Vermischte Nachrichten.
69) Aus Mähren wird der „Allg. Ztg.“ über neue Höhlenfunde unter dem 1. Juli geschrieben: Seit mehreren Monaten werden auf dem Berge Kotoutsch bei Stramberg Ausgrabungen vorgenommen, bei welchen interessante und für die Wissenschaft höchst bedeutende Resultate erzielt wurden; dieselben werden vom Hrn. Realschullehrer Karl J. Maschka in Neutitschein in systematischer, allen Aufforderungen der Wissenschaft entsprechender Weise durchgeführt. Namentlich sind es die beiden Höhlen Schipka und Tschertowa Dira (auch Zwergenhöhle genannt), welche die Aufmerksamkeit des Forschers auf sich lenkten und thatsächlich vollste Beachtung verdienen, indem es schon jetzt durch die bei den Ausgrabungen zu Tage gebrachten Objekte und durch die Verhältnisse, unter welchen diese gefunden wurden, erwiesen ist, daß beide Höhlen von Menschen in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt waren, und zwar die erste, deren Decke zum Theil eingestürzt ist, in der ältsten Steinzeit (in der paläolithischen Zeit), die andere in einer späteren Zeit, als der Mensch schon einige Kenntniß der Metalle besaß. Es ist ferner evident, daß der Mensch dort gleichzeitig mit dem Mammuth und Höhlenbär gelebt hat, indem beispielsweise verbrannte und bearbeitete Knochen noch 1 m. unter den Resten dieser Thiere sich vorfanden. Die Funde in der Schipkahöhle bestehen aus Tausenden von Knochen vorsintfluthlicher Thiere, als Mammuth, Rhinoceros, Höhlenbär, Pferd, Urstier, Hirsch, Rennthier u. s. w., Tausenden von losen Zähnen dieser Thiere, Geweihen, zahlreichen schön erhaltenen Stein- und Knochenwerkzeugen, welche Gegenstände bis 3 m unter der Oberfläche gefunden wurden. Außerdem wurden in der obersten Schichte sieben Bronzegegenstände gefunden, und zwar ein Hohlbeil (Celt) fünf concentrische Ringe und ein Ring mit einem rechtwinkeligen Kreuze (Rad mit 4 Speichen). In der Tschertowa Dira wurden gefunden: Knochen von Höhlenbär, Rennthier, Edelhirsch, Rind u. s. w., zahlreiche, auch bearbeitete Geweihstücke, viele sehr gut erhaltene Beingeräthe und Werkzeuge, als durchbohrte Nadeln, Pfriemen, drei- und vierkantige Pfeilspitzen, rohe und nicht polierte Steinwerkzeuge von Feuerstein, Jaspis und Chalcedon, Fragmente von den verschiedenartigsten Thongefäßen, mit und ohne Graphitüberzug, aus freier Hand ohne Benützung der Töpferscheibe verfertigt und mit charakteristischen Ornamenten versehen, sowie auch dreikantige Bronzepfeilspitzen mit einem Giftloch, durchbohrte Zähne, Muscheln, Schleifsteine, Spinnwirtel u. s. w. Auf dem Scheitel des Berges oberhalb dieser Höhle ist man auf ausgedehnte Brandstätten gestoßen, und es fanden sich unmittelbar unter dem Rasen nebst zahllosen Thonscherben auch Scherben von Graphitgefäßen, Steinwerkzeuge, darunter ein 117 mm langes Messer und eine durchbohrte polierte Kugel, ferner verschiedene Bronze- und Eisengegenstände. Da in Oesterreich Höhlenfunde dieser Art überhaupt noch nicht, ausgenommen theilweise in der Vypustekhöhle, und im übrigen Mitteleuropa nur selten gemacht worden, so ist es erklärlich, dass diese Ausgrabungen des regste Interesse der Anthropologen geweckt haben, und es wäre nur zu wünschen, daß dieselben in gleicher Weise zu Ende geführt würden; denn es ist zu erwarten, daß noch neue interessante Gegenstände aus ihrer tausendjährigen Verborgenheit ans Tageslicht gebracht werden. Durch diese Funde wird der Ring der Entdeckungen über die menschlichen Ureinwohner in Centraleuropa bedeutend erweitert, indem die letzten Glieder des Ringes im südwestlichen Deutschland von dieser neuen Station ziemlich weit entfernt sind.
(D. Reichsanz., Nr. 158.)
70) Das 2. Heft des 5. Bandes der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. z. Erf. u. Erh. der Kunst- und histor. Denkmale bringt eingehende Berichte über prähistorische Funde aus Böhmen, welche theils noch im vergangenen Jahre gemacht wurden, auf welche wir im Interesse möglichster Vollständigkeit unserer Fundchronik an dieser Stelle wenigstens hinweisen müssen, so über Heidengräber im Walde Brejchovina bei Hánov, ein Steinhammer aus Dobrě, eine Goldmünze des Kaisers Tiberius, gefunden bei Dobronic, nächst Bechyň an der Lužnice.
71) Oldenburg, 24. Juni. Bei Wildeshausen wurde in einem Hügelgrabe eine sogenannte Fensterurne (s. „Archiv für Anthropologie“, Korrespondenzblatt Nr. 3 und 6) gefunden. Sie ist von eleganter Form, fein geglättet, nur 10 cm. hoch, von hellgrauem, sehr feinem Thon. Auf der Ausbauchung befinden sich drei runde Löcher von etwa 2 cm. Durchmesser; in diese sind grüne Stücke Glas in den noch feuchten Thon eingesetzt. Ebenso ist in den Fuß ein Stück Glas eingelassen. In der Urne stand eine Vase von fast gleicher Höhe und demselben Material. Der Inhalt bestand in Knochen und Kohle. Bis dahin sind, sowie bekannt, erst sechs dergleichen gefunden, die siebente würde die erwähnte sein, keine unter ihnen zeigt aber eine so regelmäßige Vertheilung des Glases, und meistens haben sie nur im Fuße ein Stück Glas. Sollten sich in anderen öffentlichen oder privaten Sammlungen Deutschlands oder des Auslandes Urnen mit eingesetztem Glase befinden, so würde eine Nachricht dem Oldenburgischen Landesverein für Alterthumskunde sehr willkommen sein.
(D. Reichsanz., Nr. 153.)
72) Neuenburg. Dem „Vignoble“ zufolge hat Herr A. Borel von Bevaix letzte Woche in der Pfahlbaustation bei Châtelard einen sehr schönen Einbaum aufgefunden. Das neue Fundstück ist wohl das bemerkenswertheste bis jetzt aufgefundene Exemplar. Der Kahn besteht aus einem einzigen Stück Eichenholz, mißt 8 m. in die Länge, 90 cm. in die Breite und 65 cm. in die Höhe und ist vollkommen erhalten. In dem ausgehöhlten Raume mochten circa 12 Personen Platz finden. Die in geringer Entfernung von einander abstehenden Einschnitte für die Ruderbänke sind noch sichtbar, dagegen findet sich keine Spur von Ruderhaltern. Interessant ist der Umstand, daß das Vordertheil eine leicht gebogene Verlängerung zeigt, bestimmt, das Fahrzeug am Ufer zu befestigen, während das Hintertheil in eine schnabelförmige Spitze ausläuft.
(Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 2.)
73) Die römischen Niederlassungen auf dem Zollfelde (Virunum) und am Helenen- oder Magdalenenberge bilden noch immer reiche Fundstätten. Auf dem Zollfelde wurde jüngst ein besonders schöner Thürschloßbeschlag gefunden, der aus Schloßblech, Schlüssel und Thürgriff besteht; am Hohenberge 8 Inschriftsteine.