74) Deutz, 9. Juli. Die „Cöln. Ztg.“ schreibt: „Diejenigen, welche sich für die Erforschung römischer Baureste am Rhein interessieren, werden mit Freuden vernehmen, daß der Kriegsminister bereitwillig die Mittel zur Verfügung gestellt hat, die hier aufgedeckten Ueberreste römischen Mauerwerks vom Schutt zu befreien. Ueber das Ergebniß dieser Nachgrabungen werden wir zu seiner Zeit Weiteres berichten.“
(D. Reichsanz., Nr. 161.)
75) In einem Landgute bei Corsier (unweit Genf) wurde das Skelett eines gallo-römischen Kriegers nebst Schwert und Speer gefunden. Schon früher sollen ähnliche Entdeckungen in dortiger Gegend gemacht worden sein.
(Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 2.)
76) Zürich. In der „Kurzägeln“ bei Seew, einer reichen Fundgrube römischer Alterthümer, stießen diesen Winter Arbeiter beim „Ausreuten“ eines Stückes Land auf Mauerreste und förderten einige römischen Münzen aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr., ein Hirsch- und ein Rehhorn, eine Lanzenspitze, eine kleine Glocke, Glas, Metall, Mauleselhufeisen und ein Ziegelstück mit dem Zeichen der XXI. Legion zu Tage. Bei Arbeiten auf der Ebene, in der Nähe des Steinbruchs, wurde ein Ziegelstück mit dem Legionszeichen LXXIS., eine schöne Topfscherbe und ein Ackerstein mit einem Loche gefunden. Da die Landleute rings herum beim Pflügen noch auf Mauern stoßen, so muß die Ortschaft ziemlich groß gewesen sein. Das Hauptgebäude stand aber jedenfalls auf dem Hügel und war stark befestigt, dafür sprechen die dicken Umfassungsmauern. Wenn vielleicht später die Anhöhe zum Ackerbau urbar gemacht wird, so mag noch manches interessante Fundstück zu Tage gefördert werden.
(Daselbst.)
77) Mehrere Arbeiter aus Schönhagen, Amts Uslar, haben Ende April in der Nähe der alten Wüstung Winnefeld, wo man früher im Walde und beim Chausseebau eine Urne und einen heidnischen Grabhügel ausgegraben hat, beim Pflanzen junger Eichenstämme gegen 120 römische Münzen gefunden, welche man wegen ihres schweren Gewichtes für Goldmünzen hält.
(Numismat.-sphrag. Anz., Nr. 6.)
78) Asperg (Schwaben). Das sogenannte kleine Aspergle, in der Nähe des hiesigen Stadtwaldes Osterholz, läßt Hr. Prof. Dr. Fraas gegenwärtig ausgraben. Auf der Seite, nicht weit vom Eingange des Schachtes entfernt, wurde ein Einzelgrab, Todtengebeine, einen Kessel, einen vergoldeten Teller, einen Goldstab, eine Vase etc. enthaltend, gefunden, und jetzt, wo man mehr gegen die Mitte des Hügels kommt, zeigen sich Spuren eines weiteren Grabes. Die bisher gefundenen Gegenstände sollen ein Alter von über 2000 Jahren haben.