107) In Nr. VIII der numismatischen Blätter von J. Nentwich gibt A. Bußon ausführliche Mittheilungen über einen Münzfund, der im Mai d. J. im Spitalwalde bei Bruneck im Pusterthale gemacht und für das Ferdinandeum in Innsbruck erworben wurde. Er enthält 654 Tiroler Silbermünzen, Meinhardtszwainziger und Vierer des 13. und 14. Jhdts., 4 fremde Goldmünzen und einige italienische Silbermünzen. Die Zahl der Fundstücke scheint ursprünglich noch größer gewesen und ein Theil wol sofort in verschiedene Hände gekommen zu sein.

108) Ein bisher unbekannter deutscher Goldschmied ersten Ranges ist durch die diesjährige Ausstellung in Münster bekannt geworden. Gegenwärtig sind die Arbeiten desselben im Berliner Kunstgewerbemuseum ausgestellt. Der Meister zeichnet sich Anthon Eisenhoidt aus Warburg (Westfalen) und stand 1589–1600 im Dienste des Fürstbischofs von Paderborn, Theodor von Fürstenberg. Seit dieser Zeit sind die Werke im fideicommissarischen Besitze der Grafen Fürstenberg-Herdringen geblieben. Es sind dies sechs Stück: zwei Bucheinbände in Folio, ein Weihbrunnkessel mit Aspergill, ein Crucifix mit Kelch und ein Rauchfaß, letzteres in gothischem Stile (in der Art des Schongauer’schen Rauchfasses), die anderen Gegenstände in Spätrenaissance mit figuralem und ornamentalem Schmuck reich verziert und von vollendeter Treib- und Ciseliertechnik.

Eisenhoidt war auch Kupferstecher und Stempelschneider. — Die Ornamentstichsammlung des k. k. Oesterr. Museums besitzt ein Blatt dieses Meisters: das Brustbild des Caspar Schuhsper in reicher Umrahmung mit allegorischen Figuren, bezeichnet: Antonio Eisenhoit fecit 1585.

Mit W. Jamnitzer lässt sich Eisenhoidt nicht vergleichen. Jamnitzer ist der größere Künstler; seine Kunst ist stilreiner und vollendeter als die Eisenhoidts. Bei einigen Stücken mischen sich merkwürdiger Weise gothische Motive mit Elementen der Spätrenaissance. Sieht man aber von dieser Eigenthümlichkeit der Stilrichtung ab, und beurtheilt man Eisenhoidt als Kunsttechniker, so kann es gar keine Frage sein, daß Eisenhoidt als Goldschmied das figurale wie das ornamentale Relief, die Treib- und Ciseliertechnik in ganz wunderbarer Weise vereinigt. Er ist ein Virtuose in seiner Kunst. Direktor Julius Lessing bereitet eine mit einem eingehenden Texte versehene Ausgabe der entdeckten Werke Eisenhoidts vor, auf welche wir unsere Leser seiner Zeit besonders aufmerksam machen werden.

(Mittheil. d. k. k. Oesterr. Museums f. Kunst u. Industrie, Nr. 168.)


Verantwortliche Redaction: Dr. A. Essenwein. Dr. G. K. Frommann.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in Nürnberg.


Gedruckt bei U. E. Sebald in Nürnberg.