(Numismat.-sphragist. Anz., Nr. 6.)

83) Der Wiener Alterthumsverein hat jüngst das Jubiläum seines 25 jährigen Bestehens durch einen Akt der Pietät gefeiert, gleichzeitig der Stadt Wien ein historisches Kunstdenkmal zurückgegeben, nämlich das Denkmal des Vertheidigers Wiens bei der ersten Türkenbelagerung (1529), Nicolaus Grafen von Salm, das ursprünglich in der Dorotheenkirche gestanden war, aber nach Aufhebung des Chorherrenstiftes durch Kaiser Josef II. sammt allen Einrichtungen der Kirche beseitigt und nur durch Zwischenkunft der Familie Salm gerettet wurde. Es ist eine Tumba, deren Seiten reich mit Sculpturen geschmückt sind, während auf dem Deckel die Figur des Helden vor dem Crucifixe knieend dargestellt ist. Dieser Deckel war seit Beginn dieses Jahrhunderts in der Salm’schen Schloßkirche zu Raitz aufgestellt, die übrigen Theile aber einfach aufbewahrt. Unter Zustimmung des Fürsten Salm hat nun der Alterthumsverein die Tumba in der Votivkirche zu Wien wieder aufgestellt.

83) Dresden, 11. Juli. (Dr. J.) Die neuerrichtete Abtheilung der Bildwerke des Mittelalters und der Renaissance im Königlichen Museum der Gipsabgüsse wird am nächsten Montag, den 14., eröffnet werden.

(D. Reichsanz. Nr. 161.)

84) Die hessische Landesgewerbeausstellung zu Offenbach bringt unter ihren Sehenswürdigkeiten auch eine nicht unbeträchtliche Reihe von Alterthümern, so daß die löbliche Sitte, derartige Ausstellungen stets auch den Freunden alter Kunst und Kultur interessant zu machen, nunmehr wohl als ganz allgemein angesehen werden kann, wodurch die Verbindung des heutigen Lebens und der heutigen kunstgewerbliche Thätigkeit mit der Vorzeit immer inniger wird.

85) Die Generalversammlung des historischen Vereines von Oberpfalz und Regensburg, welche am 16. d. M. abgehalten wurde, gab dem Vorsitzenden Veranlassung, bei Besprechung der Wirksamkeit und Thätigkeit des Vereins auf das wichtigste Vorkommniß, die Einrichtung der ehemaligen St. Ulrichskirche zu einem Museum, in ausführlicher Weise hinzudeuten. Wenn auch heute die Einrichtung dieses seit Jahrzehnten verlassenen, merkwürdigen Monumentalbaues für den jetzigen Zweck nicht beendet ist, so ist doch die Ordnung und Katalogisierung der bereits beträchtlichen Vereinsbibliothek sowie der Münzsammlung bereits weit vorgeschritten.

86) Das steiermärkische Landesarchiv macht bekannt, daß es in der Lage war, aus den zum Theile in großer Anzahl von Exemplaren vorhandenen, theils einfachen Dupletten gedruckter Patente, Ausschreibungen der Behörden und Circularen mehrere Sammlungen von historischem und kulturgeschichtlichem Interesse zusammenzustellen und zu verkaufen. Die erste solche Sammlung umfasst 3683 Blätter, darunter 90 aus dem 16. und 107 aus dem 17. Jhdt.; die zweite 2323, die dritte 1599, die vierte 1072 Blätter u. s. w. in absteigender Folge. Bestimmte Preisforderungen sind jedoch nicht gestellt, sondern es werden für jede Abtheilung getrennte Preisangebote bis zum 15. August angenommen, mit welchem Tage die Verhandlung geschlossen wird und der Zuschlag für jede Sammlung an jene erfolgt, welche das höchste Gebot gethan.


Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.