Die Bauarbeiten am Kölner Dome, seit dem Jahre 1877 auf die Ausführung der beiden Steinhelme der Thürme und die Restauration des im Mittelalter erbauten Theiles des südlichen Thurmes beschränkt, haben bei ausreichenden Arbeitskräften und bei andauernd günstigen Ergebnissen der Dombau-Prämienkollekten am Schlusse des Jahres 1878 den im Betriebsplane vorgesehenen Abschluß erreicht.
Die Steinhelme beider Thürme, bis zur Höhe von 32,050 m. über das Deckgesims der Octogone versetzt, sind im Laufe des Monats Mai 1879 bis zur Hälfte ihrer Gesammthöhe aufgebaut und darf deren Vollendung im Laufe des Jahres 1880 nunmehr bestimmt in Aussicht genommen werden, da der kubische Inhalt der zu bearbeitenden und zu versetzenden Hausteine mit der zunehmenden Höhe der Helmpyramiden stetig abnimmt. Nach Vollendung der zwischen den Horizontalgurten eingefügten Maßwerke der Helmrosetten verbleibt als Hauptarbeit für die Verzierungsarbeiter in den Werkhütten die Ausführung von 192 Kantenblättern der Helmgräte und die Bearbeitung der 8 m. hohen, die Helme krönenden Kreuzblumen, während von den Profilarbeiten nunmehr noch 368 laufende Meter der Helmgräte fertig zu stellen sind.
Nachdem im Winter 1877/78 der Sockel am Fuße des südlichen Thurmes erneut und die Konstruktion des 50 m. hohen Baugerüstes an der West- und Südseite des südlichen Thurmes im Frühjahre 1878 vollendet war, begannen die Restaurationsarbeiten daselbst in der Höhe des 2. Stockwerkes mit dem Aushauen der durch die Witterungseinflüsse vollständig zerstörten Fialen, Gesimse und Maßwerke. Wenngleich der hohe Grad der Verwitterung des im Mittelalter zu den Dombauten ausschließlich verwendeten Drachenfelser Gesteins, namentlich an der Westseite des südlichen Thurmes, durch den Augenschein erkennbar war, so fand sich nach Errichtung der Gerüste und bei der genauen Untersuchung des baulichen Zustandes eine so ausgedehnte und gleichmäßige Verwitterung der gesammten Ornamentik, daß von einer theilweisen Erhaltung derselben Abstand genommen werden mußte, und sich die Nothwendigkeit ergab, sowohl die frei abgelösten Fialen, Wimberge und Kreuzblumen, Fenstermaßwerke und Fensterrippen, wie auch die dem Mauerwerk der Thurmpfeiler angearbeiteten Gesimse, Maßwerke, Profilstäbe und Krönchen sämmtlich auszuhauen resp. abzunehmen und in dem jeder Verwitterung widerstehenden, sehr harten Obernkirchener Stein zu erneuern.
So zeitraubend und kostspielig die Restaurationsarbeiten am südlichen Domthurme durch diese allseitige Verwitterung der Ornamentik auch geworden sind, so wenig ist die Standfähigkeit der Thurmpfeiler selbst hiervon berührt, da die glatten Blendquadern den atmosphärischen Einflüssen während dreier Jahrhunderte einen ungleich besseren Widerstand geleistet haben, und die ca. 2 cm. betragende Abarbeitung der Köpfe der Blendquadern bis auf den völlig gesunden Stein, bei einer Dicke der Umfassungswände der Thürme daselbst von ca. 4 m. für die Stabilität des Thurmmauerwerks ohne jede Bedeutung ist.
Zu Anfang Mai 1879 hat nach Errichtung der Lehrgerüste die Einwölbung der Thurmhalle im Erdgeschosse des südlichen Thurmes mit der Konstruktion des für den Durchzug der Glocken bestimmten Kreuzgewölbes begonnen, das bei einer Grundfläche von 7 m im Quadrat um einen Schlußstein von 3,60 m lichter Weite gewölbt ist.
Nachdem die Einwölbung dieser Thurmhalle beendet und der Fußboden darüber auf den Entlastungsgewölben verlegt sein wird, kann die Aufstellung der neuen, in der Mannhardtschen Fabrik zu München gefertigten Thurmuhr im 1. Stockwerke des südlichen Thurmes erfolgen.
Die neue Domuhr schlägt Stunden und Viertelstunden sowohl an den großen im Glockenstuhle aufgehängten alten Uhrglocken, wie auch gleichzeitig an den kleineren, im Innern der Kirche befindlichen Glocken, und gibt auf zwei in der Vorhalle und in der Kirche angebrachten großen Zifferblättern die Zeit an.
Der plastische Schmuck der Domkirche hat im Laufe des Jahres 1878 durch Aufstellung der großen Figuren nebst Baldachinen und Konsolen in der Vorhalle zwischen den Westthürmen einen neuen Zuwachs erhalten; auch sind die Reliefs, wie die kleinen sitzenden Heiligenfiguren in den Bogenlaibungen der Seiteneingänge im Nordportal in den Bildhauer-Ateliers so weit fertig gestellt, daß deren Einfügung im Laufe dieses Sommers erfolgen kann.
Die im Mittelalter unausgeführt gebliebenen 48 Schlußfialen zur Bekrönung der Baldachine über den großen Figuren an den Säulen des Mittelschiffes im Lang- und Querschiffe konnten gleichfalls in Angriff genommen werden, und es hat die Aufstellung dieser aus französischem Kalkstein gearbeiteten zierlichen Fialen seit Anfang Mai d. J. begonnen.