Zeitschrift des Architekten- und Ingenieur-Vereins zu Hannover. Herausgeg. von dem Vorstande des Vereins. Redigirt von Keck.... Band XXV, Heft 2. (Jahrgang 1879.) Hannover, 1879. 2.
Literatur.
Neu erschienene Werke.
14) Carmina burana selecta. Ausgewählte lateinische Studenten-, Trink- und Liebeslieder des 12. u. 13. Jahrh. aus dem Codex buranus mit neudeutschen Uebertragungen, geschichtlicher Einleitung, Anmerkungen und Beigaben. Von Adolf Pernwerth von Bärnstein. Würzburg, Verlag der J. Staudinger’schen Buchhandlung. 1879. 8. XXX u. 177 Stn.
Die lebensfrischen, bald ernsten, bald leichtfertigen, zuweilen von hohem dichterischen Schwunge getragenen Rhythmen der mittelalterlichen Vaganten oder fahrenden Schüler haben sich einer wachsenden Beachtung und Werthschätzung erfreut, seitdem J. Grimm energisch auf ihre Bedeutung hinwies und die Blüthe von allen, die Lieder des Archipoeta, neu herausgab. In neuester Zeit sind mehrere Sammlungen erschienen, welche vorwiegend die heitere Seite hervorkehren und vorzüglich aus dem reichen Born der Benedictbeuerer Handschrift schöpfen. Auch die vorliegende Sammlung ist aus ihr entnommen und bietet uns zugleich einen recht gelungenen Versuch, durch eine freie und fließende Uebersetzung die Lieder auch in solche Kreise einzuführen, welchen sie bisher unzugänglich waren. Wir können dem Verfasser, welcher mit großer Liebe zur Sache sich seiner Aufgabe gewidmet hat, nur dankbar dafür sein. Vorausgeschickt hat er eine Darstellung dieser Dichtart und der Kreise, aus welchen sie hervorgieng. Dafür, daß die Vaganten „an belebten Kreuzstraßen splitternackt“ gepredigt hätten (S. 22.), möchten wir uns aber doch einen Beweis ausbitten und ferner uns verwahren gegen die Verwendung des Wortes bursa=Bursch. Als Collectivbezeichnung kommt es allerdings vor, aber doch wol nie für einen einzelnen bursarius. Uebrigens können wir das hübsch ausgestattete Büchlein nur bestens empfehlen.
Vermischte Nachrichten.
102) Herr Morel Fatio, welcher Untersuchungen auf Pfahlbauten im Genfer See anstellt, hat ein uraltes großes Boot gefunden, welches bis auf kleine Schäden am hinteren Ende wohlerhalten ist. Dieser „Einbaum“ aus einem großen Tannenstamm ist 32 Fuß lang und 2¾ Fuß weit. Das Vordertheil ist mit Schnitzwerk verziert. Diese Reliquie aus vorhistorischer Zeit kommt in das Museum von Luzern.