ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1879.

Nº 12.

December.


Wissenschaftliche Mittheilungen.

Ein Hexenprozeß aus Vorarlberg v. J. 1597.

„Es lohnte wirklich der Mühe, die Hexenprozesse unseres Vaterlandes einer größeren Aufmerksamkeit zu würdigen und eine Geschichte derselben von ihrem ersten Auftauchen bis zu den letzten Ausklängen des Zauberwahns zu fertigen. Es würde eine solche Arbeit werthvolle Funde für Kultur- und Sittengeschichte ergeben...“

(J. Zingerle: Barbara Pachlerin, die Sarnthaler Hexe, und Mathias Perger, der Lauterfresser. Zwei Hexenprozesse. Innsbruck, 1858. Vorrede, S. IX.)

Diese Worte des berühmten Germanisten mögen es rechtfertigen, wenn in diesen Blättern wieder einmal ein Bild der traurigsten, unsinnigsten aller Verirrungen des menschlichen Geistes, des Hexenwahns, aus dem Staub und Moder der Archive hervorgezogen wird. Der Schauplatz des traurigen Vorgangs ist diesmal die Herrschaft Sonnenberg in Vorarlberg. Im Archive des dem Freiherrn von Sternbach gehörigen Schlosses zu Bludenz findet sich eine Reihe von Hexenprozeßakten, welche indeß blos aus dem über die Geständnisse der Hexen aufgenommenen Protokolle und aus dem Urtheilsspruche bestehen, eines eigentlichen Verhörprotokolles aber ermangeln, übrigens in ihrem Inhalte, nämlich in den einbekannten Hexenstücken, alle eine große — höchst wahrscheinlich auf schablonenmäßige Behandlung aller derartigen Prozesse seitens des Gerichtes zurückzuführende — Aehnlichkeit unter einander aufweisen.