[420] Vorrichtung zum Auflegen des Brennholzes und des Bratspießes. Grimm IV, 1919, e. Dr. Frommann.
Die „heraldischen“ Kronen.
Der Anzeiger f. K. d. d. V. brachte in Nr. 6 des laufenden Jahres zwei höchst interessante Artikel über die „heraldischen Kronen“ und über „Kronen“ im allgemeinen. Indem ich nun hier in Fig. 1. eine Abbildung des Siegels Conrad Gäb’s vom J. 1480, welches die nächste Veranlassung zu jenen beiden Artikeln gegeben, mittheile, erlaube ich mir, auch meine unmaßgebliche Ansicht über dasselbe, sowie über die „heraldischen“ Kronen überhaupt auszusprechen.
Fig. 1.
Dieses Siegel ist ein, namentlich für seine Zeit, höchst seltenes „heraldisches“[421] Curiosum, dessen sichere Erklärung ohne erst noch aufzufindende gleichartige Beispiele wol schwerlich gelingen dürfte. Die einfachste Erklärung scheint mir vor der Hand die, daß eben der Herr Doctor bei dieser „heraldischen“ Zusammenstellung auf seinem Siegel mehr seinem eigenen Geschmack und seiner Phantasie, als dem gewöhnlichen heraldischen Stile seiner Zeit gefolgt ist.
Der Federbusch ist der Gäb’sche Helmschmuck, wie wir ihn auch auf einem Siegel des Ritters Steffan Geben v. J. 1351[422] finden. Der Zustand dieses letzteren Siegels läßt allerdings den Gegenstand zwischen Helm und Federbusch nicht mehr genau erkennen. Auf den Originalprunkhelmen Kaiser Friedrich’s IV. im bürgerlichen Waffenmuseum der Stadt Wien[423] sind sämmtliche Helmkronen gewöhnliche heraldische goldene sogenannte Königskronen, nur mit verschiedenem stilisierten Laubwerk.
Ob auf unserem Siegel nur aus Mangel an Raum[424] oder wegen der geistlichen Würde des Sieglers der Helm weggelassen und nur dessen Krone mit dem Kleinod gesetzt wurde, ist schwer zu entscheiden; jedenfalls ist dieses Verfahren zu jener Zeit eben so ungewöhnlich als heraldisch unrichtig und ganz unstatthaft. Denn so wenig die häufig als Helmschmuck vorkommenden Infuln, ohne den Helm, auf einen Wappenschild gesetzt werden dürften, — da ja das betreffende Wappen dadurch den Charakter eines bischöflichen annehmen würde, — eben so wenig ist dies mit allen den verschiedenen, im Laufe der Zeit vielfach und bis zur Unkenntlichkeit des ursprünglichen Originals metamorphosierten Hüten als Helmzierden der Fall.
Die „heraldischen“ Kronen — bisweilen auch mit verschiedenen Farben tingiert — waren von jeher nur conventionelle „heraldische“ Formen mit mehr oder weniger constantem Typus in den verschiedenen Stilepochen. Sie haben mit den „wirklichen“ Kronen nichts gemein als den Namen, und letztere waren und sind stets Rangkronen, d. h. solche, welche den Stand ihres Trägers genau bezeichnen. In den Abbildungen mittelalterlicher Handschriften finden sich häufig Kaiser und Könige, wenn sie in voller Rüstung dargestellt werden, mit einer Krone auf dem Helme. Diese Kronen sind weder Helmkronen, noch Helmkleinode; sie sind nur dazu bestimmt ihren Träger kenntlich zu machen. So sehen wir u. A. Kaiser Heinrich VII. in einem Trierer Codex v. 1354, dem sog. Balduineum, mit einer Bügelkrone abgebildet.[425] Im Schlackenwerther Codex der Hedwigs-Legende v. J. 1353 ist der viermal auf einem Bilde dargestellte Herzog Heinrich, der Sohn der heil. Hedwig, in der Schlacht, in welcher er seinen Tod fand, einmal mit seinem (heraldischen) Helmschmuck abgebildet und dreimal, nach seinem Tode, durch den Herzogshut kenntlich gemacht.[426]