Item vorgedachte Petronilla Gortterin bekennt: Als sie sich, wie vorstedt, in sündlichs Laster begeben, so hab desselbenmals ihr der bös Geist ein Büx mit Salb geben und zuo iro gesagt, wann sie das Salb an ein Steckle streich und mit denen Worten, wie er ihro dann auch anzeigt, an ein Dannen schlahe, so kumme ein Reiff oder Hagel. Das hab sie probiert, da sei in Gamperdona schattenhalb[468] ein kleines Hägelein kommen, das hab aber kein Schaden than.
Damalen hab er iro auch Geld geben; hab sie nit anders vermeint, es sei recht Geld. Da er von ihro gewest, sei es reverent nur Koth gewest. Nachdem sei er der bös Geist nicht mehr, wann[469] noch einmal zu iro kommen und abermals mit iro reverent der Unkeuschheit pflegen. Da sey sie dermaßen in ein Reu gefallen, und Gott den allmächtigen so treulich angeruffen, daß er ferner iro nit mehr zur mügen.[470]
Uff Sambstag den 5. Tag des Monats Juli, anno 97, ist zu Bludenz uffen Tanz-Haus Malefiz-Rechten gehalten worden über fünf Weibs-Personen, die drei under Gericht und Jurisdiction zu Bludenz gehörig, und die zwei ins Gricht Sonnenberg gehörig, aber von wenig Kostungs wegen mit einander für Gricht gstellt, und ist dem Herrn Vndervogt der Stab übergeben.
Iudex: Hanns Ruedolf. Rechtsprecher: Hanns Martin, Hanns Zürcher, Matheis Zürcher, Jörg Fritz, Bartolome Reis, Sigmund Bertoldt, Thomas Fritz, Hanns Wolf, Anton Frey, Lukas Felix, Thoni Purtscher, Petter Lowen, des Raths zu Bludenz.
Auf Anhörung und Vorlesung geschriebnen Bericht dieser armen Weibspersonen, ihrer vollbrachten sündlichen Lastern, darüber rechtlich eingeführter Klag, Antwurtt, Red und Widerred, und endlich gethanen Rechtsatz ist mit einhelligem Urtl zue Recht erkannt: daß sie die armen Weibspersonen vermög ihrer selbsaignen Bekenntnüß so viel gehandelt, als daß sie ihr Leib und Leben verwirkt und den Tod verschuldt, und sollen umb Laib und Leben gericht werden nach kaysserlichen Rechten.
Auf ferner gethanen Rechtsatz ist abermalen mit ainhelligem Urtell zue Recht erkannt, daß sie dem Scharfrichter sollen bevolhen werden, der sie binden, wol versorgen und hinauß füeren solle an die gewonlich Richtstat, alda jede uf ein Laittern schmiden, dann binden, also lebendig ins Feuer werffen, zue Bulwer und Esch[471] verbrennen, folgends die Aeschen ins Erdreich vergraben, damit weder Leudt noch Vih von inen nimmer mügen geschedigett werden, meniglich zue ainem erschreckenlich Exempel und Ebenbild, sich vor diesen und andern sündtlichen Lastern zu verhüetten.
Dieses Urtheil wurde am 5. Juli 1597 an den fünf Weibern vollzogen, und es dürfte nicht ohne Interesse sein, schließlich auch noch die Rechnung, welche der Vogt über die geführte Gerichtsverhandlung und Hinrichtung gelegt hat, als eine interessante wirthschaftliche Skizze aus der Zeit der Hexenprozesse hier folgen zu lassen.
Auszug der Ambts-Raittung[472] 1596–97.
Ausgaben: Auf Malefitz.
Montag 16. Juni 1597. Zwo arme Weibspersonen, Namens Maria Manallin und Kathrina Burkhartin des Hexens und unholden Werkhs angeklagt, beid aus Montafun, venklich Intzogen worden.