Die Darstellung des Leichnams Jesu dürfte bei vieler Naturtreue der Auffassung und bei allen den Vorzügen, die sonst die sächsische Malerschule auszeichnen, dennoch unseren jetzigen Augen wenig behagen.

Als bester Theil des Bildes erscheint uns das majestätische, liebend ernst blickende Greisengesicht des Vaters mit langem, weißem Barte. Auf dem Haupte strahlt die Krone der drei Reiche, die hohe Gestalt wird von einem wallenden Purpurmantel in Goldstickerei, mit Edelsteinen besetzt, umflossen.

Das Bild ist auf Holz gemalt, welches an zwei Stellen gesprungen ist; die Farben sind dick aufgetragen und werden bei der Reinigung wieder frisch und schön; das Malerzeichen konnte bis jetzt nicht aufgefunden werden.

Dennoch kann nach den urkundlichen Mittheilungen aus dem k. Hauptstaatsarchive zu Dresden, welche wir der Güte des Herrn Archivars, Dr. Distel verdanken, an der Echtheit dieses Altarbildes nicht mehr gezweifelt werden.

(Wissenschaftl. Beil. d. Lpzgr. Ztg., Nr. 101.)

10) Wie man dem „Tiroler Boten“ mittheilt, wurden in jüngster Zeit hochwichtige literarische Funde gemacht, auf welche Tirol das beste Anrecht besitzt. In Berlin kam ein Fragment einer Nibelungenhandschrift zum Vorschein; dasselbe stammt aus dem Vintschgau, und es ist sicher interessant, festgestellt zu sehen, daß dies schon die zweite im Vintschgau aufgefundene Nibelungenhandschrift ist. Ebenfalls im Vintschgau wurde ferner ein Fragment von Williram’s Psalmenübersetzung und in Proveis eine Predigt aus dem 12. Jahrhundert aufgefunden.

(Korresp. v. u. f. Deutschld., Nr. 12.)

11) Der „Tiroler Bote“ berichtet, daß sich im Vintschgau Fragmente aus dem Heldenbuche (von „Dietrichs Flucht“), die einer Handschrift vom 13. oder 14. Jahrhundert entstammen, gefunden haben. Schon an sich werthvoll, da die Handschriften von diesem Gedicht nicht zahlreich sind, verdienen sie noch dadurch besondere Beachtung, daß sie mit der sogenannten Ambraser Handschrift des Heldenbuches, welche bekanntlich Kaiser Maximilian von Hanns Ried, Zolner am Eisack, in Bozen anfertigen ließ (1502–1515), übereinstimmen, das heißt in engem Zusammenhange mit Hanns Ried’s ganz verschollener Vorlage stehen.

(Beil. z. Augsb. Postztg. 1879, Nr. 3.)

12) Die Blätter für Münzfreunde bringen in Nr. 73 folgende Mittheilungen über Münzfunde: