109) Neuwied, 14. September. Unter der Ueberschrift: „Ein kulturhistorischer Fund im Neuwieder Rheinbecken“ veröffentlicht Herr Kratz in der „Neuwieder Ztg.“ einen längeren Artikel, dem wir Folgendes entnehmen: Der Altheck ist eine Hochebene, von geringer Bodenerhebung vorgelagert, welche sich nach Norden in das Wied- und Aubachthal, nach Westen und Süden in die eigentliche Neuwieder Ebene absenkt. Den theilweisen Abhang dieser Hochebene entlang führt, von der Neuwied-Dierdorfer Chaussee rechts abzweigend, der Gladbacher Weg. An diesem Wege, etwa zehn Minuten von der Chaussee entfernt, liegt die Sandsteinfabrik des Herrn Joh. Jenas aus Heddersdorf. Die Fabrik nimmt eine ziemliche Fläche ein. Zum Theil liegt sie in der tieferen Ebene, zieht sich dann den Abhang hinauf und dehnt sich auf der oberen Ebene aus. Der Abhang ist bereits von seinem vulkanischen Produkte entblößt, und der Lehm liegt zu Tage. Bei der weiteren Abräumung der 2 m. mächtigen Bimssteinschicht unmittelbar hinter dem Rande des Abhanges zeigte sich eine besondere Bodengestaltung. Zu den Füßen fand sich anstatt des Lehmbodens in einem kreisförmigen Bogen wieder Bimssand vor, gering mit Lehm untermischt. Auch die an dieser Stelle aufliegende Masse war nicht ganz bimssandrein. Es schien, als ob eine große, kreisrunde Vertiefung mit Bimssand ausgefüllt worden sei. Die Schichtung dieses Minerals war nicht die gewöhnliche. Zwar wurde sofort der Versuch gemacht, die Tiefe der Grube zu ergründen. Doch dies war vorderhand ein zu schwieriges Stück Arbeit, da erst bis zur Hälfte des Kreises die obere Lage des Bimssandes abgetragen war. Bei jedem ferneren Tiefereindringen stürzten von oben sich loslösende Massen hinab. Der Boden der Grube scheint in einer Tiefe von etwa 6 m. sich zu befinden. Der Durchmesser derselben beläuft sich auf etwa 4½ m. Kehren wir einmal zu gewissen Nachrichten römischer Geschichtschreiber zurück, und zwar des Julius Cäsar und des Tacitus, welche beide am sorgfältigsten über germanische Zustände sich informierten und darüber berichteten. Julius Cäsar schreibt: „Die Germanen legen Fallgruben an, um darin die Thiere des Waldes zu fangen.“ Tacitus erzählt uns: „Die Germanen bauen ohne Zement und Mörtel, nur aus formlosen Klumpen, die sie dann mit einem glänzenden Anstrich überziehen. Sie graben Löcher in die Erde und bedecken diese mit Dünger, um ihre Vorräthe zu verbergen. Auch suchen sie selbst darin Schutz vor der Winterkälte und vor Feinden.“ (Die eigentlichen Wohnungen der alten Germanen befanden sich jedoch über der Erde.) Solche Erdwohnungen hat man hin und wieder in Deutschland gefunden, besonders in Mecklenburg und am Harze. Doch hat man hier am Rheine bisher noch keine Spuren derselben entdeckt. Es fragt sich nun zunächst: Ist die gefundene Vertiefung eine Bildung der Natur oder der Menschenhand? Das Auswerfen des Bimssandes ist mit großer Vorsicht geschehen, um das ursprüngliche Aussehen der Erdhöhlung herzustellen. An der Lehmwand lassen sich noch deutlich die einzelnen Spatenstiche erkennen. Die zweite Frage ist nun die: War diese Vertiefung eine Fallgrube oder eine Vorrathskammer, bezw. Erdwohnung? Für das Letztere spricht: 1. das Vorkommen von Holzkohlen, 2. von Topfscherben roher Arbeit, 3. von Knochenresten und 4. ein Umstand, welcher besonders bemerkenswerth ist. An der bloßgelegten Lehmwand, welche ziemlich gut geglättet ist, tritt eine künstlerische Leistung, ein Thierbild, deutlich hervor, mit einer gewissen Geschicklichkeit entworfen, eingeritzt. Als Grabstichel mag ein harter Stein gedient haben. Es hält nicht schwer, die Art des dargestellten Thieres zu bestimmen, da die Hauptcontouren gut erhalten sind. Es ist die Zeichnung eines laufenden Pferdes (in einer Größe von etwa 60 cm.). Der Künstler muß das Thier, welches er abbildete, genau gekannt haben, folglich muß dasselbe dem Rheinbecken heimisch gewesen sein.

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 397).

110) In den Mittheilungen der k. k. Centr.-Commission findet sich ein Bericht des Conservators Hraše über die im Beginne des Sommers vorgenommene Untersuchung einer Urnenstätte in unmittelbarer Nähe von Hohenbruck zwischen dem Náhon und Dědinabache, deren Gräber äußerlich nicht durch Hügel erkennbar sind. Die Urnen sind in muldenförmigen, mit Asche ausgefüllten Vertiefungen beigesetzt, über welche sich die Humusschichte gleichmäßig ausbreitet. Sämmtliche Urnen sind aus freier Hand hergestellt, von rothem oder grauem Thon, einzelne mit Graphitüberzug. Bronzebeigaben fanden sich sehr spärlich; doch sollen früher Urnen dort ausgegraben worden sein, die deren eine reichliche Anzahl enthielten.

111) Regensburg, 2. Oktober. Vor einigen Tagen stieß man an der als Nordostecke des hiesigen römischen Palatiums bekannten Stelle, bei Ausgrabungen nächst der Niedermünsterschenke, auf das feste Gefüge kolossaler römischer Quader, und bald darauf öffnete sich ein theilweise mit römischem Schutt gefüllter, 10 m. langer Gang, welcher, der Richtung nach der Donau entsprechend, als Kloake gedient haben wird. Derselbe ist 1½ m. hoch, 60 cm. breit, und die Unterlage sowohl als die Seitenmauern sind, von mächtigen Steinen ausgeführt. Auch die Decksteine sind zwischen 40 und 50 cm. dick, und über denselben spannt sich noch eine feste Wölbung von Keilsteinen. Die Untersuchung dieses interessanten Bauwerks führte Pfarrer Dalem aus, der auch eine Skizze von demselben entwarf.

(Deutscher Reichsanz., Nr. 238.)

112) Trier, 29. September. Die „Tr. Ztg.“ schreibt: Bei der Verbreiterung des Eisenbahndammes kam an derselben Stelle, wo neulich ein von C. Candidius Piscator in Folge einer Traumerscheinung der Dea Hecate gesetzter Stein gefunden worden ist, neuerdings eine Ara zum Vorschein, auf deren Vorderseite ein Löwe und ein Pfeil, auf den andern Seiten Sol, Luna und zwei Bäume dargestellt sind; wahrscheinlich gehört dieselbe in die Reihe der Mithrasdarstellungen. Da an eben derselben Stelle vor einigen Jahren eine Jupiterstatue gefunden worden ist, ferner Säulenbasen und Kapitäle, so ist es wahrscheinlich, daß daselbst ein Tempelchen gestanden; es ist dies die erste Spur eines römischen Tempels zu Trier.

(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 423.)

113) Trier, 6. September. Bei der jetzt in der Ausführung begriffenen Fundamentierung bezw. Unterkellerung eines Neubaues an der Neumarktstrasse hierselbst wurden, laut der „Coblenzer Zeitung“, römische Baureste von so kolossaler Dimension und so räthselhafter Beschaffenheit aufgedeckt, wie solche kaum jemals, abgesehen von den Ruinen an der Südallee bei St. Barbara, zu Tage getreten sein dürften. Bei der Ausschachtung des Fundaments auf der Südseite dieses Neubaues stieß man auf eine 6 Fuß dicke Mauer, dann auf zwei parallel laufende, kaum 3 Fuß von einander entfernte Mauern und zwischen diesen, in der Tiefe von wenigstens 25 Fuß unter der Oberfläche des Bauterrains, auf einen stark überwölbten Kanal und nach der Westseite hin auf ein großes Kellergewölbe. Auf einer Seite zwischen den Parallelmauern hat man in der Tiefe von 30 Fuß noch nicht das Fundament derselben erreicht. Die zur Ausführung des Neubaues erforderliche Beseitigung dieser eisenfesten Mauerreste ist daher mit außerordentlichen Schwierigkeiten und Kosten verbunden.

(D. Reichsanz., Nr. 217.)

114) Die in Bergen in Norwegen befindliche Filialabtheilung des Vereins zur Bewahrung nordischer Alterthümer hat in diesem Sommer, unter Leitung des Cand. J. Roß, zwei bei Fjellberg belegene, in Norwegen sehr selten vorkommende, mächtige Hünengräber aufdecken lassen. In dem einen wurde weiter nichts als Kohle gefunden, das andere ergab dagegen eine verhältnissmäßig reiche Ausbeute an Gegenständen aus dem Eisenalter. Nachdem man in letzteres Grab 6 Fuß tief eingedrungen war, stieß man auf eine dicke Kohlenschicht und ca. 1 Fuß tiefer auf eine große Steinplatte, die nicht weniger als 6½ Fuß lang und 3 Fuß breit war. Nach Fortschaffung des Decksteines fand man eine kleine Grabkammer, umgeben von vier kleineren Steinen und angefüllt mit Kohlenstückchen und kleinen Rollsteinen. Unter letzteren deckte man dann ein vorzüglich erhaltenes Bronzegefäß auf, welches aus dem älteren Eisenalter herrührt. Obenauf in dem Gefäße, nur mit einigen Knochenresten bedeckt, lag eine Goldmünze, geprägt unter dem römischen Kaiser Gratianus, der 383 starb. Auf dem Averse sieht man das Bild des Kaisers mit der Umschrift D. N. GRATIANVS P. F. AVG; auf dem Reverse befindet sich eine Darstellung der beiden gleichzeitigen Kaiser, die, auf dem Throne sitzend, einen Globus halten. Die Umschrift lautet VICTORIA AVGG, und darunter steht TROBT (der Prägeort). Eine kleine Oese von Gold ist an die Münze festgelöthet, die somit als Schmuck getragen worden ist. Im Uebrigen wurden, eine Menge Zähne und Knochen von einem Pferde, Stücke von Steinurnen, eigenthümliche Knöpfe von Knochen, Eisenstückchen etc. in dem Grabe gefunden.