Im Sommer 1878 wurde bei Mittel-Steinach in Oberfranken ein Münzfund gemacht, den das Königliche Münzcabinet in München erworben hat. Er enthielt 260 Stück Denare — meist Würzburger von Otto I. (1207–1223) und Hermann I. (1225–1254) sowie 117 Stück unbestimmbare: Cappe, Kaisermünzen I, S. 139, Nr. 633; Taf. XVI, Fig. 258. Letztere gehören zu der zahlreichen Familie des „Offenhäuser“ Fundes, von der man bis jetzt nur weiß, daß sie dem östlichen Franken angehört, in welcher man aber einen sehr interessanten Zweig der Münzen des 13. Jahrhunderts erkennen wird, wenn demnächst Fikentscher’s in Augsburg Monographie über dieselben, welche er gegenwärtig bearbeitet, erschienen sein wird.

In Nürnberg wurden jüngst beim Weitergraben eines Kellers 130 Stück Heller gefunden. Es waren etwa 50 Amberger, 14 Langenzenner mit Z zu erkennen; die anderen Exemplare waren durch Grünspan verdorben.

Ostheim, 6. December. Dieser Tage ist hier beim Aufgraben des Brandschuttes, wie der „Eis. Ztg.“ geschrieben wird, an dem p. Zehner’schen Wohnhaus ein Topf gefunden worden, welcher 355 alte Silbermünzen enthielt. Dieselben stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Das neueste Geldstück trägt die Jahreszahl 1675. Die Münzen befinden sich in Verwahrung des Gemeindevorstandes. Der Fundort soll früher dem Herrn von Schnepf gehörig gewesenes Areal sein.

(Fürstl. Reuß-Geraer Ztg. v. 13.|12. 78.)

Auf dem Dominium Rathstube, unweit Dirschau, wurden beim Pflügen außer einer Goldspange einige zwanzig sehr schön erhaltene byzantinische Goldmünzen des 4. und 5. Jahrh. gefunden. „Die Regierung von Danzig ist vom Funde in Kenntniß gesetzt; momentan werden sie von einem Danziger Gelehrten genau bestimmt und soll dann die Liste veröffentlicht werden.“

(Berl. Tageblatt vom 12. December 1878.)

13) Bisher hatten die Bücherliebhaber vor andern Sammlern wenigstens das voraus, daß die Seltenheiten, welche sie an sich brachten, mochte deren Werth auch gering sein, doch echt waren. Mochten sie auch im Preise überhalten worden sein, sie konnten sich damit trösten, nichts Unechtes zu besitzen. Ein antiker Helm, ein Rembrandt, der lange für echt galt, konnte sich schließlich als eine kunstvolle Imitation entpuppen. Aber eine Incunabel, so nahm man bislang an, ein Aldini oder Elzevir mußte echt sein; denn ein Buch kann nicht imitiert werden. Aber nach einer in London gemachten Entdeckung scheint auch dieses Axiom verrückt worden zu sein, und die Liebhaber seltener Bücher mögen darum auf ihrer Hut sein. Thatsächlich besteht in London eine Druckerei, in welcher nicht etwa der Nachdruck, sondern die vollständige Imitation alter Bücher mit dem Aufwande aller Geschicklichkeit und in großem Maßstabe betrieben wird, wiewohl (bei der Unverletzlichkeit des englischen Hausrechts in diesem kein Criminalverbrechen betreffenden Falle auch eine schwierige Sache) — bis jetzt das Local dieser Druckerei nicht aufgefunden werden konnte. Doch wurden bei Schriftgießern Lettern von längst außer Gebrauch gekommener Form und bei Papierfabrikanten größere Partien von geschöpftem Baumwollpapier nach eigenem Muster bestellt. Daß jedoch trotz aller Sorgfalt und aller Kunstgriffe die Imitation keine vollständige sein und dieselbe vielmehr bei der Vergleichung mit einem Original auf den ersten Blick erkannt werden muß, liegt auf der Hand. Der Witz besteht aber darin, daß eben nur außerordentlich seltene Werke, welche selbst den eifrigsten Bibliomanen nur dem Namen nach bekannt sind, imitiert werden, und daß der Verkauf nicht öffentlich, und überdies mit großer Vorsicht und Schlauheit betrieben wird. Auf dem Festlande scheinen in dieser Beziehung bisher nur einige ganz schüchterne Versuche unternommen worden zu sein. Die Aufdeckung des Schwindels geschah auf eine eigenthümliche Weise. Einem als passionierter Büchersammler bekannten schottischen Baronet wurde auf einer Reise von einem „verarmten Gelehrten“ ein Buch zum Kaufe angeboten. Es sei ein Erbstück und sein letztes Besitzthum, von dem ihn nur seine außerordentliche Nothlage trennen könne. Der Lord sah zu seinem nicht geringen Erstaunen eine Incunabel von höchstem Werthe vor sich. Es war eine in Venedig gedruckte Ausgabe des Boccaccio vom Jahre 1492. Mit Freuden bezahlte der Schotte den dafür begehrten Preis von 90 Pfund und lud nach seiner Heimkehr sofort einige benachbarte Bücherfreunde ein, um ihnen seinen so wohlfeil erworbenen Schatz zu zeigen. Doch einer seiner Besucher besaß dasselbe Buch, und bald wurde noch ein dritter Boccaccio aufgefunden. Man schöpfte Verdacht, und die hierauf mit einem im Besitze des Roxbourgclubs befindlichen Original, welches seinerzeit um die zehnfache Summe angekauft worden war, angestellte Vergleichung ließ die drei anderen Bücher als unecht erkennen. Aehnliches wiederholte sich darauf an anderen Orten mit zwei italienischen und deutschen Bibelausgaben, einem Gargantua des Rabelais und dem berühmten Werke des Miguel Servet. Von letzterem existieren nur zwei Exemplare (zu Wien und Paris), da die ganze Auflage zu Rotterdam durch den Henker verbrannt wurde. Gleichwohl wurden auch von dieser Imitation mehrere Exemplare an den Mann gebracht. Die bekanntlich nicht geringe Schaar der englischen Bibliophilen ist darob in gewaltiger Aufregung und begegnet den Verkaufsanboten der Antiquarbuchhändler mit dem äußersten Mißtrauen. Die öffentlichen Bibliotheken aber gehen nun bei der Ausgabe seltener Werke mit besonderer Vorsicht vor.

(N. illustr. Ztg., Nr. 12.)

14) Die am 9. December vor. Jahres wie alljährlich vom Vereine von Alterthumsfreunden im Rheinlande veranstaltete Geburtstagsfeier Winkelmanns fand unter zahlreicher Betheiligung im Kaiserhofe zu Bonn statt. Eine Ausstellung kleinerer römischer Alterthümer, besonders von den letzten Ausgrabungen des Bonner Castrums herrührend, wie Pläne und Zeichnungen desselben dienten zur Illustrierung des ersten Vortrags, in welchem Professor aus’m Weerth als Vereinspräsident der Bedeutung des Tages einige Worte widmete und den Bericht über die Ausgrabungen des römischen Castrums in Bonn als ein der Manen Winkelmanns nicht unwürdiges Geburtstagsgeschenk bezeichnete. Ausgehend von der Annahme, daß Julius Cäsar seine zweite Rheinbrücke bei Bonn schlug, dieselbe für eine weitere Verwendung zur Hälfte stehen ließ und am linksrheinischen Ufer mit großartigen Befestigungen und einer Besatzung von 12 Cohorten versah, gelangte der Vortragende zu dem Schlusse, daß diese Befestigungen zum Schutze der Brücke als die erste Anlage des unterhalb Bonn’s am Wichelshof belegenen römischen militärischen Lagers anzusehen seien. Wenn die Conservierung der Brücke, auf die durch die Erfolge hervorgerufene Entschließung Cäsars: die römische Machtsphäre über den Rhein auszudehnen, hindeute, so sei von Augustus und Drusus diese erweiterte Politik aufgenommen worden, wie die große, linksrheinische Befestigungslinie Xanten, Bonn, Weißenthurm und Mainz mit den rechtsrheinisch vorgeschobenen Werken Aliso, Niederbiber und der Saalburg es klar ausdrücke. Das von Augustus oder Drusus erbaute und aus den Cäsarischen Brückenbefestigungen hervorgegangene Bonner Castrum sei deshalb ein bemerkenswerthes Glied in der großen römischen Offensiv-Politik gewesen, aber alsobald auch zur lediglich defensiven Bedeutung herabgesunken, als erstere unter Claudius endgültig aufgehoben wurde. — Die seit dem vorigen Jahre durch das Bonner Provinzialmuseum methodisch in Angriff genommenen, schon im Jahre 1820 einmal begonnenen Ausgrabungen des Castrums beschränkten sich bisher auf die Offenlegung der Gebäude des südlichen Dritttheils des Rücklagers (der retentura) des Castrums. Zwei große, je 80 mtr. lange Infanterie-Kasernen, eine dritte, horizontal dazu liegende Kavallerie-Kaserne mit vorliegenden Pferdeställen, ferner ein kleinerer Bau für die Vexillarii, jene vom übrigen Dienste befreiten Veteranen, welchen die Führung der Feldzeichen der Reiterei, des Vexillum, anvertraut war, dann ein großes Magazin mit Schlachthaus sind bereits bloßgelegt und festgestellt worden. Eine Menge kleinerer Funde, darunter viele, im Ganzen an 800 Münzen, welche sich in den durchgängig aus Tuffstein gebauten Räumen fanden, tragen zur Kennzeichnung von Zweck und Zeit der Erbauung wesentlich bei. Daß kurz nach der durch den Aufstand des Civilis (70 n. Chr.) herbeigeführten Zerstörung unter Domitian auf den älteren Fundamenten ein durchgängiger Neubau stattfand, erweisen die vielen Ziegel mit dem Stempel der von diesem Kaiser errichteten Leg. I. Minervia pia fidelis. Nach den bisher gewonnenen Resultaten lassen die Fortsetzungen der Ausgrabungen auf großen Umfang der Anlage, eine weitere Anzahl bereits festgestellter Gebäude, wie überhaupt darauf schließen, daß das Bonner Castrum sowohl nach Größe, wie nach den baulichen Einrichtungen das bedeutendste der bisher bekannt gewordenen sei.

Professor Justi sprach über den holländischen Maler Johann van Scorel (1495–1562.)