1879.
Nº 10.
October.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Mittelalterliches Thongefäss,
gefunden beim Umbau des alten Rathhauses zu Hannover.
(Mit einer Tafel).
Als im Jahre 1878 das alte Rathhaus in Hannover nach den Plänen des Altmeisters Hase wie ein Phönix aus der Asche sich erhob, wurde in einer Wand des Erdgeschosses durch Zufall ein Thongefäss gefunden, welches durch seine originelle Form das Interesse aller, welche es sahen, in hohem Grade erregte. Durch die Güte des Herrn Bauraths Hase in zeitweiligem Besitz desselben, war ich dadurch in den Stand gesetzt, dasselbe mit den in den Museen vorhandenen eingehend zu vergleichen; es ergaben indessen diese Untersuchungen nur ein negatives Resultat. So viele Museen ich zu diesem Zwecke besucht und wie sorgsam ich nach einer analogen Form geforscht, es fand sich kein einziges Exemplar, welches das Charakteristische desselben gezeigt hätte. Wenn sich nun auch unter den vorhandenen Gefäßen keines befand, welches einen Anhalt hätte bieten können, um die ehemalige Function des hier gefundenen zu erkennen, so läßt sich doch aus der technischen Behandlungsweise mit ziemlicher Sicherheit die Zeit bestimmen, der es angehört.
Wenn man aber in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts unbedenklich alle unter und über der Erde gefundenen Thongefäße als heidnisch betrachtete, so hat Dr. Wiggert das Verdienst, nachgewiesen zu haben, dass ein unverkennbarer Unterschied bestehe zwischen heidnischen und christlichen Thongefäßen, und daß die Mehrzahl der in Fundamenten und Mauern alter Gebäude gefundenen Geschirre dem christlichen Mittelalter angehöre.