(D. Reichsanz., Nr. 148.)
79) In der Pfarrkirche zu Katzow bei Wolgast in Pommern, einem gothischen Backsteinbau aus dem Ende des 14. Jahrh., welcher augenblicklich nach den Plänen und unter der Leitung des Architekten Prüfer in Berlin ausgebaut und renoviert wird, sind jüngst unter vielfachen Tüncheschichten eine große Anzahl Wandmalereien aus dem 15. Jahrh. bloßgelegt worden. An der Ostseite, zur Rechten des Altars zeigten sich Scenen aus der Leidensgeschichte, darüber Christus am Kreuz mit Maria, zur Linken eine große Madonna mit dem Christkinde, an der Südseite die Bilder des hl. Laurentius und der hl. Katerina (sic!) mit den Namen derselben und dem Namen des Stifters der Bilder, Frisen, in gothischer Minuskel, darüber eine größere Figur, von der nur noch die, untere Hälfte erhalten ist, an der Westseite St. Georg, mit dem Drachen kämpfend. Die Malerei ist einfach, schlichthandwerksmäßig in Kalkfarben mit kräftiger, brauner Contourierung ausgeführt. Außerdem sind eine große Anzahl alter Weihekreuze an den Pfeilern bloßgelegt. Das ganze Innere war ursprünglich in Rohbau mit sauber aus Gips gezogenen Fugen gehalten und soll auch so wiederhergestellt werden.
P.
80) Schaffhausen. Ueber ein am 12. März in der St. Johanniskirche entdecktes Wandgemälde cf. „Allg. Schw. Ztg.“ Nr. 81. Mit zwei gegen eine Stimme hatte der kleine Stadtrath den Beschluß gefaßt, es sei dasselbe wieder übertünchen zu lassen. Die neuerdings erhobenen Vorstellungen jedoch und das Anerbieten des antiquarischen Vereins, die Erstellung eines beweglichen Verschlusses auf eigene Kosten zu übernehmen, scheinen den hohen Magistrat etwas toleranter stimmen zu wollen. Das figurenreiche Gemälde, die Kreuztragung Christi darstellend, befindet sich an der Westseite des äußersten, südlichen Seitenschiffes und ist ohne Zweifel bald nach dessen 1517 stattgehabter Erbauung verfertigt worden.
(Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 2.)
81) Ueber neu entdeckte Malereien in der Muttergotteskapelle bei St. Peter Wyl (St. Gallen) berichtet Hr. Prof. Rabe der „Allg. Schw. Ztg.“ unter Anderm:
Noch merkwürdiger und auch besser erhalten als die Bilder im Chor sind die Malereien in der westlich anstoßenden „Todtenkapelle“. Bis jetzt sind die östliche Schmalwand und ein Theil der nördlichen Langseite abgedeckt. Dort, an der Ostseite über der Chorthüre beginnend, nimmt eine figurenreiche Darstellung des jüngsten Gerichtes fast die ganze Breite der Mauer ein. Hoch in der Mitte erscheint in einer sternenförmigen Glorie der Heiland. Sein Thron ist ein Regenbogen, die Füße ruhen auf der Weltkugel. Ein purpurner Mantel läßt den Oberkörper unverhüllt: Kopf und Arme sind zerstört, weil hier die nachmals an Stelle einer flachen Holzdiele eingefügte Gipsdecke beginnt. Zur Rechten Christi kniet fürbittend die Madonna. Lange gelbe Haare fluthen über den Nacken herab. Ein weißer Mantel umhüllt in schönem Wurfe die Gestalt und läßt nur die knapp anliegenden Aermel frei. Gegenüber, wo jetzt noch Tünche haftet, wird man Johannes den Täufer finden. Eine gelbe, von weißen Wolken besäumte Glorie umgibt diese himmlischen Gestalten. Dann folgen tiefer die markigen, lebensvollen Figuren der Apostel mit ihren Attributen. In zwei sich zugewendeten Chören sind sie in doppelter Reihe übereinander geordnet, wobei die vorderen ganz, die hinteren Gestalten als Halbfiguren zum Vorschein kommen. In der Mitte zwischen diesen Chören sieht man zwei schwebende Engel, die Boten des Gerichtes, das sie mit ihren gekreuzten Posaunen verkünden. Weiße Wolken trennen die Apostel von dem grünen Erdenplane, wo in der Mitte von vorne bis in die Ferne die Todten aus den Gräbern steigen. Vorne hat sich die Scheidung vollzogen. In wildem Tumulte werden die Verdammten von Teufeln umfangen, gequält und von hinnen gerafft. Diese Hälfte, zur Rechten vom Beschauer, ist schlimm mitgenommen, sehr gut dagegen die Schaar der Berufenen erhalten. Es ist eine anmuthige, lebendig geschilderte Scene. Ein Kaiser, in dem man die Züge Maximilians I. zu erkennen glaubt, befindet sich unter den Seligen. Vor ihm steht ein Mann, mit der Schaube bekleidet, barhäuptig und in devoter Haltung. Die Rechte ans Herz gelegt, scheint er sich angelegentlich mit einem weißbärtigen Alten zu besprechen. Man möchte in diesem Letzteren, wenn er einen Nimbus trüge, den hl. Petrus vermuthen. Auch eine Nonne sieht man unter den Berufenen und weiter Frauen und Männer, unter diesen einen Ritter, eine prächtige, jugendliche Gestalt, mit dem Harnisch bewehrt und das Haupt mit einem Federbarett bedeckt. Der letzte der Schaar, ein bärtiger Mann, schaut angstvoll nach seinem teuflischen Verfolger zurück; aber ein Engel, der den Zug geleitet, wendet sich ebenfalls um und weist den Satan mit der Geberde des Segens hinweg. Es muß ein Meister von großem Talent gewesen sein, der diese Scene, um 1530 etwa, gemalt hat. Die nackten Theile weiß, braunrothe Contouren, Gelb für die Haare und einzelne Gewandstücke, dazu ein trübes, dunkles Roth und Grün, ein grünliches Graublau: das ist die Palette, die dem Maler zur Verfügung stand; aber daneben staunt man über die wahrhaft geniale Bravour, mit welcher der Meister nur so flüchtig diese Gestalten gezeichnet hat, wie über die Schönheit und die markige Kraft der einzelnen Erscheinungen. Eine aus dem Bilde herausblickende Frau ist von vollendeter Anmuth; in dem Kopfe des mit Petrus redenden Mannes glaubt man Holbeinischen Einfluß zu erkennen, und der jugendliche Ritter, der so angstvoll mit gerunzelter Stirn dem erlösenden Ziel entgegenschaut, ist ein wahrer Prachttypus von kraftstrotzender, stilvoller Renaissance-Erscheinung. Ebenso großartig, einfach breit, musterhaft im Charakter der Zeit entworfen, sind die nur mit wenigen Tönen in der Lokalfarbe schattierten Gewänder. Den Churer Todesbildern steht die Sorgfalt der Ausführung nach, den Wandgemälden in Stein ist dieses jüngste Gericht an geistreicher Kraft und Frische des Vortrags weit überlegen. Was muß das für eine Zeit gewesen sein, da der einfache Schilder dergleichen zu malen im Stande war! — Bis jetzt ist nur ein geringer Theil eines Bilderfrieses am östlichen Ende der Nordwand bloßgelegt, — eine wichtige Entdeckung jedoch; denn es ergibt sich, daß der ganze Fries einen Todtentanz enthält, von Versen begleitet, die unten in Minuskeln beigeschrieben sind. Die Reihe beginnt an der Ostwand mit der alten Frau, die der Tod, der in der Linken eine Schaufel hält, am Arme fasst. Dann folgen als Opfer ein nacktes Kind, ein Bauer, ein Bürger oder Edelmann, zuletzt ein Krückenmann. Auf grünem Plane heben sich diese schwarz gezeichneten und mit wenigen glatten Tönen bemalten Bilder von dem weißen Grunde ab. Der Tod, ein gelber, eingeschrumpfter Kadaver, eilt jeweilig tanzend mit seinen Opfern von dannen und bläst dazu auf einem seltsam geschwungenen Horn.
Fast noch merkwürdiger ist aber eine eigenthümliche Todesallegorie, die unter den fünf bis jetzt bloßgelegten Gruppen zum Vorschein kam. Ein solches Bild, roth umrahmt, zeigt oben hinter einer Mauer eine Schaar von Geharnischten und Landsknechten. In der Mitte ist die Fallbrücke heruntergelassen; ein Theil der Besatzung scheint einen Ausfall wagen zu wollen, während andere mit Hellebarte und Streithammer ihr Refugium vertheidigen — gegen Todtengerippe, halbverweste Kadaver, die mit hochgeschwungenen Dreschflegeln gegen die Mauer anstürmen, hinaufklettern und immer neuen Succurs bekommen von anderen Todesgestalten, welche diesseits des Zwingers ihren Gräbern entsteigen. Rechts zur Seite ist der Einblick in ein hohes Gelaß geöffnet, mit einem Butzenfenster in der Tiefe. Ganz vorne, wo ein einziges nacktes Figürchen (kein Gerippe) aus dem Grabe steigt, kniet anbetend, von der Schlachtscene abgewendet, die große Gestalt einer Frau oder eines geistlichen Herrn.
(D. Reichsanz., Nr. 164.)
82) Auf der Insel Gothland sind vor einiger Zeit zwei Funde gemacht worden, die wegen des historischen und metallischen Werthes, der Zierlichkeit und Gleichartigkeit der gefundenen Gegenstände besonders merkwürdig sind. Der eine Fund wurde in der Nähe von Hafdhem beim Fällen eines großen Baumes gemacht. Bei dem Wurzelstocke standen zwei Thongefäße, enthaltend silberne Schmucksachen und Münzen im Gewicht von ca. 11 Pfund. In dem einen Gefäß lag eine kleine, aus Baumrinde verfertigte, länglich runde und halb vermoderte Schachtel mit Deckel, gefüllt mit silbernen Münzen. Der übrige Theil des Fundes bestand aus zwei massiven, mit eingelegten Verzierungen versehenen Armringen, sieben Spiralarmringen, deren Spiralen mit zwei feinen Drähten umwunden sind, Fragmenten von ähnlichen Ringen, vier einfachen Spiralarmringen, Stücken von allerlei Zierrathen und einem kleinen Knäuel aufgewickelten, sehr feinen Silberdrahts. Von den gefundenen Münzen waren 247 kufische (arabische), einige oströmische Kaisermünzen, einige deutsche und angelsächsische und außerdem eine ganze Menge zerbrochener Münzen. Die Thongefäße und die Schachtel sind vollständig erhalten. Der zweite Fund wurde auf der entgegengesetzten Seite der Insel bei Ryssnäs beim Torfgraben gemacht und bestand aus vier Spiralarmringen, den obenerwähnten sehr ähnlich, und aus einer Menge theils ganzer, theils zerschnittener kufischer Münzen. Beide Funde dürften vom Reichsmuseum in Stockholm erworben werden.