145) Ein Münzenfund wurde vor ein paar Wochen im Rayon der Dreher’schen Gründe zu Klein-Schwechat bei Wien gemacht, der, was die Quantität der ausgegrabenen Stücke betrifft, allerdings bedeutend zu nennen ist. Aber auch das Alter — sie stammen in der Mehrzahl aus dem vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung und tragen meist das Gepräge „Constantinus Max(imus) Aug.“ — macht die Stücke merkwürdig, und so ist der Fund immerhin ein kostbarer. Bei der Entdeckung dieses kupfernen und bronzenen Schatzes soll es nun unter den anwesenden Erdarbeitern etwas bunt zugegangen sein und sich so mancher die Säcke vollgestopft haben, bis dem wüsten Treiben Einhalt gemacht und der Wunderplatz eingeplankt wurde, da man Sachverständige in Kenntniß setzen und überhaupt den gesetzlichen Gang, der in derlei Fällen vorgeschrieben, beobachtet wissen wollte. Mittlerweile gelangten jedoch fast sämmtliche Bewohner jenes Territoriums in den Besitz solcher antiker Geldzeichen, die sie nun in Wien, wo es von Kennern, Gelehrten, Liebhabern und Sammlern „wimmeln“ soll, verwerthen möchten. Die Hausse, die die Stücke in ihrem späten Alter erlebten, ist eine außerordentliche. Die „Amateurs“ wachsen wie aus dem Boden, die „wilden Numismatiker“ sitzen und disputieren und erhitzen sich an allen Tischen. Ein Wiener Blatt gibt hiervon eine hübsche Schilderung.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 695.)
Ueber diesen Fund berichten auch Nentwich’s numism. Blätter ausführlich und geben die Zahl auf 10–15000 an, die in einem großen, schwarzen Topf etwa 1½ Meter unter der Erde sich befanden. Es gelang dem Fachmanne etwa 3000 Stück zu besichtigen, die sämmtlich dem Schlusse des 3. oder Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. angehörten, aber nichts Neues oder Unbekanntes brachten; auch waren weder Gold-, noch Silbermünzen, weder Großbronzen, noch Medaillons dabei.
146) Zur Vervollständigung unserer Fundchronik machen wir noch nachträglich auf die uns erst jetzt zugekommene Nr. 3 des Anzeigers für schweizerische Alterthumskunde in Zürich aufmerksam, worin der im Juni d. J. gemachte Fund eines Grabes bei Füllinsdorf, oberhalb Augst (Baselland), gemeldet wird, das ein weibl. Skelett mit einem Bronzeringe mit Gemme am Finger, 23 schöne, fein getriebene Goldplättchen, ein silbernes Büchschen, ein ziemlich großes Thränenfläschchen, sowie mehrere Münzen der Faustina enthielt.
147) Ebendaselbst wird auch die Auffindung eines Grabes bei Lavorgo bei Gelegenheit der Gotthardbahnarbeiten mitgetheilt, von dem nicht festgestellt ist, ob der Fund als ein römischer zu betrachten sei.
148) Auf der Halbinsel Listerland in Norwegen ist kürzlich ein Exemplar von den so seltenen Goldbracteaten mit Runeninschrift gefunden worden. Die Direktion des Museums in Bergen hat denselben für die Alterthumssammlung erworben.
(D. Reichsanz., Nr. 275.)
149) Der Bestand der romanischen Abteikirche zu Knechtstedten (vgl. Nr. 104 auf Sp. 279 d. Bl.) scheint nun gesichert werden zu sollen. Nachdem sich in Neuß ein Verein für die Erhaltung des Bauwerkes gebildet, hat der Provinzialverwaltungsrath beschlossen, diesem für 1879 und 1880 je 2000 m. Zuschuß zu bewilligen; der Kreis Neuß hat 400 m. bewilligt. Eine Ueberweisung von 3000 m. aus der Brandentschädigung ist wahrscheinlich, so daß aller Wahrscheinlichkeit nach der Verfall auf lange hinaus wird abgehalten werden können.
150) Die Restaurationsarbeiten an der Metzer Kathedrale werden, soweit thunlich, auch während des Winters fortgesetzt. Bezüglich der Herstellung eines neuen Daches an Stelle des abgebrannten sind die Vorbereitungen soweit gediehen, daß die Ausarbeitung eines Projektes, welches die Bedachung in Form eines gleichseitigen Dreiecks zur Grundlage hat, angeordnet werden konnte. Dagegen erscheint der projektierte Ausbau des einen Thurmes noch nicht gesichert; es hängt dies von der Untersuchung der Fundamente ab, wodurch erhoben werden soll, ob dieselben stark genug sind, um eine Mehrbelastung zu ertragen. Die Herstellung des verstümmelten Eckportals wird eifrig betrieben, wird aber, da fast sämmtliche Haupttheile, namentlich auch die großen Figuren, neu hergestellt werden müssen, voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen. Die dafür vorgesehenen Kosten sind vorläufig auf 120000 m. veranschlagt. Die übrigen im Gang befindlichen kleineren Reparaturen, nämlich die Wiederherstellung einzelner schadhafter Pfeiler und Ornamente in dem äußeren großen Strebbogensystem, die Reparatur und Erneuerung der großen, die Nordfront des Transsepts ausfüllenden gemalten Glasfenster, sowie endlich die Ersetzung von 6 in den Seitenschiffen befindlichen, in gewöhnlichem Glas ausgeführten Fenstern durch in einfachem Stil gehaltene Grisaillefenster werden noch im laufenden Verwaltungsjahr der Beendigung entgegengeführt.