Wenn wir auch die Krone auf dem Haupte der Königinnen auf ihren Porträt-Siegeln seit dem 13. Jahrhundert[427] nicht als „heraldische“ Krone bezeichnen können, sondern als wirkliche Rangkronen, so müssen wir die Kronen auf den gleichartigen Siegeln der Fürstin Sophie von Rostock v. J. 1237 und der Gräfin Jutta von Sternberg v. ca. 1306[428] und anderen „symbolische“ nennen; denn „wirkliche“ Kronen gab es im Mittelalter nur zwei Gattungen: Kaiser- und Königskronen. Außer diesen gab es nur noch die sog. Kronen oder richtiger Hüte der Herzoge und Fürsten. Die regierenden Grafen führten bis in die neuere Zeit nur die „heraldische“ sog. goldene Königskrone, welche seit den letzten Jahrhunderten und bis zur Einführung der 5-, 7- und 9-perligen fremdländischen Kronen auch in Deutschland von allen adeligen Personen geführt wurden und zum Theil noch geführt werden.

Von „heraldischen“ Kronen gibt es vier Gattungen: I. Wappenbilder und Helmkleinode, II. Beizeichen, III. Helmkronen und IV. Rangkronen.

I. Rangkronen als Wappenbilder und Helmkleinode.

Fig. 2.

Fig. 4.

Kronen kommen in Deutschland schon in der frühesten heraldischen Zeit vor, sowohl als Wappenbild, wie als Helmschmuck. Wir finden eine Krone z. B. bei Scharffenberg in der Züricher Wappenrolle, Nr. 53 (s. hier Fig. 2.) sowohl als Wappenbild im Schilde, als auch auf dem Helme als wirkliches Kleinod,[429] mit Federn geschmückt, wie so viele derartige. Hier ist die Krone im Schilde und auf dem Helme ebenso einfaches heraldisches Bild, wie der Helm im Helmshofen’schen Nr. 106 der Züricher Rolle (s. hier Fig. 4,) und der Hut in dem nicht bezeichneten Wappen Nr. 125 dieser Rolle. Im Wappen von Elsaß (bei Grünenberg Bl. IX.) sehen wir 6 Kronen im Schilde und dieselben 6 als Helmschmuck. Die 3 Kronen im Kölner Wappen, als Symbole der Kronen der „heil. drei Könige,“ sind allbekannt.

Schon seit der frühesten heraldischen Zeit hat es gekrönte Wappenthiere im Schilde und auf dem Helme gegeben. Wir erinnern nur an den böhmischen Löwen und an die vielen gekrönten Thiere in der Züricher Wappenrolle, welche sogar schon Luxus damit treibt, wie u. A. das Hohenlohe-Brauneck’sche Wappen (Nr. 459) beweist, welches in dieser Beziehung ein durchaus unrichtiges Unicum ist. Nach und nach kam aber mit den allgemein überhand nehmenden heraldischen Kronen die bis zum heutigen Tage verbreitete, ganz falsche Ansicht auf, als ob die gekrönten Wappenthiere vornehmer wären, als die nicht gekrönten. So findet sich auf zwei Hohenlohischen Siegeln von 1360 u. 1383, und zwar in zwei verschiedenen Linien,[430] als Helmschmuck ein gekrönter Adler, welcher weder vorher noch nachher im Hohenlohischen Wappen vorkommt und wol nur aus dem angeführten Grunde zu erklären ist.[431]

II. Kronen als Beizeichen.