3) Auch in dem Jahre 1878 wurden die Ausgrabungen auf dem Burgfelde bei Deutsch-Altenburg unter Leitung des Prof. A. Hanser fortgesetzt, wozu nach einer Angabe der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K.- u. hist. Denkm. der Unterrichtsminister 3000 fl. für das genannte Jahr bewilligt hatte.
4) Im Anschlusse an die kurze Nachricht Nr. 146 in Nr. 12 d. v. Jahrg. d. Bl. wird hier die Mittheilung von Interesse sein, daß in den letzten Tagen des November 1878 in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Gersheim, auf einem Berghügel Ausgrabungen eines Reihengräberfeldes vorgenommen wurden, welche zur rheinischen Archäologie manches Bemerkenswerthe beitragen dürften. Schon vor einigen Jahren wurden beim Bau der Strasse nach Walsheim an derselben Stelle einige Reihengräber aufgeschlossen, welche verschiedene Waffen, Münzen, Gefäße etc. enthielten, die im historischen Museum in Speyer ihren Platz gefunden haben. Im Laufe des heurigen Sommers nun wurden durch die beim Bahnbau hier beschäftigten Ingenieure weitere Nachgrabungen vorgenommen, welche in der südlichen Fortsetzung obiger Fundorte drei weitere, anscheinend weibliche Skelette zu Tage brachten, bei denen sich Glas- und Thonperlen der verschiedensten Farben, sowie einige Münzen und Schmuckgegenstände vorfanden. Zur Zeit werden die Ausgrabungen in der nördlichen Fortsetzung der Gräberreihe bethätigt, wobei bis jetzt vier männliche und ein weibliches Skelett, sowie ein weiteres Menschengerippe zu Tage gefördert wurden, welch letzteres mit auf dem Rücken zusammengelegten Armen und gekreuzten Füßen, mit dem Rücken nach oben, im Grabe lag, so daß hier offenbar angenommen werden kann, daß dasselbe in derart gebundenem Zustande beerdigt wurde. Während bei den ersteren Gerippen Waffen der verschiedensten Art, Pfeil- und Lanzenspitzen, Reste von Thongefäßen und eines Harnisches, Kämme, Gürtelbeschläge, Perlen, Wildschweinhauer etc. vorgefunden wurden, war bei letzterem gar nichts zu finden. Auch lagen erstere und ebenso die früher vorgefundenen Skelette derart im Grabe, daß dieselben genau nach Osten schauten, während letzteres ausnahmsweise mit dem Gesicht nach Westen, also in verkehrter Richtung lag. Diese Umstände lassen vermuthen, daß es ein Verbrecher war, der — wie schon oben angedeutet — von seinen Zeitgenossen gebunden, ohne Waffen und Schmuck hier beerdigt und nicht würdig erachtet wurde, selbst im Grabe der aufgehenden Sonne sein Antlitz zuzukehren[56]. Die vorgefundenen Gerippe waren zum Theile noch sehr gut erhalten, manche Schädel konnten noch ganz herausgenommen werden, und hauptsächlich sind die Zähne noch in bestem Zustande. C. M.
5) Bei den im vergangenen Jahre vorgenommenen Restaurationsarbeiten am Portale der Kirche zu Millstadt (Kärnten) fand sich im Tympanon unter der zopfigen Stuckarbeit des Monogramms Christi ein altes Relief, Christus mit offenem Buche, zur Seite Sonne und Mond, vor ihm ein Mönch knieend mit dem Modell der Kirche und Bruchstücken der Umschrift Heinricus Abbas. Rudger me fecit.
6) Die seit einigen Jahren zu Tage getretenen Schäden und Gebrechen an der Kaiserburg zu Eger, insbesondere der Einsturz eines Gewölbebogens und zweier Fenstersäulchen des Palas, machten eine Restaurierung nöthig, welche nach den Mittheil. der k. k. Centr.-Comm. f. K.- u. hist. Denkm. im abgelaufenen Jahre auf Staatskosten in vollkommen befriedigender Weise durchgeführt wurde.
7) Die im Jahre 1870 begonnene Restauration der gothischen Pfarrkirche zu St. Valentin in Niederösterreich, welche unter Leitung des Linzer Dombaumeisters Schirmer erfolgte, ist nunmehr beendet.
(Nach d. Mittheil. d. k. k. Centr.-Comm. f. K.- u. hist. Denkm.)
8) Ueber den Fortgang der Restaurierungsarbeiten am St. Stephansdome zu Wien enthält das neueste Heft der Mittheilungen der k. k. Centr.-Comm. f. K.- u. hist. Denkm. einen Bericht, welchem wir die Nachricht entnehmen, daß nunmehr der stumpfe, unausgebaute Thurm von Gerüsten befreit wird, daß die Arbeit an den beiden sog. Heidenthürmen der Westseite im Gange ist, sowie daß auch die kostbare Steinkanzel im Innern der Kirche in die Restauration einbezogen werden mußte.
9) Es wird manchem Kenner und Freunde der alten deutschen Malerei nicht ohne Werth sein, zu erfahren, daß wieder ein Altarbild von Lukas Kranach dem Jüngern, dem Bürgermeister von Wittenberg, aus dem Jahre 1584 aufgefunden wurde, und daß es gelungen ist, seine Echtheit zweifellos durch Urkunden zu erweisen. Die K. Landesversorganstalt zu Colditz bewahrte in einem ihrer Expeditionsräume seit vielen Jahren dieses unscheinbar gewordene Bild auf, das zuvor mehrere Jahrhunderte lang den Altar der Schloßkapelle geziert hatte.
Derselbe alterthümliche Rahmen umschließt es noch jetzt, der ihm bei seinem Ausgange in die Zeit mitgegeben wurde: dunkelbraun, vielfach gekehlt und von herzförmiger Gestalt, 1 m. 10 cm. hoch und 1 m. breit. Das Altarbild stellt „die heilige Dreieinigkeit“ dar; von diesem Gegenstande erhielt die evangelische Schloßkapelle, die bis dahin den Namen omnium sanctorum geführt hatte, 1584 die neue Benennung sanctae trinitatis.
Der Leichnam Jesu ist vom Kreuze abgenommen worden und ruht in Schooß und Armen des Vaters, zu dessen Rechten der Geist schwebt in Gestalt der Taube. Engelsgestalten, darunter sehr liebliche, füllen die Rundung des Bogens und tragen die Marterwerkzeuge, jeder Engel ein anderes: das Kreuz, die Nägel, die Zange, die Dornenkrone, die Geisel, den Speer, den Stab mit dem Schwamme.