1) Die graphischen Künste. Redigirt von Dr. Oskar Berggruen. Jahrg. I. Hft. I. II. Gesellschaft für vervielfältigende Kunst. Wien, 1879. 2.

2) Oesterreichische Kunst-Chronik. Herausgeber und Redacteur: Dr. Heinrich Kábdebo. I. Jahrgang. Wien, 1878/79. 4.

Der Schluß des Jahres brachte als Resultat der eifrigen Kunstbewegung in Wien zwei Zeitschriften, welche neben der Beschäftigung mit der lebenden Kunst auch der Forschung auf dem Gebiete der Kunstgeschichte gewidmet sind. Die erstgenannte, von welcher zwei glänzend ausgestattete Hefte vorliegen, das Organ der so anregend wirkenden und thätigen Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, in zwei Ausgaben erscheinend, zeigt sich schon äußerlich als eine überaus vornehme Erscheinung, wie wir sie bei deutschen Zeitschriften bis jetzt nicht gewohnt sind; hat ja doch die Gesellschaft vor Allem die Absicht, die vervielfältigenden Künste unserer Zeit zu fördern! Ihr Inhalt von Stichen und Radierungen darf deshalb auch nicht blos als Ausstattungsapparat betrachtet werden. Es sind selbständige Kunstwerke, die die Gesellschaft auf diese Weise zu Tage fördert. So sehr die Gediegenheit dazu reizen würde, auf dieselben auch hier näher einzugehen, müssen wir doch, wenn auch mit Bedauern, hier davon absehen, weil diese Betrachtung uns aus dem Rahmen der Aufgabe unseres nicht den Leistungen der Gegenwart, sondern dem Studium der Vergangenheit gewidmeten Blattes herausführen würde. Auch der literarische Theil, soweit er der Würdigung der heutigen Kunst dient, liegt außerhalb des Kreises dieses Blattes, um so näher aber der kunsthistorische, der sich durch Gediegenheit der Arbeit auszeichnet, so daß wir das Blatt in Bezug auf Form, wie auf Inhalt freudig begrüßen. Die vorliegenden Hefte bringen an selbständigen Aufsätzen eine Arbeit von O. Berggruen über M. v. Schwindt und von W. Bode über Adriaan van Ostade als Zeichner und Maler. Vierteljährlich soll eine Nummer der Zeitschrift ausgegeben werden.

Die zweite genannte Zeitschrift wird dagegen monatlich zweimal erscheinen. Die drei uns jetzt vorliegenden Nummern bieten auf je 16 Seiten in Quart bei gedrängtem Satze eine große Fülle von Material in einfacher, aber doch würdiger Ausstattung. Die Illustration tritt zurück; dagegen bringt jede Nummer neben der sehr ausführlich behandelten Chronik der modernen Kunst, neben Besprechung von neuen Erscheinungen der kunst- und kulturgeschichtlichen Literatur gediegene Aufsätze aus dem Gebiete der österreichischen Kunstgeschichte, von denen uns besonders der Eröffnungsaufsatz der Zeitschrift: „das älteste Wiener Kunstblatt vom Jahre 1727“ interessierte, welchem sich ein solcher über den Maler Franz Christoph Jannek, einen seiner Zeit berühmten Künstler, der 1703 in Graz geboren war, anschließt. Wir können neben diesen gediegenen Aufsätzen an dem neuen Blatte noch besonders die praktische Einrichtung der Anordnung in den kleinen chronikalischen Notizen rühmen.

3) Kunstschmiedearbeiten. Aufnahmen aus verschiedenen Stylepochen, mit besonderer Berücksichtigung der Zeit deutscher Renaissance, und eigene Entwürfe von Fr. Otto Schulze, Architect in München. Leipzig, Carl Scholtze. 1877 u. 1878. 4. 8 Stn., 40 Tafeln u. 4 Beilagebogen.

Die Kunst des Eisenschmiedens stand schon an der Wiege der deutschen Kultur, und jene herrlichen, mit Gold und Silber eingelegten Arbeiten aus Eisen, welche heutzutage, aus den germanischen Gräbern gefördert, ihre Auferstehung feiern, zeigen, daß die Meister der Vorzeit mit Material und Technik vertraut waren und zur Entfaltung künstlerischer Formen durch dieselben geradezu gereizt wurden. Die mittelalterliche Kunst hat in anderer Weise das Eisen zu kunstvollen Schmiedearbeiten verwendet, und die ihm folgende Periode bis zum Schlusse des 18. Jahrh. war, unter Wechsel des Formenkreises, aber unter Festhaltung der soliden Technik, der vorhergehenden Zeitperiode treu geblieben. Erst mit dem Schlusse des 18. Jhdts. verdrängte das Gußeisen die Schmiedekunst. Der eigenthümliche Zauber jedoch des geschmiedeten Eisens war es, der beim Wiederaufblühen des Kunsthandwerkes in unserer Zeit auch für die Schmiedekunst eine Zeit der Auferstehung mit sich brachte. In der Literatur spiegelte sich das Verhältniß, und glänzende Prachtwerke von Hefner-Alteneck und von Raschdorf führten die Schönheiten der Werke unserer Väter auf dem Gebiete der Schmiedekunst sowohl den Kunstfreunden, als unsern Gewerbsmeistern vor, und die Fachzeitschriften füllten sich mit Aufnahmen alter Schmiedewerke. Eine Kunst jedoch, die so tief im Wesen des Volkes wurzelte, hat kleine und große Denkmäler in ungezählter Menge hinterlassen und noch steht eine große Zahl derselben theils ungekannt in verborgenen Winkeln, theils bekannt, aber unveröffentlicht auf den Straßen unserer Städte und in den Kirchen, jenen Schatzkammern und unerschöpflichen Fundgruben für das Studium der Vorzeit. Aus diesen reichen Quellen hat der Verfasser geschöpft und vorzugsweise Werke des 17. Jahrh. in seine Sammlung aufgenommen, da nicht blos jene Periode seither weniger beachtet war, sondern auch gerade bei der heute fast ausschließlich in den Neuschöpfungen unserer Zeit herrschenden Hinneigung zu den Formen des deutschen Barockstiles den Künstlern und Handwerkern Vorbilder willkommen sein mußten. Neben wenigen eignen Entwürfen ist eine große Reihe alter Schlüsselbleche, Thürgriffe und Bänder und vor allem von solch reichen Oberlichtfüllungen und Gittern wiedergegeben, unter den letzten besonders jene, welche Zierden der Kirchen von Augsburg und des Münsters zu Konstanz sind, so daß das Buch eine Fundgrube nicht blos für den Künstler, sondern vorzugsweise auch für den Kunsthistoriker bietet. A. E.


Vermischte Nachrichten.

1) Das jüngste Heft der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K.- u. hist. Denkm. berichtet von einer Anzahl neuer Fundstellen prähistor. Alterthümer in Böhmen und den dort gemachten Funden. Es werden genannt das Dorf Jesenic (zwischen Neustadt a. d. Mettau und Böhm. Skalic), Nahořan (westlich von Neustadt a. d. M.), der Wenzelsberg, Trautenau, Hoch Oujezd (bei Hohenbruck), Bolehošts (bei Opořno) und Křivic.

2) Beim Ausschachten eines einige hundert Meter nördlich von Leimbach gelegenen Kieshügels fand man, wie das Salzunger Tageblatt mittheilt, ungefähr 0,5 m. unter der Oberfläche eine 10–15 m. lange, 0,5–0,6 m. breite und eben so tiefe Ader aus Asche, welche in mehrere Aeste sich verzweigte. In derselben standen Urnen, mit Asche und Knochen gefüllt, in einer Linie, 1,8–2 m. von einander entfernt. Sie haben am Boden einen Durchmesser von 12–16 cm., ihre Höhe betrug 25–30 cm. Dieselben sind von schwarzgrauem Thone und 0,5–1,5 cm. stark. In jeder Urne fanden sich einige, von Rost sehr angegriffene Eisenstückchen. Das größte ist 1 dcm. lang, gabelförmig und hat das Aussehen einer kleinen Zange. Ferner sind 3 eiserne Ringe, jeder etwas größer als ein Fingerring, gefunden worden. Auch ein hohles, 4 cm. langes, kegelförmiges Eisen, sowie einige kleinere Eisenstückchen fanden sich vor. Nach dem Urtheile sachverständiger Personen sind es Fibulae. Sie sehen in der That unseren jetzigen Versicherungsnadeln sehr ähnlich. Unter den Eisenstückchen ist besonders eines von großem Interesse. Am Ende eines 36 cm. langen, 5–12 cm. dicken, bogenförmigen Eisens sitzt ein aus Bronze gebildeter Vogel, eine schwimmende Ente darstellend. Vielleicht ist dieses Eisen ein Bruchtheil eines Helmes. Da die Funde der Eisenperiode angehören, so stammen sie wahrscheinlich aus den ersten Jahrhunderten nach Chr. Geb. Die aufgefundenen Sachen sind bereits dem alterthumsforschenden Vereine zu Meiningen, der hoffentlich weitere Nachforschungen anstellt, eingeliefert.