschrift auf der Rückseite — was an sich schon sehr auffallend ist — ist ohne Zweifel gefälscht; die Schriftzüge derselben sind ganz verschieden von jenen des 16. Jhdts. und offenbar viel jünger, obgleich nicht ganz modern. Die Jahreszahl 1523 auf der Vorderseite dagegen dürfte echt sein. Mit dem Namen des Meisters bezeichnete Holzschnitzereien sind mir bis jetzt nicht vorgekommen, und diejenigen Reliefs, welche sein (aus Kupferstichen bekanntes) Monogramm tragen, sind sämmtlich höchst zweifelhaft.