Fig. 2.
Leider ist nicht zu hoffen, daß sich urkundliche Nachrichten aus dem Mittelalter über das Fabrikat selbst finden werden, das ja, mit Ausnahme der geschliffenen Gläser, wol nur dem ordinärsten Bedürfnisse diente, wie ähnlich auch die Thonwaaren des Mittelalters. Aus den bis jetzt veröffentlichten Nachrichten läßt sich nicht nachweisen, ob Hohlglas (d. h. Glasgefäße) und Tafelglas (d. h. Butzenscheiben) allenthalben neben einander gefertigt wurden, ob alle, ob nur einzelne und welche Farbengläser für die Glasmalerei bei uns hergestellt wurden. Wir sind darin bis jetzt nur auf Schlüsse angewiesen.
Das einheimische, da Feld-, dort Waldglas genannte, Produkt suchte im Mittelalter wohl den Weg zur Kunstform nicht. Als nach dem Schlusse desselben die deutsche Glasindustrie jenen Weg einschlagen wollte, gieng sie auf Imitation der Venetianer hinaus, und die Produkte dieser Thätigkeit gelten heute jedenfalls als Venetianer, ohne daß wir feststellen können, welche derselben die deutschen Imitationen sind. Was das Mittelalter betrifft, so bilden Gemälde und Miniaturen die einzigen Anhaltspunkte, um hinsichtlich der Glasgefäße zu zeigen, welcher Art die damals im Gebrauche befindlichen waren. Sie zeigen sich uns aus diesen Quellen derart einfach, daß wir nicht zweifeln dürfen, eigenes, einheimisches Fabrikat dargestellt zu sehen, da man kaum solch gewöhnliche Waare aus der Fremde bezogen haben kann.
Eine Form, die uns im 14.-16. Jahrh. hin und wieder begegnet, ist eine nach oben sich konisch erweiternde, wobei die Gefäße am unteren Theile mit Batzen besetzt sind. Die Farbe ist ein mehr oder minder gelbliches, trübes Grün. Ein solches Glas, das die Spuren der Erde, in welcher es gelegen, an sich trägt, und das wol noch dem Mittelalter angehören mag, ist das hier in Fig. 2. in halber Originalgröße dargestellte.
Fig. 3.
Aber auch die Gemälde des 16. und 17. Jahrh. zeigen uns, daß in Deutschland neben den vornehmen Venetianern mit ihrem durchsichtigen, farblosen Materiale, die nun die Hauptrolle spielen, immer noch hellere und dunklere grüne Gläser mit Batzen im Gebrauch blieben, die als deutsche Fabrikate zu betrachten und aus ähnlichen primitiven Glashütten hervorgegangen sein dürften, wie jene mittelalterlichen. Wir finden jedoch eine größere Mannigfaltigkeit der einfachen Formen. Das germanische Museum besitzt einige Dutzend solcher Gläser in Original, für welche freilich eine Datierung nicht versucht werden darf; theilweise sind sie von sehr beträchtlicher Dicke und deshalb auch sehr dunkel in der Färbung, ohne daß jedoch aus ihrer Stärke geschlossen werden dürfte, daß sie älter sind als andere, dünnere, selbst sehr dünne und leichte. Von letzteren geben wir hier in Fig. 3 eine Gruppe in halber Naturgröße. Die verehrten Leser kennen alle die heute noch, allerdings meist sehr abgeschwächt, in elegantem Fabrikate dargestellten „Römer.“ Sie erkennen den in beträchtlicher Größe sich zeigenden Humpen. Sie sehen aber auch ein mit Reifen umlegtes Fäßchen. Unsere Sammlung zeigt, daß die Glasmacher, wol erst jene des 17. Jahrh., noch weiter giengen und allerlei Thiere, wie Bären, Mäuse u. A. fertigten. Selbst eine Trompete aus solchem grünen Glase, die einen ganz guten Ton hat und recht wohl als Blasinstrument dienen kann, ist im Museum.
Nürnberg.