Auch als Beizeichen begegnen wir nicht selten der Krone sowohl in der Heraldik, als in der Sphragistik. So z. B. auf einem Cronberg’schen Siegel v. J. 1257, im ersten Felde des von Roth und Kürsch quadrierten Wappens, von untenstehender Form a, und auf dem Denkmal Hartmanns von Cronberg († 1372), im zweiten Felde des Wappenschildes, von der Form c, in beiden Fällen als heraldisches Beizeichen. Bei Grünenberg, Bl. CLVIII. findet sich eine goldene Krone als Beizeichen im Wappen der Sür. Im Siegelfelde eines Cronberg’schen Siegels v. J. 1308 sehen wir als sphragistisches Beizeichen zwei Kronen von der Form b[432] neben dem Wappenschilde.[433] Im Siegel der Stadt Geißlingen v. J. 1367[434] erscheint die Krone auf dem Helm urkundlich als minderndes Beizeichen. In derselben Eigenschaft erscheint sie auch auf dem Helm der „Jungen“ von Mainz, nach einer Legende in der Zimmer’schen Chronik.[435]

III. Helmkronen.[436]

Gekrönte Helme vor dem 14. Jahrh. sind mir — mit Ausnahme der Siegel der Herzoge von Oesterreich und von Kärnten — bis jetzt in Deutschland keine bekannt; doch sollen, nach einer bischöflich Regensburger Urkunde v. J. 1290, die Raitenbucher damals auch schon solche geführt haben.[437] —? — In der Züricher Wappenrolle (aus dem Ende des 13. oder spätestens aus dem Anfang des 14. Jahrh.) kommen unter 559 Wappen nur die von Oesterreich und Kärnten mit gekrönten Helmen vor; ersterer (Nr. 17 der Rolle) wie hier (Fig. 5) abgebildet.[438]

Fig. 5.

Schon aus dem Größenverhältniß der Krone zum Helme sieht man den Unterschied zwischen dieser Helmkrone und der Krone als Helmzierde im Scharffenberg’schen Wappen (oben Fig. 2), deren Tinktur in der Züricher Wappenrolle auch deutlich für diese Ansicht spricht. Beim hohen Adel fand ich die ältesten Helmkronen auf Wappensiegeln Heinrichs II. von Meklenburg v. J. 1328 und des Grafen Walram von Sponheim v. J. 1344. Beim niedern Adel finden sich gekrönte Helme auch schon seit dem Jahre 1322. Als den ältesten führt Kindler von Knobloch[439] die Siegel des Ritters Johannes von Schafftolsheim v. 1322, des Edelknechts Dietrich vom Haus von 1331 und des Ritters Rudolf von Andlau von 1335 an. Das älteste mir im Original bekannte derartige Siegel ist das des Ritters Engelhard von Hirschhorn, des Vaters, v. J. 1353, mit der Legende: S. Engelhardi. militis. de Hirzhorn.[440] Auf dem Siegel des „Hartwicus de Crumedic. miles“ v. J. 1336 ist in dem Werke: „Siegel des Mittelalters aus den Archiven der Stadt Lübeck“ ein Helm abgebildet, zwischen dessen Kleinod, zwei Büffelhörnern, drei Spitzen erscheinen, die dort als Krone angesprochen werden. Die Beispiele gekrönter Helme bei dem niedern Adel vor dem 15. Jahrh. stehen aber doch noch so vereinzelt da, daß wohl anzunehmen ist, daß dabei ein besonderer Grund vorliegen mußte, welcher aber bis jetzt urkundlich nicht ermittelt ist. Es scheint mir, daß damit die eigentliche Ritterwürde („miles“) ausgedrückt werden wollte, was wenigstens bei den meisten der oben erwähnten Siegel zutrifft. Jedenfalls sollte in dieser Richtung die Sache noch gründlich erforscht werden. Nach einer Urkunde v. J. 1365 stellen Conrad und Hartman von Burgau, Vater und Sohn, Hans Marschall von Boxberg und Gerlach von Weizzingen der Stadt Augsburg für sich und ihre Gesellen, „der mit vns hundert gekrönter Helm ist vnd ein Helm“ einen Dienstrevers aus, in welchem es ausdrücklich heißt, daß ein jeder dienen und helfen soll mit einem gekrönten Helme, „der selbdritt mit dreien pferden varen soll.“ Bei. Mittheilung dieser Notiz bemerkte von Schreckenstein, seiner Zeit: „Demnach war also der gekrönte Helm gleich einer sog. Ritterglefe.“ Sollten aber nicht vielleicht mit den gekrönten Helmen lauter „Ritter“ (milites) gemeint gewesen sein?

Die Krone auf dem Siegel Conrad Gäb’s halte ich daher, wie bereits gesagt, entschieden für eine gewöhnliche Helmkrone. Erst im 15. Jahrh. mehren sich die gekrönten Helme. Während in den älteren deutschen handschriftlichen Wappenbüchern, z. B. in dem Donaueschinger Wappenbuch von 1433 und bei Grünenberg (1483), die gekrönten Helme noch bedeutend in der Minderzahl sind, bringt Sibmacher in seinem gedruckten Wappenbuch v. J. 1609 schon deren viele. Einen großen Einfluß mögen darauf die Wappendiplome gehabt haben. In noch späterer Zeit wurden die Helmkronen fast allgemein, — mit Ausnahme der historischen Wappenhelme des hohen Adels, nämlich denen der Stammwappen.

IV. Rangkronen.